Mit böhmischem Zungenschlag

Das Erzgebirge ist einzigartig - auch wegen seiner Sprache. Und die setzt dem regionalen Essen liebevoll noch ein Sahnehäubchen obenauf. Heute im Gespräch mit: Heimatdichter Karl Bartl, gebürtig in Weipert.

Karl Bartl im Jahr 2012 anlässlich der Eröffnung des Weiperter Ecks im Unterkunftshaus auf dem Bärenstein.

Von Christof Heyden

Mundart macht an Ländergrenzen nicht Halt. Bis in die Nachkriegsjahre wurden beiderseits des Pöhlbachs Spracheigenheiten gepflegt. Karl Bartl, ehemaliger Weiperter, gehört zu jenen Sudetendeutschen, die sich ein Leben lang intensiv mit der Muttersprache beschäftigen und sie auch - fern der Heimat - in Erinnerung behalten helfen.

Karl Bartl, 1929 in Weipert-Grund in einem Bauernhaus geboren, hatte mit dem 14. Lebensjahr den Beruf eines Schuhmachers erlernt. Nach dem Krieg wurde er wie viele deutsche Weiperter in die amerikanische Besatzungszone nach Bayern verbracht. Nach entbehrungsreicher Suche einer neuen Heimat wurde er im fränkischen Bürgstadt sesshaft. Hier schloss er die begonnene Lehre ab und arbeitete später als Orthopädieschuhmacher und -techniker. Auch heute ist er noch agil, etwa als Vorsitzender der Heimatausschusses Weipert der Sudetendeutschen.

In zahlreichen Veröffentlichungen, darunter einem in Deutschland herausgegebenen Heimatblatt für die früheren Landkreise Preßnitz-Weipert und St. Joachimsthal hat er sich auch mit dem Wortschatz der Einheimischen beschäftigt. "Die Sprechweise der Weiperter ähnelte der der Neudorfer", so der 89-Jährige. So mancher Begriff sei vergleichbar. "Aber gegenüber den Erzgebirgern unterscheidet sich unsere sudetendeutsche Aussprache durch andere Tonmodulationen und Vokalfärbungen." Einer seiner Forschungsgegenstände ist die Kartoffel. Nachforschungen haben ihn auf Zeitdokumente stoßen lassen. So sollen während des Dreißigjährigen Krieges irische Mönche die Kartoffel nach Prag gebracht und auch angebaut haben. "Ins Erzgebirge scheinen sie aber von Sachsen aus gebracht worden zu sein", verweist er auf ein Dokument. In dem sei nachzulesen, dass 1712 und 1713 in den benachbarten Orten Crottendorf und Schlettau der Kartoffelanbau betrieben worden sein soll.

Vor der Einführung der Kartoffel hätten in Weipert wie überhaupt im Erzgebirge traurige Zustände geherrscht. Man habe Krautstrünke, Rüben, Dorschen und ähnliches Gemüse gekocht. 1732 soll der Fuhrmann Andreas Wagner die ersten Kartoffeln nach Weipert gebracht haben. Als Wagner die Kartoffeln kochen ließ, kamen die Nachbarn, kosteten, fanden sie gut. Man ließ daraufhin Pflanzkartoffeln bringen und pflanzte sie im Garten an.

Spannend fand Bartl auch das: Später gingen wohlhabende Leute nach Sachsen, um dort den Kartoffelanbau kennenzulernen. Nachher wurden mehrere Äcker bepflanzt. Doch hatte man offenbar die üble Angewohnheit, die Kartoffeln vor dem Einkellern waschen zu lassen. Noch lange habe die Meinung vorgeherrscht, dass Kartoffeln ausschließlich als Nahrung der Gesundheit Schaden bringen. Aber: Die Knolle wurde wichtigstes Gericht.

Dos guta Assn vo Dorhamm - Gedicht von Karl Bartl

Ich wollt heit mol wos brenga un ho mor überlecht, ho a dor wagn amol mei Fraa gefrecht. Sie sot breng holt wos das net ward vergassn, a mol wos übor dos guta Weiperchor Assn. Ich hoh mich ah gleich drübor har gemocht, un ho bissl übor Dorhamm noch gedocht.

Zu arscht kumma da Ardeppln tut när net lochn, denn uhna die kunnt mor kann Speiseplon mochn. Wenns Ardepplknödla gob des wor schie wos Gruß, do wor entwedor Sunntich odor sunst wos lus. Meist gobs Haring Insilt odor Buttor dorzu, wenns Brei mit Laworwerscht gob, do worn mor schie fruh.

Oft worn a Götz un Gworkküchla dorfo gemocht, un wenns Schwommaknödla gob do hot unner Harz gelocht. Möhrnardeppln odor mit Durschn die ho ich net garn gassn, aber Ardepplsupp un da eigaschni dena Ardeppln will ich net vergassn. Es gob abor a sunst nuch guta Sochn, mir kunnt nämlich a guta Gwatschichknödla mochn.

Gut wor a Reisbrei Fleischreis Liwonzn un Tillscheibsos, monichsmol gobs a Sauerkraut mit Knödla un an Hos. Wenns sollt mol schnell gieht hotmor net long rim gemocht, do hot mor Samml un Millich oder gschwinda Knödla gemacht. Gepragelta Schwomma un Schinkn flakla folln mir nuch ei, un a richticha Knublichsupp hot mor gemocht wenn an wor net fei.

Beinoh hät ich itza Schluß gmocht,

doch do ho ich nuch oh unnorn gutn Kuchn gedocht. Denn die Buchtla dor Gwork un dor Mohnkuchn worn net zu verochtn un arscht die gutn Butterstulln zu Weihnochten. Un zuletzt ihr lieben Leit will ich wos wichtiges net vergassn, in Bayern bei da Schwab nun in Hessen gibt's fei a rachts guts Assen.

Erzgebirgische Worte aus dem Böhmischen

eitunken eintunken

Faschiertes Hackfleisch

Frieslich Schnittlauch

Gaferlatz Kinderlatz

Gerachertes Geselchtes

Gemeichlich kleines Zeug

Holler Holunder

Hitbeer Himbeere

Er ist hagl. Er isst nicht alles.

Kafornadla Fleischküchlein

Laischl kleines Wärmefeuer im Ofen

Motschl Kalb

Mahlfaßla Weißdorn

Ohschniedl erste Scheibe Brot

Owist Obst

Olmit Speiseschrank

Schlinken schlucken

Tränkschaffl Wassertrog

Tscheek stumpfes schartiges Messer

Meegern das Messer schneidet nicht, ist stumpf

Wommisn gestampfte Kartoffel

Zermägern zerquetschen

Bragln Rösten, Schmoren

Dolgn flaches Gebäck

Kunigl Stallhase

Liwonzn gegossene Talken

Otreichtichl Handtuch

Lumml Schnappmesser

Wachln Lodern des Feuers

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