Mittelsachsens kleiner Landtag

Mit 98 Sitzen hat das neugewählte Gremium mehr Mitglieder als Landesparlamente beispielsweise in Brandenburg und im Saarland. Die erste Sitzung am heutigen Mittwoch spiegelt eine veränderte Zusammensetzung wider - aber auch die Forderung nach mehr Bürgernähe.

Freiberg.

Straßenbauanträge, Lebensmittelkontrollen, Breitbandausbau, Medizinerstipendium, Geld für Straßen, Jugendhilfe und und und: Der neugewählte Kreistag stellt mit der konstituierenden Sitzung Weichen für die zahlreichen Aufgaben der ehrenamtlichen Gremien in den nächsten Jahren. Viele Kreisräte wollen dabei näher an die Bürger heran, mehr Zeit zum Diskutieren und mehr Service. Landratsamtssprecher André Kaiser bestätigte, dass Anträge und Anregungen von mehreren Fraktionen vorliegen, die Änderungen zum bisherigen Sitzungsablauf vorsehen. "Diese werden von uns umfassend geprüft", so Kaiser, im Oktober befasse sich der Kreistag damit. "Freie Presse" fasst erste Forderungen zusammen:

Mehr Sitzungen im Jahr: Fraktionsübergreifend fordern Kreisräte fünf statt bislang vier Sitzungen pro Jahr. So erhofft sich CDU/RBV-Fraktionschef Jörg Woidniok verbesserte Möglichkeiten für eine tiefgründigere Bearbeitung der Themen. Laut Geschäftsordnung finden Sitzungen nach Bedarf statt, so Kaiser: "Der Kreistag soll jedoch mindestens viermal im Jahr einberufen werden."


Kreistag soll außerhalb Freibergs tagen: Kreisräte wollen den Kreistag in anderen Orten außerhalb von Freiberg tagen lassen. Landrat Matthias Damm (CDU) verwies dazu mehrfach auf den großen logistischen Aufwand. Und Sprecher Kaiser betont, dass es in der Berufsschule in Freiberg die notwendige umfassende Technik gibt, so wie W-Lan, Kopierer, Aufnahmetechnik zum Protokollieren und Präsentationstechnik.

Kosten senken: Um Kosten für Sitzungen außerhalb von Freiberg zu senken, setzen sich die Freien Wähler (FW) ein, dass nur die jeweils für die Tagesordnung wichtigen Verwaltungsmitarbeiter teilnehmen. Die Kosten je Sitzung beziffert die Verwaltung mit 10.000 Euro. Die Kreisräte erhalten ein Sitzungsgeld von 100 Euro laut Satzung. Hinzu kommt Fahrgeld von in Summe 3000 bis 4000 Euro je Sitzung.


CDU mit meisten Stimmenkönigen 

Unter den zehn Bestplatzierten zur Kreistagswahl am 26.Mai stellt die Union vier Vertreter, gefolgt von der AfD. So entfielen gut 23.700 Stimmen der über 161.500 Wähler auf die vier CDU-Anwärter unter den Top Ten. Mit dem Flöhaer Volker Holuscha (Linke) und dem Freiberger Sven Krüger (Freie Wähler) vereinigen zudem allein zwei Oberbürgermeister insgesamt über 12.600 Stimmen auf sich. 

Rang

Person

Liste

Stimmen

%-Liste

%-Gesamt

1  

Rolf Weigand

AfD

7.000

7,02

1,54

2  

Dirk Munzig

AfD

6.904

6,93

1,52

3  

Sven Krüger

FW

6.847

9,13

1,51

4  

Ralf Schreiber

CDU

6.598

5,23

1,45

5  

Uwe Weinert

CDU

5.866

4,65

1,29

6  

Sven Liebhauser

CDU

5.847

4,63

1,29

7  

Volker Holuscha

DIE LINKE

5.765

11,55

1,27

8  

Thomas Firmenich

CDU

5.375

4,26

1,18

9  

Dieter Greysinger

SPD

5.210

12,92

1,15

10  

Christian Wesemann

AfD

5.117

5,13

1,13


Der älteste Kreisrat: Klaus Vivus ist ein Politik-Profi: "Mittelsachsen muss weiter zusammenwachsen" 

Der 77-jährige Klaus Vivus aus Taura sitzt für die Freien Wähler Mittelsachsen im Kreistag. Er gehört dem Gremium seit der Kreis-Gründung 2008 an.

