Messerstecher bleibt im Krankenhaus

Das Landgericht hat die Unterbringung des Täters von Oberschöna in einer psychiatrischen Klinik angeordnet: Der 36-Jährige sei nicht schuldfähig.

Chemnitz/Oberschöna.

Vom Opfer war am Ende des Prozesses vor dem Landgericht Chemnitz kaum mehr die Rede. Die 74-jährige Frau aus Oberschöna leide noch immer unter Angstzuständen, machte ihre Anwältin deutlich, und könne diese wohl niemals überwinden.

Die Seniorin war am 6. Januar auf ihrem Grundstück überfallen, mit einer Schaufel zu Boden geschlagen und mit zwei Messerstichen in den Rücken lebensgefährlich verletzt worden. Der Täter, ein 36-Jähriger aus Glauchau, leidet an Schizophrenie. Vor Gericht gab er unter anderem an, Stimmen gehört zu haben, die die Frau als den Antichrist darstellten, der zwei Engel gefangen halte. Die könne er befreien, indem er die Frau töte.


Die 1. Strafkammer des Landgerichts Chemnitz unter Vorsitz von Richter Bernd Bräunlich hat nun die Unterbringung des Täters in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Er muss für unbestimmte Zeit im Sächsischen Krankenhaus Rodewisch verbleiben, in das er einen Tag nach der Tat eingeliefert worden war. Die Richter stützten ihr Urteil auf das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Holger Kloß, wonach der Angeklagte die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit gemäß § 20 des Strafgesetzbuchs begangen hat. Das Gesetz schreibt die stationäre Behandlung in einer spezialisierten Klinik vor, wenn vom Täter aufgrund seines Zustandes weiterhin erhebliche rechtswidrige Taten erwartet werden könnten, er also für die Allgemeinheit gefährlich sei.

Das Leben des 36-Jährigen sei recht unstet verlaufen, so der Gutachter; Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch seien nicht förderlich gewesen. Seine Arbeit habe ihn überfordert, seine Beziehungen seien immer problematischer geworden. Seit seiner Einweisung in die Psychiatrie habe er sich positiv entwickelt. Ungewöhnlich religiöse Gedanken hege er noch immer, so sei tägliches Duschen für ihn eine Reinwaschung von seiner Tat.

Die weitere Entwicklung bleibe abzuwarten, erklärte Kloß zur Frage des Verteidigers, ob der junge Mann bald entlassen und ambulant behandelt werden könnte. Der Angeklagte und seine Ehefrau erklärten, wieder miteinander und mit ihren drei Kindern leben zu wollen.

Zuvor hatte der Gerichtsmediziner Christian König sein Gutachten erstattet. Im Gegensatz zu den Ausführungen einer Ärztin des Kreiskrankenhauses Freiberg stand für ihn ohne Zweifel fest, dass die Stichverletzungen für das Opfer lebensgefährlich waren und ohne Operation zum Tode hätten führen können.

Staatsanwalt Stephan Butzkies hatte in seinem Schlussvortrag klar gemacht, dass es nicht um eine Bestrafung des 36-Jährigen gehe. Vielmehr müsse versucht werden, ihn wieder an ein weitgehend normales Leben heranzuführen. Ein halbes Jahr nach der Tat könne man sich aber nicht erlauben, den Täter quasi rundum sorglos ins Leben zu entlassen. Dies sei ihm selbst sowie seiner Familie und der Allgemeinheit geschuldet. Auch Richter Bernd Bräunlich wies darauf hin, dass der Angeklagte sich zwar jetzt gesund fühle, eine sofortige Rückkehr zu seiner Familie aber erhebliche Risiken berge - vor allem das eines Rückfalls.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...