Mittelsachsen schnüren Ärzte-Paket

Kreistag entscheidet über Programm für Nachwuchs

Freiberg/Hartha.

Künftige Mediziner sollen sich schon frühzeitig für eine Zukunft in Mittelsachsen entscheiden. Einen Anreiz könnten sie durch ein neues Programm erhalten, das bereits ab dem Wintersemester 2020/2021 greifen soll. Die Kreisräte entscheiden in ihrer Sitzung am kommenden Mittwoch, ob für Medizinstudenten das Programm "Rundum gesund - Ärztin/Arzt werden für Mittelsachsen" in Kraft tritt. Neben einem Stipendium von monatlich 400 Euro für jährlich drei Studienanfänger bei sechsjähriger Laufzeit oder nach dem Ersten Staatsexamen (vierjährige Laufzeit) umfasst es unter anderem persönliche Ansprechpartner und Praxisarbeit im Landkreis. Dafür verpflichten sich Stipendiaten, nach der Ausbildung im Landkreis tätig zu werden oder die Weiterbildung zum Facharzt in Mittelsachsen zu absolvieren.

Im Kreistag stößt das Vorhaben auf geteilte Meinungen. So spricht CDU/RBV-Fraktionschef Jörg Woidniok von einem begrüßenswerten Versuch, die Ärztesituation zu verbessern. Im Partnerlandkreis Calw mache man mit dem Programm gute Erfahrungen, sodass sich auch die Mittelsachsen davon eine Entspannung des Ärztemangels versprechen. Auch Kreisrat Dr. med. Carsten Stibenz, selbst Hausarzt, verweist auf steigenden Bedarf. Der Grüne sieht einen Baustein zur Lösung eines schon lange drängenden Problems: Die Grünen unterstützten Bemühungen, zukünftige Ärzte im Kreis zu halten.

Für die AfD erklärt Rolf Weigand, die Beschlussvorlage gehe in die richtige Richtung und ergänzt: "Jetzt muss auf Landesebene nur unser Landarztgesetz beschlossen werden, damit wir die Ärzte in den ländlichen Raum bekommen."

Kritisch bewertet die SPD das Vorhaben. Seine Fraktion glaube nicht, dass durch Stipendienprogramme angehende Ärzte in den Landkreis geholt und vor allem dauerhaft gehalten werden können, erklärt Fraktionsgeschäftsführer Stefan Kraft. "Statt finanzieller Anreize bedürfe es optimaler Arbeits- und Lebensbedingungen im ländlichen Raum, um für junge Mediziner attraktiv zu sein. Hier brauchen wir vor Ort individuelle kreative Lösungen", sagt er. Auch die Freien Wähler sehen nicht das geeignete Mittel, um junge Mediziner zu binden, wie Sprecherin Maria Euchler sagt. "Nach den sechs Jahren Ausbildung und fünf Jahren Fachausbildung gibt es keine Verpflichtung, sich wirklich in Mittelsachsen niederzulassen", gibt sie zu bedenken. Zudem weisen die Freien Wähler auf den Nachwuchsmangel auch in anderen Berufsgruppen hin, darunter in der Pflege. "Es ist schwer, bei weiteren fehlenden Berufsgruppen dann die Augen zu verschließen." (grit)

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