Mess- und Prüfgerätespezialist hat seine Nischen gefunden

Das mittelständische Unternehmen Hegewald und Peschke aus Nossen mit rund 70 Mitarbeitern peilt im 30. Jahr seines Bestehens einen Umsatz von 10 Millionen Euro an.

Nossen.

Ab wann reißt das Toilettenpapier? Wie viel Last hält eine Schraube? Wie gut halten Schutzhandschuhe, wenn sie nass werden? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich die 70 Mitarbeiter des Nossener Unternehmens Hegewald und Peschke. Der Mess- und Prüfgerätehersteller entwickelt und produziert Maschinen, um Produkte auf Zug-, Druck- und Reißfestigkeit zu testen. Inzwischen besteht das mittelständische Unternehmen im Gewerbegebiet Augustusberg seit drei Jahrzehnten.

Laut Geschäftsführer Jan Hegewald wird in diesem Jahr ein Umsatz von rund 10 Millionen Euro angepeilt - ebenso wie 2019. Das Unternehmen lege großen Wert auf seinen engen Bezug zur Region. "In Sachsen gibt es gute Metallverarbeiter. Auf diese Zulieferer können wir uns verlassen", sagt Hegewald. Im Vertrieb sei Hegewald und Peschke bundesweit aktiv und auch international tätig. Ein Drittel der Produkte gehe in den Export, beispielsweise nach Spanien und Frankreich. "Derzeit versuchen wir, das Geschäft mit Russland zu reaktivieren. Es ist für uns nach wie vor einer unserer größten Märkte", sagt der Geschäftsführer. Weltweit zähle Hegewald und Peschke über 6000 Kunden aus Elektronikindustrie, Medizintechnik, Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Lebensmittelindustrie, Metall-, Stahl- bis hin zur Möbelindustrie. Seine Nische sieht der Mittelständler im Kundenservice und in der technischen Beratung seiner Kunden.

Doch auch Hegewald und Peschke bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren. Ein Grund: Messen, Tagungen und Veranstaltungen wurden abgesagt. "Und das sind sonst alles gute Gelegenheiten, um mit Kunden beziehungsweise Anwendern in persönlichen Kontakt zu kommen", sagt Cornelia Graf-Chmiel vom Marketing. Live-Vorführungen der Maschinen im hauseigenen Applikationslabor seien durch Videovorführungen ersetzt worden. Graf-Chmiel kümmert sich verstärkt um das Online-Marketing. Dafür hat Hegewald und Peschke einen eigenen Youtube-Kanal.

Ein Wermutstropfen im Jubiläumsjahr: Die für diesen Sommer geplante Firmenfeier als Dankeschön an die Mitarbeiter für die geleistete Arbeit musste coronabedingt auf 2021 verschoben werden. Grundsätzlich schätzt Hegewald aber ein: "Bisher ist das Unternehmen gut durch die Coronakrise gekommen. Da hilft es, dass wir breit aufgestellt sind." So entwickelte und produzierte Hegewald und Peschke eine Apparatur, mit der Batterienblöcke für Elektroautos verpresst werden: Wie reagieren sie beispielsweise im Fall eines Unfalls? Für einen Flugzeugbauer tüftelten sie eine Vorrichtung aus, um die Trittfestigkeit von Fußböden zu prüfen. Bei der Entwicklung setzt Hegewald und Peschke auf eine enge Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungsinstituten - mit Erfolg. So entstanden Testvorrichtungen für Verbundwerkstoffe. Und 2019 konnten drei weiterentwickelte Universalprüfmaschinen im Prüfbereich bis 30 Kilonewton präsentiert werden.

Ein wichtiges Standbein ist zudem die Modernisierung von Prüfmaschinen. Dabei werden Software und Elektronik erneuert - und die Betriebe können im Vergleich zur Neuanschaffung Beträge teils im fünf- und sechsstelligen Bereich sparen. "Nach der Umrüstung haben die Hersteller eine brandaktuelle Maschine, die sie schon kennen", sagt Jan Hegewald. Seit 2017 ist der heute 41-Jährige als Geschäftsführer im Unternehmen tätig - neben seinem Vater Volkmar Hegewald und Volker Peschke. Zudem agiert Michael Peil, der in Jan Hegewalds Alter ist, als Prokurist und Produktionsleiter sowie Leiter Projektmanagement. "Die Firmennachfolge ist also geregelt", sagt Jan Hegewald, der an der TU Dresden Physikalische Chemie studiert und am Leibniz-Institut für Polymerforschung promoviert hat.

Unterdessen ist das Nossener Unternehmen, das laut Geschäftsführer Hegewald Löhne und Gehälter in Anlehnung an den IG-Metall-Tarif zahlt, weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Vor allem im Bereich Service und Softwareentwicklung werden neue Leute gesucht. Ferner gibt es offene Stellen für Mechatroniker und Automatisierungstechniker.


Einst in Freiberg ansässig

1990 gründeten Volker Peschke und

Volkmar Hegewald das Unternehmen

in Freiberg. 1993 erfolgte der Umzug ins Nossener Gewerbegebiet Augustusberg. Damals zählte der Betrieb vier Mitarbeiter, vertrieb Werkstoffprüftechnik und übernahm den Service.

Inzwischen entwickelt das Unternehmen die Prüftechnik selbst und

stellt sie auch her. Derzeit werden rund 70 Mitarbeiter beschäftigt, 60 Prozent davon sind Ingenieure. Im Jahr 2000 erfolgte der Bau der ersten Montagehalle. Heute befindet sich dort der Eingangsbereich. 2010 bis 2012 entstand die zweite Halle. (hh)

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