Landrat nimmt sich der Kanzel an

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Naturschützer bezweifeln, dass die Fachbehörde im Landkreis den Hochstand erhält. Nun hat sich der Chef selbst eingeschaltet.

Großhartmannsdorf.

Ob es ein gutes Zeichen ist, dass Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU) nun persönlich festgelegt hat, wie es mit der Beobachtungskanzel am Großteich in Großhartmannsdorf weitergehen soll, wird sich zeigen. "Die diesbezüglich eingeleiteten Aktivitäten haben allerdings noch keinen Stand, der eine Bekanntgabe rechtfertigt", heißt es dazu auf Nachfrage der "Freien Presse" aus der Pressestelle des Landratsamtes. Dennoch, die Angelegenheit um die marode Kanzel, die einen Neubau erfordert, könnte damit aus Sicht der Naturschützer auf einen guten Weg gebracht werden. Noch im Dezember hatten diejenigen, die sich um den Fortbestand des Beobachtungspunktes bemühen, weniger Hoffnung.

Seit 1992 gibt es die Kanzel am Großteich, einem Rastplatz für Wasservögel, die das Gewässer alljährlich auf ihrem Zug nach Süden nutzen. Sie steht am Ufer eines von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen verwalteten Grundstücks. Für Naturschützer, Ornithologen, aber auch interessierte Erwachsene und Kinder ein wahres Eldorado, um die Zugvögel zu beobachten. Der Hochstand war einst von ehrenamtlichen Naturschutzmitarbeitern mit Mitteln des Regierungspräsidiums Chemnitz gebaut worden. Laut dem Landesnaturschutzbeauftragten Edgar Weber ist er der einzige derartige Beobachtungsstand im Landkreis in einem Naturschutzgebiet und wichtig für die wissenschaftliche Freizeitforschung im weit über Sachsen hinaus bekannten Vogelschutzgebiet. Seit dem Herbst aber ist der Hochstand gesperrt, weil er verschlissen und unsicher ist. Naturschützer und Ornithologen setzen sich seitdem für seinen Erhalt beziehungsweise einen Neubau ein.

Allerdings zeigten sich Edgar Weber und Naturschutzbeauftragter Christoph Weidensdorfer nach einem Gesprächstermin mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises im Dezember wenig hoffnungsvoll. Referatsleiter Udo Seifert aus dem Landratsamt hatte laut Edgar Weber sinngemäß geäußert, dass es nur dann ein weiteres Gespräch zum Thema gebe, wenn Unterlagen des Regierungspräsidiums Chemnitz aus der Zeit von 1992 belegen könnten, dass dem Kanzelbau damals zugestimmt wurde. Dass Mittelsachsen als Nachfolger für den früheren Kreis Brand-Erbisdorf auch für derartigen Altbestand verantwortlich sei, davon habe der Referatsleiter nichts wissen wollen, so Weber im Dezember. Es habe keinen Ansatz für einen Kompromiss gegeben.

Inzwischen hat Edgar Weber nach eigenen Worten nach Unterlagen zur Kanzel und dem damaligen Bau im früheren Regierungspräsidium - heute Landesdirektion - geforscht. Die Behörde habe ihm jedoch mitgeteilt, dass es keine Dokumente dazu gebe. Ebenso sehe der Verein Sächsischer Ornithologen laut Weber die Verantwortung für eine Lösung um die Kanzel bei der Unteren Naturschutzbehörde.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Windhose
    05.02.2021

    Können Sie sich noch an diesen Satz erinnern: "„Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“ (Th. de Maizière)? Das Landratsamt Mittelsachsen ist nicht weit weg davon: "Die diesbezüglich eingeleiteten Aktivitäten haben allerdings noch keinen Stand, der eine Bekanntgabe rechtfertigt". Immerhin, es tut sich etwas. Auf die Bekanntgabe des Ergebnisses kann man gespannt sein.