Landleben: Großes Plus für große Familie

Mein Mulda: Lysann und Rico Kolbe wohnen mit ihrer Tochter Zoe Fabienne und den Drillingen Levi, Tayler und Jayden in Mulda. Sie freuen sich über jede Unterstützung, auch aus der Kita.

Mulda.

Lachen und Stimmengewirr: Wer im Sommer bei Familie Kolbe im Wohngebiet "Am Südhang" in Mulda vorbeischaut, kommt sich vor wie in einem kleinen Kindergarten. Im Grünen tummeln sich die achtjährige Tochter Zoe Fabienne, die vierjährigen Drillinge Levi, Tayler und Jayden und oft Kinder aus der Nachbarschaft. So ist es auch an diesem Nachmittag. Zwei Mädchen und vier Jungen klettern gerade auf dem Spielturm. "Bei uns ist immer viel los", sagt Lysann Kolbe und setzt sich so auf die Holzbank, dass sie die Kinder beobachten kann. Ihr Mann Rico Kolbe lacht und sagt: "Langweilig wird es hier nie." Im Freien seien die Drillinge am besten zu bändigen, sie brauchen viel Auslauf. "Wir sind froh, dass wir hier wohnen und einen großen Garten haben", so Rico Kolbe.

Als sich der Mechatroniker aus Freiberg und die heutige Sichtprüferin aus Sayda 2008 kennenlernten, ahnten sie noch nicht, dass sie einmal vier Kinder haben werden. Damals hatte er keine Lust, nach Sayda zu ziehen, und sie wollte nicht nach Freiberg. So verschlug es die beiden nach Mulda. 2010 bauten sie hier ein Eigenheim. Heute sind sie froh, in Mulda zu leben. "Das ist ein Riesenvorteil. Denn hier haben wir alles: Grundschule, Kindergarten, Geschäfte, Gaststätten, Feuerwehr, Sportverein, Anbindung mit Bus und Bahn", so Rico Kolbe.


Tochter Zoe kommt jetzt in die zweite Klasse, ihre drei Brüder besuchen seit Herbst 2017 das Naturkinderhaus Mulda. Vorher waren sie nicht krippentauglich. Die eineiigen Drillinge kamen am 27. Januar 2015 in der 30.Schwangerschaftswoche in der Dresdner Uniklinik auf die Welt. Die ersten acht Wochen verbrachten sie mit ihrer Mutter im Krankenhaus, erst in Dresden, dann in Freiberg. Und auch in der folgenden Zeit waren sie Stammgäste im Freiberger Krankenhaus. Durch die zur Geburt noch nicht ganz ausgereiften Lungen waren die Jungs anfällig für Atemwegsinfekte, Bronchitis und Lungenentzündung. Es war eine harte Zeit für die ganze Familie. Wenn Lysann Kolbe darüber spricht, verdüstert sich ihre Miene. "Es war nicht einfach", so die 34-Jährige. "Das Freiberger Krankenhaus war unser zweites Zuhause." In der Klinik seien die Drillinge stets gut betreut worden.

2016 und 2017 fuhr die Familie zur Rehabilitation in die Fachklinik "Klaus Störtebeker" in Kölpinsee auf Usedom. Nach der zweiten Reha wurde es viel besser, endlich. Noch heute atmen Lysann und Rico Kolbe hörbar auf, als sie davon berichten. Doch mit vier aufgeweckten Kindern kommen sie auch heute noch oft an ihre Belastungsgrenze.

Nicht nur äußerlich unterscheiden sich die Drillinge. Levi ist der zierlichste, lustigste und vorsichtigste des Trios. Jayden, der eine Brille trägt, hat es faustdick hinter den Ohren und ist stets der Erste. Tayler, der Kräftigste der Drei, gibt immer den Ton an. Von der Größe und vom Gewicht her liegen Jayden und Tayler eher über ihren Altersgefährten. Beide radeln schon ohne Stützräder. Der kleinere Levi ist lieber mit dem Elektrotraktor unterwegs. Die Drei kabbeln sich oft, aber in der Kita halten sie zusammen wie Pech und Schwefel. "Sie sind eine Einheit, haben aber auch Freunde. Und wenn einer von ihnen ein Kind nicht leiden kann, mögen sie es alle drei nicht", erzählt die Mutter. Übrigens gehen alle vier Kolbe-Kinder seit Mai zum Fußballtraining des SVMulda in Dorfchemnitz.

