Kupferhammer von Pilz befallen

Der Bestandteil des Unesco-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí wird auf Vordermann gebracht. Olbernhau nutzt dafür unter anderem Mittel aus der Coronahilfe.

Olbernhau.

Der Kupferhammer auf dem Areal der Saigerhütte in Olbernhau-Grünthal, 1537 erbaut und seit 1961 Museum, ist das älteste funktionstüchtige Hammerwerk Europas. Seit dem vergangenen Jahr gehört er zum Unesco-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí. Wie alle anderen Museen auch ist der Kupferhammer derzeit coronabedingt geschlossen. Ruhe herrscht im Inneren des historischen Gebäudes allerdings nicht. Die Stadt Olbernhau als Besitzerin nutzt die Schließzeit, um dringend nötige Reparatur- und Sanierungsarbeiten vornehmen zu lassen. Dabei wurden weitere Schäden entdeckt, die ebenfalls mit behoben werden.

Laut Udo Brückner, Leiter des Regiebetriebes Kultur und Tourismus der Stadt Olbernhau, ist an einer von insgesamt vier Holzsäulen des Hammergestells im Herbst des vergangenen Jahres bei einer routinemäßigen Überprüfung Pilzbefall festgestellt worden. Im Hammergestell sind die drei Fallhämmer des Kupferhammers befestigt. Diese werden über eine elf Meter lange Eichenholzwelle in Gang gesetzt, die wiederum von einem Wasserrad angetrieben wird. "Bei näherer Betrachtung war der Befall des Holzes durch den Wilden Hausschwamm zu vermuten", erklärt der Olbernhauer Bauamtsleiter Stefan Procksch. Diesen Verdacht hat ihm kurze Zeit später nach Laboranalysen ein Gutachter bestätigt. Da aufgrund der Zerstörung der Holzsubstanz zunehmend die Tragfähigkeit der Säule beeinträchtigt wurde, wird jetzt das Hammergestell saniert.

Mit der Erneuerung der vom Pilz befallenen Teile ist ein Mühlenbauunternehmen aus Mulda beauftragt worden. Mitarbeiter Sebastian Geier zufolge wurde beim Ausbau der geschädigten Säule auch an der benachbarten Säule Pilzbefall festgestellt. Da zudem am Lagerholz der langen Eichenholzwelle der Zahn der Zeit genagt hat, wird dieses ebenfalls in die Sanierung einbezogen und wie die Säulen durch Neuteile ersetzt. Parallel zur Arbeit der Mühlenbauer haben Mitarbeiter eines Unternehmens für Bautenschutz in die durchfeuchtete Wand zur Radstube, in der sich das Wasserrad dreht, Bohrungen eingebracht und in diese Injektoren aus Kunststoff eingebaut. Durch diese Injektoren ist mit einer Pumpe ein flüssiges Schwammsperrmittel in die Mauer gepresst worden, das sich dort verteilt hat und zukünftig das Bilden von Keimen unterbindet beziehungsweise bereits vorhandene Keimbildung sofort stoppt. So soll eine erneute Schädigung der Holzsäulen verhindert werden, sagt Stefan Proksch.

Die Kosten für die Sanierung der historischen Produktionsanlagen sind mit 37.500 Euro veranschlagt. Zur Finanzierung nimmt die Stadt Olbernhau Mittel aus dem Programm "Soforthilfe Heimatmuseen" des Deutschen Verbandes für Archäologie ebenso in Anspruch wie Mittel aus der Coronahilfe des Freistaates Sachsen.

Der Grünthaler Kupferhammer gehört neben dem Frohnauer Hammer, dem Eisenhammer Dorfchemnitz und dem Freibergsdorfer Hammerwerk zu den wenigen der ehemals zahlreichen sächsischen Hammerwerken, die bis heute funktionsfähig erhalten geblieben sind. Im Grünthaler Kupferhammer sind bis 1914 Buntmetalle zu Blechen, Schalen und auch Kesseln verarbeitet worden.

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