Muldentalbahn soll künftig bis nach Moldava fahren

Politiker, Vereine und Bahnbetreiber arbeiten daran, dass der 8,5 Kilometer lange Lückenschluss gelingt. Ohne prominente Unterstützung geht es aber nicht.

Rechenberg-Bienenmühle/Freiberg.

Nur 8,5Kilometer Strecke fehlen zwischen Holzhau und Moldava in Tschechien. Aber sie wieder für den Bahnverkehr instandzusetzen, ist ein langwieriger Prozess. 2008 gab es sogar schon einen Vertrag für das deutsch-tschechische Projekt, doch der wurde nie unterschrieben, berichtet Michael Funke (parteilos), Bürgermeister von Rechenberg-Bienenmühle. Finanzsorgen und Regierungswechsel auf beiden Seiten hätten das Projekt in der Schublade verschwinden lassen. "Unser Ziel ist, es wieder hochzuholen", sagt Funke.

Nun hat sich die Interessengemeinschaft (IG) zum Erhalt der Muldentalbahn, deren Mitglied er ist, getroffen, um einen wichtigen Schritt vorzubereiten: Im März will die IG mit Gemeinderäten, Bürgermeistern und Bahnverantwortlichen auf beiden Seiten der Grenze ein Memorandum erarbeiten und verabschieden, das das gemeinsame Ziel festhält. "Der Lückenschluss soll keine Utopie bleiben", sagt IG-Sprecher und Landtagsabgeordneter Steve Ittershagen (CDU). "Das wünschen sich alle Gemeinden dies- und jenseits der Grenze."


"Durchgehender Bahnverkehr auf der Strecke kann sehr attraktiv werden", sagt Funke. Bislang verkehrt die Freiberger Eisenbahn zwischen Freiberg und Holzhau. Der Vertrag mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen wurde voriges Jahr bis 2024 verlängert. Besonders seit Eröffnung des neuen Haltepunktes an der Rechenberger Schule im August nutzen viele Schüler die Bahnverbindung. "Aber auch ältere Leute nehmen häufiger die Bahn, um zum Einkaufsmarkt zu kommen", berichtet der Bürgermeister. Durchgehender Bahnverkehr würde neben den Touristen auch vielen Pendlern zugute kommen, ist er überzeugt: "In den Betrieben in der Region arbeiten viele tschechische Mitarbeiter." Die im Zinnwald entdeckten Erzvorkommen könnten auch auf der Schiene transportiert werden. "Aber das ist noch weit weg", so Funke.

Zunächst muss die IG das Treffen am 28. März im Osterzgebirge vorbereiten, einen geeigneten Ort finden und die Verantwortlichen einladen. "Wir hoffen, auch aus den zuständigen Ministerien Leute herholen zu können", so Funke: "Wir brauchen mehr prominente Unterstützer für das Projekt." Ohne Fördermittel wird der Lückenschluss kaum zu stemmen sein: Kosten von 12 bis 16Millionen Euro stehen im Raum.

Beim Besuch von Ministerpräsident Michael Kretschmer Anfang Januar in der Region hat die IG die Fühler ausgestreckt. "Er hält das Projekt Lückenschluss für unterstützenswert und will sich Informationen dazu einholen", berichtet der Bürgermeister. Nun gelte es, das Vorhaben vorzubereiten und durchzurechnen. "Die tschechische Seite hat 2018 mit Millionenaufwand ein kompliziertes, steiles Streckendammstück bei Nove Mesto erneuert und hofft nun darauf, dass wir in Sachsen nachziehen", sagt CDU-Mann Ittershagen.

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