Mit 83 Jahren immer noch flinke Finger

Erika Liebert hält eine alte Handarbeitstechnik am Leben. Seit 20 Jahren leitet sie eine Klöppelgruppe in Clausnitz. Um den Nachwuchs macht sie sich allerdings Sorgen.

Clausnitz.

Die Fahrt alle 14 Tage von Rechenberg-Bienenmühle nach Clausnitz ist für Erika Liebert schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Denn immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr trifft sich die 83- Jährige mit ihrer Klöppelgruppe - und das seit 20 Jahren.

Viele Motive haben die Holzhauerin und die Clausnitzer Frauen schon geklöppelt. Erika Liebert verschenkt die Wandbilder, Ostermotive, den Weihnachtsschmuck oder die geklöppelten Schwibbögen ihren Enkeln, Kindern und Verwandten. Seit kurzem klöppelt sie nun auch mit Draht oder Textilien. "Da muss man besonders aufpassen, wenn der Draht einen Knick bekommt, kann man das Stück wegwerfen", sagt sie.


Erika Liebert stellt sie sich in ihrem Alter noch gern diesen Herausforderungen, bei denen vor allem Denken, Fingerfertigkeit und Kreativität gefragt sind. Immerhin erwarb sie sich diese Fähigkeiten bereits vor rund 70 Jahren, als sie den Beruf einer Uhrmacherin erlernte.

Aber auch für Handarbeit hat Erika Liebert sich schon immer interessiert, und so brachte ihre Mutter ihr das Häkeln und Stricken bei. Zum 50. Geburtstag schenkten ihr die Kinder einen Klöppelsack und das dazugehörige Material. "Ich habe mir damals diese alte Handarbeitstechnik selbst angeeignet und sie hat mir immer mehr Spaß gemacht", erzählt die rüstige Seniorin.

Seit vielen Jahren fährt sie einmal im Jahr zu Klöppeltreffen, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen und Erfahrungen auszutauschen. Auch ein einwöchiger Klöppelurlaub darf nicht fehlen. "War ich früher noch in Düsseldorf oder Cuxhaven, so liegen die Ziele in letzter Zeit schon ein wenig näher", erzählt die Seniorin.

Zu ihrer Klöppelgruppe kam sie am 1. Adventssonntag vor 20 Jahren, als sie im Heimathaus in Clausnitz beim Schauklöppeln. Diese Handwerkskunst wollte die Besucherin Gerda Müller auch lernen. Schnell fanden sich noch andere Gleichgesinnte zusammen und die Gruppe war geboren. Gerda Müller und Lisa Fritzsch, die damals bei Erika Liebert die Technik erlernten, sind heute immer noch dabei. "Ich habe es bisher nie bereut. Es ist erstaunlich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Für mich ist das Klöppeln nun inzwischen eine schöne Freizeitbeschäftigung geworden", erzählt die 79-jährige Clausnitzerin Gerda Müller.

Wenn es um den Nachwuchs der Klöppelgruppe geht, wird Erika Liebert allerdings nachdenklich. "Ja wir sind alle schon in die Jahre gekommen, die jüngste unserer Frauen ist 65, und es kommt bei uns niemand nach. All jene, die Interesse am Klöppeln haben, sind bei uns herzlich willkommen", sagt Erika Liebert. Ihrer Enkelin hat sie das Klöppeln schon beigebracht, damit dieses traditionelle Handwerkskunst zumindest in ihrer Familie nicht ganz in Vergessenheit gerät.

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