Mit Zoe war Lysann Kolbe, die noch in Elternzeit ist, unlängst drei Wochen zur Reha - auch um mehr Zeit für ihre Tochter zu haben. Und für sich. "Ruhe, Ruhe, Ruhe", habe sie anfangs nur gedacht, erzählt Lysann Kolbe. Endlich musste sie sich mal um nichts kümmern. Musste nicht von 6.30 Uhr bis 20Uhr rotieren. Musste keine Wäscheberge waschen, keine großen Töpfe mit Essen kochen. Und musste nicht funktionieren, wie im vorigen Jahr, als ihre Mutter starb, die drei Jungs ständig nach der Oma fragten und sie ihre Trauer vor den Kindern nicht zeigen wollte. Zur Reha konnte sie sich fallenlassen. Rico Kolbe betreute in der Zeit die Jungs zu Hause. Dafür reduzierte er seine Arbeitszeit auf täglich vier Stunden. "Glücklicherweise ist mein Arbeitgeber, die Siltronic AG in Freiberg, sehr familienfreundlich", sagt er. Abends telefonierte er mit seiner Frau und Zoe, und über Videotelefonie unterhielt sich die ganze Familie.

Inzwischen springen die Kinder auf einem Trampolin. Tayler ruft "Aua", er hat sich gestoßen. Rico Kolbe sprintet zu dem Dreikäsehoch und tröstet ihn. Kurz darauf hüpft Tayler wieder herum, als wäre nichts geschehen. "Wehleidig sind unsere Kinder nicht", kommentiert Lysann Kolbe. "Und wir sind auch keine überängstlichen Eltern."

Zoe und ihre Freundin setzen sich mit auf die Holzbank und malen. Auf der Lehne der Bank sind die Namen der vier Kolbe-Kinder und lustige Kinderfiguren eingraviert. "Das habe ich gestaltet", sagt Lysann Kolbe. Im Nebenerwerb hat sie die Kreativwerkstatt Mulda aufgebaut. Auf ihrer Internetseite (www.kreativwerkstatt-mulda.com) bietet sie beispielsweise Namensschilder und Wandlampen aus Naturholz in 3-D-Optik sowie Bastelaktionen für Kinder an.

Im Naturkinderhaus Mulda, das sich in Trägerschaft des Vereins Kinderarche Sachsen befindet, fertigte sie mit den Vorschulkindern innerhalb der 14-tägigen Mitmachtage Bienenhotels. Geld verlangte sie dafür nicht. "Die Kita unterstützt uns super. Da wollten wir auch mal etwas zurückgeben", sagt sie. Für das Naturkinderhaus wiederum ist Lysann Kolbes Kurs eine "Bereicherung unseres Angebotes", so die stellvertretende Kita-Leiterin Bianca Beyer. Das Basteln mit Naturmaterial passe obendrein super zum neu gestalteten Garten der Einrichtung.

Jetzt rollt Tayler mit einem kleinen Dumper den Rasenhang herunter, Jayden springt mit einem Hüpfball herum, und Levi schaut völlig versunken dem Nachbarn beim Rasenmähen zu. Nächste Woche beginnt die 14-tägige Sommerpause der Kita. "Wir haben eine ganze Menge vor", sagt Rico Kolbe. Gemeinsam mit seiner Mutter, die die Familie sehr unterstützt, wollen sie zum Beispiel zum Freizeitpark nach Plohn. Und im Muldabad sind sie bei schönem Wetter ohnehin oft. Lysann Kolbe schaut auf ihre spielenden Kinder und sagt: "Wir würden schon gern mal in den Urlaub fliegen. Aber einerseits ist das sehr teuer. Und andererseits müssen wir im Flugzeug bei vier Kindern drei erwachsene Begleiter sein."

Wenn Lysann Kolbe daran denkt, dass die Drillinge in zwei Jahren in die Schule kommen, beschleicht sie ein banges Gefühl. "Der Platz in unserem Haus wird knapp. Wir haben nur zwei Kinderzimmer", sagt sie. Ihr Mann lächelt seine Frau an und sagt: "Uns fällt schon etwas ein." Dann erzählt er von seinen Plänen, ein dreistöckiges Bett für die Jungen zu bauen, um Platz zu gewinnen. Und vielleicht finden die Kolbes ja auch mal einen oder zwei Babysitter, die auf alle vier Kinder aufpassen. Dann könnten die Eltern auch mal etwas allein unternehmen.

Was das Schönste an den vier Kindern ist? "Dass jeder Tag anders ist und sich die Kinder gut entwickeln", so Rico Kolbe. Seine Frau Lysann ergänzt: "Dass sie gesund sind."


Rund 5200 Einwohner

Mulda zählt rund 5200 Einwohner. Es umfasst die Ortsteile Mulda, Zethau und Helbigsdorf. Bürgermeister ist Reiner Stiehl (Freie Wähler Mittelsachsen). Es gibt eine Grundschule in Mulda und zwei Kindertagesstätten in Trägerschaft des Vereins Kinderarche Sachsen - das Naturkinderhaus in Mulda und das Christliche Kinderhaus "Ankerplatz" in Zethau. In allen Ortsteilen engagieren sich örtliche Feuerwehren und Vereine. Der Verein Technische Denkmale Mulda beispielsweise betreut die Brettmühle, der Ortsverein "Drei weiße Birken" Helbigsdorf das Vereinshaus. (hh)

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