Lärm und Gestank: Kein Ende in Sicht

Am hohen Verkehrsaufkommen in Reitzenhain hat sich nichts geändert. Doch um die geplante Ortsumfahrung ist es still geworden. Einige Bürger gehen daher nun wieder in die Offensive.

Reitzenhain.

Es ist laut in Reitzenhain - wie jeden Tag. Lkw an Lkw, Auto an Auto rollt über die B 174 durch den kleinen Grenzort nach Tschechien - dicht vorbei an den Wohnhäusern. Täglich sind es an der Dauerzählstelle fast 6200 Fahrzeuge. Schwerlastanteil: 25 Prozent. Eine Ortsumfahrung soll für Entlastung sorgen. Doch im Gegensatz zum anhaltenden Verkehrslärm ist es ruhig geworden um die Pläne des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Zu ruhig, findet Matthias Grahnert.

Er gehört zu den Reitzenhainern, die unmittelbar an der Bundesstraße wohnen und unter der Belastung von Lärm, Dreck und Gestank aufgrund der autobahnähnlichen Verhältnisse leiden. Gemeinsam mit Martin Drilltzsch hat er 66 Unterschriften im Ort gesammelt und mit einem Schreiben der Stadtverwaltung Marienberg übersandt, um die Zustände wieder in Erinnerung zu rufen. Der Brief gleicht einem Hilferuf. Denn es sei wieder einmal ein Jahr ohne Neuigkeiten vergangen.

2019 stellte das Lasuv lang ersehnt eine Variante vor. Sie sah vor, dass sich der Verlauf der B 174 aus Richtung Marienberg vom Ortseingang bis Abzweig Rudolf-Breitscheid-Straße gar nicht ändert, sondern lediglich ein Ausbau im Bestand erfolgen soll. Ab altem Sportlerheim sollte die Trasse weiter entlang des parallel zur B 174 verlaufenden Bahndamms führen. Eine Ortsumfahrung mitten durch den Ort? Einwohner und auch Oberbürgermeister André Heinrich lehnten dies ab, sagt Lasuv-Sprecherin Isabel Pfeiffer. Daher folgten im Juli, September und November 2019 drei Gesprächsforen mit Bürgern, in denen gemeinsam ein neuer Verlauf erarbeitet wurde. Demnach würde die Straße ab Ortseingang westlich an der Bebauung vorbeiführen und so zumindest den vorderen Teil des Dorfs entlasten. Aber etwa 100 Meter südlich des Sportlerheims, wo auch eine Fußgängerunterquerung geplant ist, soll die "Ortsumfahrung" erneut auf die stillgelegten Bahnstrecke verlegt werden.

Nun, ein Jahr später, steht fest, dass aktuell keine Untersuchung weiterer Möglichkeiten vorgesehen ist, bestätigt Isabel Pfeiffer. Doch auch die Planung der aktuellen Variante ist in den vergangenen zwölf Monaten kaum vorangegangen. Das Lasuv habe die Unterlagen für die Voruntersuchung aufgestellt. Erst wenn eine Stellungnahme der Stadt vorliegt, werde tiefergehend untersucht, ob der Trassenverlauf - auch aus Naturschutzgründen - überhaupt umsetzbar ist, ergänzt die Sprecherin. Genehmigt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die Variante, folgt ein Planfeststellungsverfahren. Das heißt, es vergehen weitere Jahre, bis die Reitzenhainer eine Entlastung erwarten können.

Sehr ernüchternde Aussichten, sagt Matthias Grahnert. Schließlich kämpft eine Bürgerinitiative (BI) seit mehr als einem Jahrzehnt für eine Ortsumgehung in Reitzenhain. Sogar noch länger engagiert sich eine BI für eine Ortsumfahrung in Hohndorf. Denn die Probleme an der B 174 ziehen sich von Reitzenhain bis nach Chemnitz. Gemeinsam mit weiteren Gemeinschaften und Bürgern werden aktuell Kräfte gebündelt, um geschlossen und stark Forderungen zu stellen, erklärt Mitinitiator Jürgen Mädler. Ziel sei es, den internationalen Schwerlastverkehr auf der Bundesstraße zu stoppen. Denn der werde - mit Blick auf die Fertigstellung der A 72 nach Leipzig und dem Lückenschluss in Tschechien zwischen Komotau und Prag - noch weiter zunehmen.

Letztlich geht es allen darum, dass die Belastungen für Anwohner minimiert werden. Matthias Grahnert wünscht sich daher auch kurzfristigere Maßnahmen, die dazu beitragen können - etwa eine feste Querungshilfe für mehr Sicherheit in Reitzenhain. Doch weder ein solcher Straßenübergang noch andere verkehrsberuhigende Vorhaben seien geplant, so Lasuv-Sprecherin Isabel Pfeiffer. Zumindest die Sanierung des maroden Gehwegs wird im kommenden Jahr umgesetzt. Für Grahnert sei das - alles in allem - nur ein schwacher Trost.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.