Männer ergeben sich dem Triple-Schnipp im Amt

Der Weiberfasching läutet nicht nur in Freiberg den Karneval ein. Als Tag der Emanzipation hat er in der Faschingshochburg längst den Internationalen Frauentag abgelöst.

Freiberg.

An die Heiligkeit des 8. März, dem Internationalen Frauentag, erinnern sich wohl nur noch ältere Damen. Zwar wird dieser Tag immer noch begangen, bekommen Frauen von ihren Ehemännern oder gar Fremden Blumen in die Hand gedrückt. Doch allein im Vergleich mit dem Muttertag ist diesem Datum einiges an Bedeutung verloren gegangen. Es gibt aber einen Tag, der toppt sowohl die eine als auch die andere Ehrung und ist vielleicht ein ausdrucksstärkeres Mittel, um darauf hinzuweisen, dass Frauen den Männern mindestens ebenbürtig sind. Die Rede ist vom Weiberfasching oder auch der Weiberfastnacht, wie es anderswo heißt.

Vorrangig verleihen die Damen dem Anlass dadurch eine hohe Öffentlichkeitswirkung, dass sie für die Verkürzung des wohl einzig etablierten Halsschmuckes für Männer sorgen. Bewaffnet mit Scheren, stürzen sie sich jubelnd auf Krawatten, welche die Herrenhälse zieren, um sie abzuschneiden. So geschehen am gestrigen Donnerstag auch in Freiberg. Eine fünfköpfige weibliche Schar des Freiberger Karneval Klubs (FKK) zog durch die Innenstadt und machte in Einrichtungen Station, um dort für das Ende der Schlipse zu sorgen. Erstes Etappenziel der schnippelfreudigen Damen war das Rathaus.

Hier zeigte man sich nicht unvorbereitet. Sowohl Oberbürgermeister Sven Krüger als auch Baubürgermeister Holger Reuter sowie Büroleiter Philipp Preißler hatten sich Krawatten umgebunden, die wohl schon vor 20 Jahren ihr heutiges Schicksal verdient hatten. Gelassen schmunzelnd erwarteten sie die unvermeidliche Prozedur. Mit einem Triple-Schnipp hauchten die vormaligen Designer-Modelle denn auch zeitgleich ihr textiles Leben aus. Einmal mehr hatten die Frauen im Kampf der Geschlechter gesiegt. Paula Walther vom FKK hatte sich den Preißler-Schlips vorgenommen und zeigte sich erfreut. "Der ließ sich hervorragend schneiden", erklärte sie. Und sie weiß, wovon sie spricht, kann sie doch auf eine jahrelange Tätigkeit als Krawattenvernichterin zurückblicken.

Weiter zogen die Damen zu Geldinstituten und Anwaltskanzleien, selbst vor dem Landratsamt schreckten sie nicht zurück. Doch was machen sie hinterher mit dem gesammelten Material? "Die Abschnitte werden sorgfältig aufgehoben", sagt Anna Engel vom FKK-Vorstand. "Es sind ja unsere Trophäen." Und als solche werden sie behandelt. "Die kommen in der Alten Mensa an eine Wand", sagt Paula Walther strahlend. Dort fand am Donnerstagabend mit dem Weiberfasching des Klubs der eigentliche Tageshöhepunkt statt. Beliebt sei es übrigens, so Anna Engel hinter vorgehaltener Hand, die Abschnitte dabei in Form eines Phallus anzuordnen. Womit im Freud'schen Sinne auch der tiefere bis tiefste Sinn der symbolträchtigen Handlungsweise erklärt sei.

Eine Frage ist noch zu klären: Wer hat stets den unansehnlichsten Schlips? "Die hässlichsten Krawatten hat der Landrat", verrät Anna Engel. "Er, seine Frau oder die Sekretärin wählen sie mit viel 'Liebe' aus."


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