Mitgenommen wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist

Der "Nassauer Hof" im gleichnamigen Frauensteiner Ortsteil soll verkauft werden. Das Inventar aber hat seit Sonntag viele neue Besitzer.

Nassau.

Tatkräftig macht sich Jana Grams daran, zwei riesige Spiegel im großen Saal des "Nassauer Hofs" von der Wand zu schrauben. "Solche Sachen gibt es doch nicht einfach so", sagt sie. Und teuer seien sie im Geschäft obendrein. Dass es bei dieser Gelegenheit finanziell deutlich günstiger zugehen wird, hat einen einfachen Grund.

Der "Nassauer Hof", einst Hotel mit Gästezimmern, Tanzsaal, Schank- und Kaminstube, Außen- kegelbahn und weitem Blick auf das Erzgebirge, steht seit 2013 leer. Im Zuge der zunehmenden Flüchtlingszahlen im Landkreis sollte er Anfang 2016 zu einer entsprechenden Unterkunft umgestaltet werde, was unter anderem am Widerstand der Einwohner scheiterte. Nun soll das Haus einschließlich Nebengelass verkauft werden. Eigentümer seit 2015 ist das Unternehmen IF Immobilien Service GmbH aus Bobritzsch-Hilbersdorf.

Torsten Kleditzsch

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Es gebe durchaus Interessenten für das ein paar 1000 Quadratmeter große Gelände mit dem Gasthof und einem separaten Bettenhaus, sagt Betriebsleiter Sebastian Hamann. Spruchreif sei aber noch nichts. Um die Gebäude für einen möglichen Verkauf vorzubereiten, wollte die Firma das bewegliche Inventar loswerden. Mitarbeiterin Anja Neumann kam auf eine Idee: Alles könne doch für einen symbolischen Betrag an Interessierte verkauft und der Erlös gespendet werden. Am gestrigen Sonntag setzte die Firma diesen Vorschlag in die Tat um.

"Von der Reaktion waren wir absolut überrascht", sagt Anja Neumann. "Um 10 Uhr sollte es losgehen, und bereits eine halbe Stunde vorher stand eine lange Schlange vor der Tür." 250 Käufer und Neugierige kamen insgesamt. Mitgenommen haben sie laut den Initiatoren alles, was nicht niet- und nagelfest war. René Fischer aus Heidersdorf bei Seiffen freute sich über zahlreiche Kleinigkeiten, die er erwerben konnte. Beim Abbau der alten Garderobe gingen ihm andere Besucher hilfreich zur Hand. "Das ist noch Material gewesen, was damals verwendet wurde", sagt er. "So eine Garderobe findet man heute gar nicht mehr." Auch Oliver Vorwerg ist zufrieden. "Ich habe mein Auto schon voll mit zahlreichen Stühlen", sagt er. "Die sind stabil und taugen für jede größere Feier." Friedrich Göhler montierte sich ein paar Werberegale aus Plastik ab. Er kam sowohl als Privatperson als auch als Vertreter des Nassauer Heimatvereins, um noch mitzunehmen, was gebraucht wird.

Mit eher gemischten Gefühlen folgte Marie Arndt dem Treiben. Sie half zwar mit, schaute auch selbst nach dem einen oder anderen, aber so richtig wohl war ihr dabei nicht. Immerhin hatte sie zehn Jahre im Haus gearbeitet. "Ist schon sehr komisch, jetzt dabei zu sein, wenn ausgeräumt wird", meint sie.

Nicht alles wird an diesem Tag verkauft. Alte Fernseher, Betten oder Gläser sind noch übrig. Eine riesige Waage und ein verschlossener Safe bleiben schon aus logistischen Gründen da. Dennoch werden mehr als 1100 Euro eingenommen, die der Nassauer Kita "Bergsonne" zukommen sollen.

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