Muldaer Hortkinder werden zu Gemüsebauern

Bald wollen die 113 Kinder auf dem Beet vor der Grundschule Möhren, Kohlrabis und Mangold ernten. Der Verein Ackerdemie unterstützt das Projekt.

Mulda.

Pflanzen, gießen, ernten - die 113 Hortkinder des Muldaer Naturkinderhauses haben jetzt einen eigenen kleinen Garten. Mit Unterstützung des Vereins Ackerdemia haben sie auf einem Beet vor der Grundschule Möhren, Kohlrabi, Mangold und Fenchel angepflanzt. Und wenn alles klappt, werden sie das Gemüse auch ernten und daraus etwas kochen.

Doch bevor es soweit ist, haben die Hortkinder einiges zu tun. Laut der Hortverantwortlichen Bianca Beyer haben die Erst- bis Viertklässler in der vorigen Woche verschiedene Gartengeräte kennengelernt. An einem Nachmittag erklärten Pflanzleiterin Stephanie Wohlfahrt vom Verein Ackerdemia mit Sitz in Potsdam und ihre Mitstreiterinnen zunächst die fünf Gemüsesorten, die später angebaut wurden. In einer Holzstiege präsentierten sie jeweils die Jungpflanzen und eine Knolle. "Was ist das für eine Pflanze?", fragte Stephanie Wohlfahrt in die Runde. Möhren- und Kohlrabipflanze erkannten die Kinder, bei Roter Beete und Fenchel sah es schon schlechter aus. Und Mangold wurde gar als Unkraut bezeichnet. Doch seit diesem Nachmittag wissen die Schüler, dass Mangold wie Spinat beispielsweise als Salat verwendet werden kann. Auch die anderen Gemüsesorten lernten die Hortkinder kennen: Sie nahmen die Pflänzchen und Knollen in die Hand und begutachteten sie von allen Seiten. "Die Ravioli-Fraktion, die sich mit frischem Gemüse nicht so auskennt, kann hier etwas lernen", bemerkte Sophie Enderlein vom Regionalmanagement Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen der Ackerdemia.


Eifrig waren die Schüler, als es darum ging, die Pflanzen beziehungsweise Samen in den Boden zu bringen. Gearbeitet wurde in Teams. So hielt Tristan die Schale mit dem Möhren- und Radieschensamen, und Franzi verteilte die Körner sorgfältig auf dem Beet. "Die Kinder lernen dabei viel: das Einteilen der Arbeit, das Rücksicht nehmen aufeinander - und ab und zu brauchen sie sogar Mathe", erklärt Sophie Enderlein von der Ackerdemia.

Der sechs mal zwölf Meter große Acker (so die offizielle Bezeichnung) vor der Grundschule, in der sich der Hort befindet, war vor der Pflanzaktion vorbereitet worden. Dafür hatten sich Kinder, Eltern, Großeltern und Mitarbeiter im April zu einem Arbeitseinsatz getroffen, berichtet Andrea Dolatkiewicz, die Leiterin des Naturkinderhauses in Trägerschaft des Vereins Kinderarche Sachsen. Sie hatte die Idee für das Projekt. Als sie 2018 bei einem Kitaleiter-Kongress in Leipzig vom Verein Ackerdemia und seinen Projekten hörten, war sie sofort begeistert. "Das passt doch genau in unser Konzept." Und sie freue sich, dass es mit der Zusammenarbeit geklappt hat.

An diesem Nachmittag legten die Mitarbeiterinnen des Vereins Ackerdemia auch selbst Hand an, damit die Kinder mit dem Anlegen der kleinen Wege und dem Pflanzen beginnen konnten. Bei den Mitarbeitern handelt es sich größtenteils um Studenten, die sich ehrenamtlich engagieren. Das Projekt mit der Ackerdemia ist zunächst für drei Jahre angedacht. Danach soll der Gemüseanbau im Hort ein Selbstläufer sein, so der Plan. "Das Wissen soll in der Einrichtung bleiben, die Größeren sollen es an die kleineren weiter geben", sagt Sophie Enderlein.


Wie Kinder zu Ackerbauern und Gärtnern werden

Der seit 2013 bestehende Verein Ackerdemia organisiert auch das

Bildungsprogramm Gemüse-Ackerdemie. In Mittelsachsen gibt es derzeit laut Verein zwei Standorte: Mulda und Frankenberg. Sachsenweit seien bisher 13 Lernorte aufgebaut worden. Zudem gibt es 13 Lernorte in

Thüringen sowie sechs Lernorte und zwei Projekte, die erst im Sommer beginnen, in Sachsen-Anhalt.

Die Ackerdemia agiert in der Bundesrepublik, in der Schweiz und in

Österreich. Insgesamt hat sie 475 Lernorte - 308 Schulen, 115 Kitas und 52Klassen. Sie zählt 67 Mitarbeiter, davon 52 fest angestellte. Zudem

arbeiten 437 ehrenamtliche Helfer, meist Studenten, für den Verein. (hh)

www.ackerdemia.de

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