Freie Presse: Sie sind 77 Jahre alt. Was finden Sie als Mensch mit rund 40 Jahren Erfahrung in der Kommunalpolitik noch spannend an der ehrenamtlichen Arbeit im Kreistag?

Klaus Vivus: Ich will das Anliegen und die Ziele der Freien Wähler unterstützen. Und als langjähriger Bürgermeister wollte ich natürlich auch den Freien Wählern bei der Werbung um Stimmen für den Kreistag zur Seite stehen.

In der vergangenen Legislaturperiode war das Interesse der Mittelsachsen an der Kreistagsarbeit sehr gering. Wie wollen Sie das ändern?

Wir müssen noch mehr auf die Bürger zugehen, um das Interesse zu wecken. Ein guter Weg sind zum Beispiel unsere öffentlichen Fraktionssitzungen. Dazu kommen regelmäßig Bürger und interessieren sich für Kommunalpolitik.

Was wird das Thema Ihrer ersten Anfrage oder Rede im neuen Kreistag sein?

Das weiß ich noch nicht. Für mich besteht Kreistagsarbeit nicht nur aus Reden.

Wenn Sie die Uhr zurückdrehen könnten bis zur Zeit der Kreisreform 2008: Wie würden Sie einen neuen Landkreis Mittelsachsen formen?

Der Landkreis Mittelsachsen ist nun mal, wie er ist: Und er muss weiter zusammenwachsen. Daran müssen alle Kreisräte und die Kreisverwaltung weiter gemeinsam arbeiten.

Und wie soll Mittelsachsen in zehn Jahren aussehen?

Ich wünsche mir ein Mittelsachsen, in dem die Menschen auf verschiedenen Gebieten weiter zusammenwachsen und zusammenarbeiten. So muss auch die Wirtschaft weiter wachsen.

Klaus Vivus: Jahrgang 42, gelernter Maurer und studierter Lehrer für Geschichte und Russisch, hat noch in der letzten DDR- Gemeindevertretung Taura für die Kleingärtner mitgearbeitet. Nach der politischen Wende war er zunächst stellvertretender Bürgermeister. Ab dem Jahr 1992 war er Bürgermeister in seinem Heimatort, bis er in Rente ging. In der Zeit von 2010 bis 2015 war er Bürgermeister im Ehrenamt. Vor der Mitarbeit im Kreistag des 2008 neugegründeten Kreises Mittelsachsen war Klaus Vivus eine Legislaturperiode lang Mitglied im Kreistag Mittweida.


Die jüngste Kreisrätin: Lea Fränzle arbeitet erstmals mit: "Nicht warten, bis die Menschen kommen" 

Die 22-jährige Freibergerin Lea Fränzle zieht für die Bündnisgrünen in den Kreistag ein. Sie will Potenziale der Region stärker nutzen.

Freie Presse: Sie sind 22 Jahre alt. Was finden Sie als junger Mensch spannend an der ehrenamtlichen Arbeit im Kreistag?

Lea Fränzle: Spannend finde ich, dass man auf einer Ebene, die man selbst sieht, Einfluss nehmen kann. Und dass man mit ganz verschiedenen Menschen zu ganz verschiedenen Fragestellungen in Kontakt kommt.

In der vergangenen Legislaturperiode war das Interesse der Mittelsachsen an der Kreistagsarbeit sehr gering. Wie wollen Sie das ändern?

