Mit dem Einkaufsbus zum Supermarkt

In den Dörfern gibt es immer weniger Läden. Damit die Einwohner aber nicht bis Freiberg fahren müssen, gibt es in Bobritzsch-Hilbersdorf ein besonderes Angebot. Doch der Service ist kein Selbstläufer, wie andere Beispiele zeigen.

Bobritzsch-Hilbersdorf.

Rasch etwas einkaufen gehen, problemlos und unkompliziert. Das ist für einen Großteil der Bevölkerung Alltag. Doch gerade in ländlichen Regionen ist das mitunter schwierig - gerade für Ältere und Menschen, die nicht so gut zu Fuß unterwegs sind.

Doch in Bobritzsch-Hilbersdorf gibt es ein Angebot, das, wie es Bürgermeister René Straßberger (CDU) ausdrückt, die Mobilität auf dem Land stärken will und zugleich die Leute aus ihrem Alltagstrott befreit und etwas Abwechslung bietet. In der Gemeinde tourt jeden Dienstag und Freitag ab 9 Uhr ein Einkaufsbus durch die Ortsteile Naundorf, Hilbersdorf, Sohra und Oberbobritzsch. Die Einkaufswilligen müssen sich nur vorab telefonisch in der Gemeindeverwaltung anmelden, damit sie eingesammelt und zum Einkaufsmarkt nach Niederbobritzsch chauffiert werden. "Der Einkaufsbus ist für alle da, die keine Möglichkeit haben, alleine einzukaufen oder denen einfach die Mobilität fehlt", fährt Straßberger fort und weiß dabei mit Stefan Fiedler einen Mitstreiter an seiner Seite.

Der Leiter des in Niederbobritzsch ansässigen Edeka-Marktes stellt den Kleinbus, der auf acht Mitfahrende ausgelegt ist. Seit 20 Jahren gibt es das Angebot schon. Seit Ende der 1990er Jahre ist der Bus regelmäßig in Naundorf, Hilbersdorf und Klingenberg unterwegs. Vor wenigen Tagen wurde die Route um die Orte Oberbobritzsch und Sohra erweitert. Die Fahrt erfolgt allerdings nicht umsonst: "Wir erheben einen Unkostenbeitrag von zwei Euro für die Mitnahme", sagt Fiedler.

Sind die Fahrgäste erst einmal am Supermarkt in Niederbobritzsch angekommen, ist keine Eile geboten. Es bleibt laut Fiedler ausreichend Zeit für den Einkauf. Denn der Bus fährt erst dann zurück, wenn der letzte mit Bezahlen fertig ist- und zwar bis zur Haustür. "Für diejenigen, die beim Einkauf nicht so viel Zeit benötigen, haben wir im Vorraum einen Bäcker mit Café und einer neugestalteten Terrasse. Das lädt zum Verweilen ein", ergänzt Bürgermeister Straßberger.

Falls die Nachfrage einmal besonders hoch sei, könne sogar ein zweiter Bus zum Einsatz kommen oder es werde eben eine zusätzlich Runde gedreht, fährt Fiedler fort. Selbst Menschen mit Handicap könnten mitgenommen werden. "Vorausgesetzt sie können ein paar Schritte selbst gehen", so der Marktleiter.

Zwar wird der Service angenommen. So nutzten am gestrigen Freitag 15 Frauen und Männer aus fast allen Ortsteilen das Angebot, nur aus Sohra war niemand dabei. Doch Stefan Fiedler macht keinen Hehl daraus, dass er sich bisweilen durchaus mehr Teilnehmer wünscht.

In anderen Teilen Mittelsachsen gibt es ähnliche Projekte, wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) auf Anfrage der "Freien Presse" mitteilt. Cindy Krause, die in der Regionalkammer der IHK für Handel und Dienstleistungen zuständig ist, verweist auf Simmel-Märkte mit ihrem Bus-Shuttle. Außerdem gibt es Lieferdienste. So liefert der Edeka-Markt in Flöha ab einem Einkaufswert von 25 Euro Einkäufe direkt nach Hause. Das macht auch der Freiberger Rewe-Markt von Enrico Kaden. Mindestbestellwert hier: 50 Euro. Auch ein kleiner Laden in Falkenau bietet solch einen Service an, der vor allem von Senioren genutzt werde, wie Krause informiert. Solche Angebote hält sie für sehr bedeutend, weil diese die Nahversorgung im ländlichen Raum sichern würden. Doch Luft nach oben ist da. Die Angebote seien ausbaufähig.

Projekte aus der Vergangenheit zeigen aber, dass von Städten und Gemeinden organisierte Einkaufsbusse nicht immer gut angenommen werden. In Augustusburg und Oederan musste der Service nach kurzer Zeit eingestellt werden, weil er kaum genutzt worden war.

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