Munitionssuche am Freiberger Soldatenteich zieht sich hin

Sprengstoffexperten durchforsten seit Frühjahr vorigen Jahres jeden Zentimeter des Waldbads. Da noch immer alte Munition und Waffen entdeckt werden, bleibt das Naherholungsgebiet gesperrt.

Freiberg.

Drei Handgranaten, 30 Gewehrgranaten, neun Waffen zur Abwehr von Panzern, dazu mehr als 200 Granaten unterschiedlicher Größe, die kleinsten zwei Zentimeter, die größten 15 Zentimeter groß, fast 570 Kilogramm Granatsplitter, Teile von Geschützen und sogar eine Rakete. Und das ist nur ein Bruchteil dessen, was Sprengstoffexperten bisher auf dem Areal des Waldbads in Freiberg aufgefunden haben.

Seit dem Frühjahr des vorigen Jahres durchkämmen Suchtrupps jeden Zentimeter des Naherholungsgebietes am südlichen Stadtrand, das im Volksmund unter Soldatenteich bekannt ist und früher als Truppenübungsplatz genutzt wurde. Allein das eingezäunte Gelände des Waldbades umfasst mehr als 78.000 Quadratmeter - eine Fläche so groß wie elf Fußballfelder. Gut Dreiviertel davon wurden, wie Daniel Großer-Scholz vom sächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienst am Freitag gegenüber der "Freien Presse" erklärte, mittlerweile nach alten Blindgängern und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht.


Ist der Rest geschafft, wird die Suche auf dem angrenzenden Campingplatz und dem nahe gelegenen Parkplatz fortgesetzt. Eine kniffelige Aufgabe: Unter dem Campingplatz befindet sich eine rund einen halben Meter dicke Schicht voller Bauschutt, in der sich unter anderem Stahl befindet. Und so muss diese, ehe dort die Suche nach Kampfmitteln beginnen kann, erst abgetragen werden. Eine aufwendige Sache, bemerkt Sprengmeister Großer-Scholz

Die Folge: Die Badesaison fällt erneut ins Wasser und das Areal bleibt gesperrt. Darüber informierte Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) am Donnerstagabend im Stadtrat. Mit vor Ort: Daniel Großer-Scholz, der um Geduld und Verständnis bat, dass die Suche länger dauert. Mehrfach betonte der 47-Jährige, dass Gründlichkeit und Sicherheit vor Schnelligkeit geht. "Wir hantieren mit Kampfmitteln, die mehr als 70 Jahre alt sind", sagte er und ergänzte, "es wird nicht ungefährlicher".

Als Beleg für seine Aussage verwies Großer-Scholz auf fünf bisher erfolgte Sprengungen, bei der in Summe 18 Granaten vernichtet wurden. Denn nicht immer konnten die Infanterie- und Artilleriemunition sowie Nahkampfmittel ohne Weiteres aus dem Boden geborgen und abtransportiert werden. Einmal musste er sogar wenige Tage vor Weihnachten im Rathaus anrufen und mit den Worten "wir haben Sprenggranaten gefunden. Die müssen wir wegknallen", auf einen neuerlichen Fund aufmerksam machen.

Doch warum wird erst Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Areal durchforstet? 2017 wurde das Wasser des Teichs abgelassen, um unter anderem den Damm zu sanieren. Laut dem Sprecher des zuständigen Polizeiverwaltungsamts, Jürgen Scherf, wurde damals auf einer kleinen Fläche dreimal Altmunition gefunden - und zwar an der Oberfläche. "Für uns war klar, es ist eine Suche nötig", so Scholz-Großer. Für die Suche und Beräumung der Kampfmittel ließen Stadt und Stadtwerke, in deren Regie der Badbetrieb läuft, den Spielplatz und fast alle Bauten abreißen. "Wir hoffen, bis Jahresende die Badfläche zu schaffen", bemerkte der Sprengmeister. Und Scherf betonte: "Das Ziel ist, 2020 das Bad nutzen zu können."

Bis dahin bleibt das Areal gesperrt. Doch nicht alle halten sich daran, wie es im Stadtrat deutlich wurde. "Das Gefährdungspotential ist enorm", sagte der Vorstandschef des städtischen Tochterunternehmens, Axel Schneegans. Daher sei es unbegreiflich, warum Personen die Sperrschilder ignorieren und das Areal betreten. Schneegans und OB Krüger versicherten, dass das Naherholungsgebiet weiterhin vom Stadtordnungsdienst bestreift werde.

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1Kommentare
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  • 2
    1
    ChWtr
    08.06.2019

    Wahnsinn, was in den Meeren und u.a. im (Freiberger) Boden zu finden ist. In 100 Jahren ist immer noch nicht alles raus.



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