Miniatur-Bergparade wächst fast täglich

Der Freiberger Bernd Kötter drechselt und schnitzt seit Jahrzehnten. Sein Hobby erfährt in dieser Zeit einen Höhepunkt.

Freiberg.

In langer Formation stehen sie auf dem großen Tisch in der Drechselstube von Bernd Kötter: Beamte und Vertreter verschiedener Gewerke der Freiberger Bergparade. Insgesamt 114 von etwa 300 sind es schon. Aufgereiht stehen die Miniaturen in ihren Uniformen nach historischem Vorbild - so als wollten sie im nächsten Moment losmarschieren. Bernd Kötter selbst sitzt an seinem Arbeitstisch und gestaltet einem weiteren Beamten mit Farbe und zartem Pinsel sein Habit.

An vielen Tagen - nicht nur in der Vorweihnachtszeit - zeigt sich im Hause Kötter das gleiche Bild: Der 77-Jährige steht im Sommer entweder an seiner Drechselbank in der kleinen Werkstatt im Garten, um weitere Grundkörper für die Figuren aus dem Holz zu formen. Dann wieder sitzt er vorwiegend in den Wintermonaten still, fügt die Einzelteile der Figuren zusammen und bemalt sie mit Acrylfarben. Manchmal schnitzt er auch. "Stillsitzen kann ich nicht", sagt der Ruheständler, gelernter Betriebsschlosser und Diplomingenieur für Sicherungs- und Fernmeldetechnik.

Mit der Bergparade, mit bergmännischem Brauchtum und vielen Traditionen in diesem Zusammenhang beschäftigt er sich intensiv. So nahm er sich unter anderem ein Buch zum Vorbild, das Knut Neumann, langjähriger Vereinsvorsitzender der Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft, gemeinsam mit Schriftstellerin Sabine Ebert im Jahr 1986 geschrieben hat. "Anhand des Buches nach der Neugründung der Bergparade habe ich mich mit den verschiedenen Berufsgruppen befasst, die in der Bergparade aufmarschieren", erzählt Bernd Kötter. Er hat sich anhand von Bildern und Motiven die Uniformen genau betrachtet, sich mit der Rangfolge der Berufsgruppen in der Bergparade befasst und auch mit den jeweiligen Arbeitshaltungen der Uniformierten. Und er spricht von einer Diaserie, entstanden zu DDR-Zeiten, die viele Einzelheiten zur Marschordnung der Bergparade aufzeigt.

"Ich mag Holz, seine Maserung und stelle mir bei jedem Stück vor, was daraus entstehen könnte", beschreibt der Freiberger seine Ideen. Er könne schwerlich nur ein Stück Holz in den Kamin stecken. So nutzt er nach seinen Worten für sein Hobby fast ausschließlich Abfallholz - bis hin zu einem Apfelbaum, der wegen seiner Altersschwäche im Garten gefällt werden musste. "Aus dem entsteht nun die Bergparade", sagt er lachend. Die Pferde im großen Zug hat er nach der Methode der erzgebirgischen Reifendreher geschnitzt.

Denn das Schnitzen hat sich Bernd Kötter ebenso im Kurs angeeignet wie das Drechseln. Er erzählt, dass er während seines Studiums in Dresden im dortigen Kulturpalast einer Drechslergruppe angehörte. "Dort habe ich in den mehr als zehn Jahren, in denen ich Mitglied war, viel gelernt", denkt er zurück. Die vielen Arbeiten der Hobby-Holzkünstler hätten unter anderem Gesundheitseinrichtungen in Dresden geziert.

Losgelassen hat das Hobby ihn auch all seine Berufsjahre nicht. So zieren das Häuschen der Familie nicht nur geschnitzte und gedrechselte Figuren und Leuchter nach historischem erzgebirgischen Vorbild. Auch eine knapp zwei Meter hohe Bergmannspyramide dreht sich. "Darin stecken drei Jahre Arbeit", sagt Bernd Kötter und meint damit den Zeitraum von der ersten Idee bis zum fertigen Stück. In der untersten der drei Etagen sind die Arbeiten Untertage zu sehen. Im mittleren Bereich sind verschiedene Bergleute so wie einst über Tage tätig, und in der obersten Etage drehen verschiedene Berufsgruppen unter den Bergleuten ihre Runden. Eine im Inneren versteckte Spieldose lässt entweder ein Weihnachtslied oder das traditionelle Steigerlied erklingen. "Es ist als Familienstück und zur Weitergabe in der Familie gedacht", sagt Bernd Kötter.

Die große Pyramide in den historischen Farben, vornehmlich Weiß und Grün, dreht sich - der Freiberger Bergparade fehlen aber noch viele Mitglieder. Sind sie fertig, ergibt die Parade einmal eine Länge von etwa 13 Metern. Bernd Kötter: "Ich denke, noch zwei Jahre habe ich damit zu tun."

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