Das erste und wichtigste ist, dass man aktiv kommuniziert und nicht wartet, bis die Menschen zu einem kommen. Dazu gehört vor allem, vor den Sitzungen und wichtigen Entscheidungen öffentlich diskutieren zu können. Außerdem will ich die digitalen Kanäle nutzen. Die Vorstellung ist: Ein größeres soziales Umfeld hilft eine größere Spannbreite in der Bevölkerung abzudecken.

Was wird das Thema Ihrer ersten Anfrage oder Rede im Kreistag sein?

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es um ein Thema im Umwelt- und Technikausschuss gehen, in dem ich mitarbeiten möchte. So viel vorab: Es geht um eine Deponie im Landkreis.

Wenn Sie die Uhr zurückdrehen könnten bis zur Zeit der Kreisreform 2008: Wie würden Sie einen neuen Landkreis Mittelsachsen formen?

Man hätte mehr darauf achten müssen, dass man die städtischen Potenziale aus der zentralen Lage Mittelsachsens zwischen Chemnitz, Leipzig, Dresden besser nutzt: von besserer Verkehrsanbindung bis hin zu Wirtschaftskooperation.

Und wie soll Mittelsachsen in zehn Jahren aussehen?

Es wäre schön, wenn man beginnen würde, vorhandene Potenziale stärker zu nutzen: verkehrstechnisch besser vernetzt und so, dass junge Menschen zur und nach der Ausbildung hier bleiben möchten.

Lea Fränzle: Seit einem reichlichen Jahr ist Lea Fränzle Kreisgeschäftsführerin der Grünen. Die 22-Jährige arbeitet in Teilzeit. Hauptsächlich studiert die gebürtige Leipzigerin Umweltingenieurwesen im achten Semester an der Bergakademie Freiberg.


CDU

Michael Albrecht
Andreas Beger
Ralf Börner
Erwin Braune
Dr. Manfred Graetz
Dr. Ulf Schneider
Hans-Joachim Egerer
Thomas Eulenberger
Thomas Firmenich
Dirk Fröhlich
Oliver Gerstner
Tobias Goth
Andreas Graf
Volker Haupt
Günter Hermsdorf
Ronny Hofmann
Dietmar Hohm
Boto Ringo Höpfner
Ronald Kunze
Ingo Kutsch
Sven Liebhauser
Thomas Oertel
Holger Reuter
Cornelia Scheibe
Dirk Schilling
Ralf Schreiber
Uwe Weinert


AfD

Reinhard Bönisch
Dr. Jörg Bretschneider
Uwe Burkert
Dr. Rolf Weigand
Andreas Herdering
Thomas Hetze
Matthias Hofmann
Ines Luft
Ronny Mildner
Mike Moncsek
Michael Müller
Dirk Munzig
Roberto Penz
Daniel Rennert
Matthias Schmidt
Dr. Gerold Schramm
Jens Uhlemann
Christian Wesemann
Marko Winter
Holger Zielinski
Dirk Zobel


Freie Wähler

Dr. Martin Antonow
Martin Bergmann
Jörg Burkert
Frank Dehne
Gert Eidam
Maria Euchler
Michael Funke
Heidrun Hinkel
Sven Krüger
Odette Lamkhizni
Uwe Liebscher
Steffi Schädlich
Steffen Schneider
Klaus Vivus
Rico Walter-Bretschneider


Die Linke

Torsten Bachmann
Dr. Achim Grunke
Volker Holuscha
Jörg Hommel
Peter Krause
Ronny Kühnert
Dieter Kunadt
Dr. Jana Pinka
Jana Rathke
David Rausch


SPD

Dieter Greysinger
Michael Heckel
Annemarie Jach
Veit Lindner
Dirk Neubauer
Dr. Simone Raatz
Axel Röthling
Steve Sarfert


FDP

Steffen Ernst
André Langner
Kerstin Arndt
Udo Eckert


Bündnis 90 die Grünen

Lea Fränzle
Claudia Glanz
Christian Schwerin
Dr. Carsten Stibenz


RBV

Albrecht von Schönberg
Gunther Zschommler

RBV und CDU bilden eine gemeinsame Fraktion.

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