Landkreis will angehende Mediziner locken

Mittelsachsen geht neue Wege, um langfristig die medizinische Versorgung zu sichern. Deshalb sollen ab Herbst jährlich bis zu drei Stipendien an Medizinstudenten vergeben werden.

Freiberg.

400 Euro Stipendium pro Monat, und das sechs Jahre lang - mit diesem Angebot will der Landkreis ab Oktober angehende Ärzte nach Mittelsachsen locken. Drei junge Leute, die ein Medizinstudium begonnen haben, sollen diese finanzielle Unterstützung erhalten. Das hat der Kreistag am Mittwoch in Hartha mit übergroßer Mehrheit beschlossen. Auch nach dem Ersten Staatsexamen kann an Studenten dieses Geld gezahlt werden, dann allerdings vier Jahre lang.

Wie der zweite Beigeordnete Jörg Höllmüller erklärte, müssen sich die Studenten verpflichten, alle Praxisphasen ihres Studiums und ihre Facharztausbildung, soweit möglich, an medizinischen Einrichtungen in Mittelsachsen zu absolvieren. Betreut werden die Studenten über ein sogenanntes Mentoringprogramm, dazu stehen ihnen im Landkreis tätige Mediziner als Ansprechpartner zur Seite. Der Landkreis stellt in diesem Jahr bis zu 4800 Euro für die Stipendien bereit. Die Summe wächst auf maximal 86.400 Euro im Jahr 2026.

Das Programm "Rundum gesund - Ärztin/Arzt werden für Mittelsachsen" stellt aber auch Bedingungen. Wer gegen die Vereinbarung verstößt, das Studium abbricht oder nicht im Landkreis tätig wird, muss das Stipendium zurückzahlen. Wer nach Erteilung der Approbation keine unmittelbare Weiterbildung zum Facharzt anstrebt, verpflichtet sich, im Landkreis als angestellter Arzt in der Patientenversorgung oder im Gesundheitsamt des Landkreises tätig zu werden. Die Arzttätigkeit muss für mindestens fünf Jahre ausgeübt werden.

Warum der Landkreis Mittelsachsen diesen neuen Weg gehen und diese finanziellen Anreize zahlen will, hat laut Höllmüller einen ernsten Hintergrund. "Die Bevölkerung geht stetig zurück, der Anteil der über 65-Jährigen nimmt zu. Wir brauchen dringend eine Vorsorge im medizinischen Bereich", sagte er. Niedergelassene Ärzte sowie Mediziner in Krankenhäusern und im öffentlichen Gesundheitsdienst, vor allem aber Hausärzte, würden dringend gebraucht. Im Partnerlandkreis Calw zum Beispiel habe man mit einem solchen Stipendienprogramm bereits gute Erfahrungen gemacht. Die ersten so geförderten Absolventen eines Medizinstudiums haben laut Höllmüller ihre Arbeit als Ärzte in Praxen und Kliniken des Partnerlandkreises aufgenommen.

Das neue Lockmittel stieß nicht bei allen Kreisräten auf Gegenliebe. Es gab auch Bedenken. So zweifelte Maria Euchler von den Freien Wählern, die als Bürgermeisterin die Geschicke der Gemeinde Kriebstein lenkt, an, dass die Aktion funktionieren wird. "Ärzte auf dem Land fehlen - und zwar flächendeckend. Es ist fraglich, ob wir durch diese Aktion genügend Ärzte in den Landkreis holen", mutmaßte sie. Hier sei vor allem die "große Politik" gefragt, die für eine bessere Versorgung die Weichen stellen müsse. Vorrangig ansprechen sollte man nicht diejenigen Studenten, die ohnehin ihre Wurzeln in Mittelsachsen hätten. "Die bleiben meist auch hier", sagte Maria Euchler. Vielmehr sollte man sich an diejenigen wenden, die keinen Bezug zum Kreis hätten. Ihr Vorschlag: "Das Geld aus dem Stipendienprogramm sollte deshalb lieber in Gesundheitseinrichtungen fließen."

Bedenken, dass sich Landkreise bundesweit mit derartigen Lockangeboten überbieten könnten, äußerte Kreisrat Dirk Zobel von der AfD. "Dann schaukelt sich diese Summe womöglich noch hoch." Deutschlandweit hätten bislang fünf bis sechs Landkreise ein solches Programm aufgelegt, so Jörg Höllmüller.

Doch es gab auch Zustimmung. CDU-Mann Dr. Ulf Schneider, der als Chirurg in Brand-Erbisdorf tätig ist, findet die Bemühungen gut. "Die Bevölkerung soll merken, dass wir Verantwortung wahrnehmen", sagte er. Und auch von den Bündnisgrünen gab es Zustimmung, dieses Stipendienprogramm aufzulegen.

Landrat Matthias Damm (CDU) betonte, dass sich die ersten Erfolge nicht sofort einstellen werden. Das brauche mehrere Jahre. (mit jl)

Interessierte Studenten können ihre Bewerbung an das Landratsamt schicken. Bewerbungsschluss ist in diesem Jahr Donnerstag, der 10. September. Über die Auswahl der Stipendiaten entscheidet der Landrat auf Vorschlag eines Auswahlgremiums.

www.landkreis-mittelsachsen.de

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