Lebenshilfe für ein Denkmal der Technik

Eine Gruppe Bergbaufans macht sich seit Jahren für den Erhalt eines alten Wasserrades stark -und das mit Erfolg.

Freiberg.

Eine steile Metalltreppe im Turmhofschacht führt zehn Meter unter die Erde. Die Luft ist feucht, von der Gewölbedecke tropft es. Egal ob Sommer oder Winter, wer einen Blick auf das älteste im Bergbau vorhandene Wasserrad Deutschlands werfen möchte, sollte sich warm anziehen. "Hier unten sind es permanent etwa zehn Grad", erklärt Karl-Heinz Eulenberger.

Der ehemaliger Bergakademie-Mitarbeiter ist stolz auf das 1846 gebaute Untertagerrad. Mit seinen fast 20 Metern Umfang ist es so groß wie ein mittleres Wohnhaus. Früher setzte das Wasserrad die Mühlen des Pochwerks in Bewegung, in dem Erz zerkleinert und von Gestein getrennt wurde. Nachdem das Pochrad 1879 still gelegt wurde, geriet es schnell in Vergessenheit.


"Lange hat sich niemand gekümmert", sagt Eulenberger, der nicht zulassen wollte, dass dieses "einmalige historische Denkmal" ungesehen verrottet. Nicht als Einziger. Im Jahr 2014 gründeten Freiberger Bergbaufreunde die Arbeitsgruppe "Radstube Turmhof Schacht", die aktuell sechs aktive Mitglieder umfasst. Größtenteils in Eigenleistung musste das Rad zunächst aus dem Schlamm befreit, abgesichert und durch neue Wasserzuflüsse wieder bewegungsfähig gemacht werden.

Das Engagement lohnte. Seit mehr als zwei Jahren erhält die Gruppe Unterstützung von der Saxonia-Freiberg-Stiftung, wo auch Eulenberger Mitglied ist, und dem Wasserzweckverband. Etwa 20.000 Euro Unterstützung kamen 2018 zusammen und mehr als 300 Besucher, auch aus dem Ausland, bestaunten das Rad. Der Eintritt ist frei. "Unsere einzige Werbung ist die Mund zu Mund-Propaganda", erklärt Eulenberger. Den Freiberger Bürgerpreis sieht er als Anerkennung.

Diese steht indes vor weiteren Aufgaben. Die Wichtigste: "Wir würden den Staffelstab gerne weitergeben", sagt Eulenberger. Die Hälfte der Arbeitsgruppe sind bereits Rentner. Gerade die Studenten der Bergakademie könnten an dem Rad ihre technischen Fähigkeiten erproben und Erinnerungen an die Tradition der Region wachhalten, glaubt der 80-Jährige.

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