Nabu: Rosinenbach-Projekt ohne Rücksicht auf ökologische Belange

Laut Kreisverband stört das 1,3-Millionen-Euro-Vorhaben eine intakte Kulturlandschaft. Die Stadt widerspricht und sieht sich im Recht.

Freiberg/Zug.

Als "eine technische Baumaßnahme im alten Stil" hat der Freiberger Kreisverband des Naturschutzverbands Deutschland (Nabu) die Offenlegung des Rosinenbachs im Stadtteil Zug gebrandmarkt. "Ohne jegliche Rücksicht auf ökologische Belange" sei der Bach nicht in seinem ursprünglichen Verlauf in der Talsohle offengelegt, sondern ein neues Gerinne parallel in den Hangfuß gesetzt worden, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Vereins. Die tieferliegende Talsohle sei mit standortfremdem Material verkippt und das neue Gerinne mit Wasserbausteinen massiv ausgebaut worden.

Wie aus dem von Werner Hentschel übermittelten Schreiben hervorgeht, sei zudem belasteter Teichschlamm großflächig auf Grünland aufgebracht und erst nach dem Einschreiten der Unteren Naturschutz- und Abfallbehörden "den gesetzlichen Vorgaben entsprechend abtransportiert" worden. In den Hang hätten die Bauleute einen beeindruckend langen Bewässerungsgraben gesetzt, so der Ehrenamts- und Projektkoordinator weiter, "der anscheinend bei Starkregenereignissen Abschlagwasser vom Hauptgerinne abzweigen soll, um damit ein Stück Feuchtwiese zu entwickeln."

Sowohl im Hauptgerinne als auch auf der designierten Feuchtfläche werde aber nach Einschätzung des Nabu keine naturnahe kontinuierliche Wasserführung gewährleistet: "Dadurch werden sich Arten ansiedeln, die nicht an die unregelmäßig in großen Abständen auftretenden Überschwemmungen während Starkregenereignissen angepasst sind und diesen darob zum Opfer fallen werden" - eine Todesfalle.

Es wäre ökonomisch und ökologisch sinnvoll gewesen, so der Nabu, die Naturschutzverbände in die Planung einzubeziehen "und damit abzusichern, dass derart grobe planerische Fehler nicht begangen werden. Die umfassende und frühzeitige Beteiligung der Naturschutzverbände ist beim beschriebenen Maßnahmenkomplex nicht erfolgt."

Statt geplanter ökologischer Aufwertungen, so das Nabu-Fazit, sei ein weiteres Stück intakter Kulturlandschaft stark beeinträchtigt worden. Deshalb fordere der Verein, alle Planungs- und Genehmigungsunterlagen offen zu legen und die Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen sowie -bilanzierung zu revidieren.

Der Eingriff in den Wasserhaushalt eines Auwaldes und in eine wertvolle Bergwiese etwa schaffe eher neue Ausgleichspflichten. Der neu gebaute Wirtschaftsweg lasse befürchten, dass der ökologisch sensible Bereich am FFH-Gebiet "Oberes Freiberger Muldetal" nun stärker frequentiert und dadurch gestört werde. Zumindest die Instandsetzung des Kleinen Hüttenteiches sei sinnvoll, so der Nabu, da hier ein artenreiches Amphibienlaichgewässer entstehen könne.

Baubürgermeister Holger Reuter (CDU) hatte im August von einer Renaturierung gesprochen, die Freiberg über 57.000 Ökopunkte bringe. Auf Nachfrage von "Freie Presse" verteidigte Rolf Rothermundt vom Tiefbauamt am Dienstag erneut das Projekt, das Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) auf "knapp über 1,3 Millionen Euro" taxiert hatte.

Die Stadt habe das Vorhaben ordnungsgemäß bei den zuständigen Behörden beantragt, eine wasserrechtliche Genehmigung liege vor, so Rothermundt. "Damit ist die Baumaßnahme rechtmäßig." Verfahrensträger sei die Untere Wasserbehörde gewesen, entgegnet der Gewässerbau-Verantwortliche auf die Kritik, Naturschutzverbände seien nicht einbezogen worden. Der Vorwurf, "ohne jegliche Rücksicht auf ökologische Belange" gebaut zu haben, sei nicht nachvollziehbar; die Plangenehmigung enthalte auch Ausgleichsmaßnahmen. "Eine umfassende Beschäftigung der Vertreter des Nabu mit den Planungsgrundlagen hätte zwangsläufig auch für die Stellungnahmeschreiber zu dem Ergebnis geführt, dass alles rechtmäßig ist. Das wäre für die Zukunft anzuraten", erklärt Rothermundt.

Das Rosinenbach-Projekt war indes bereits vor Monaten vom Naturschutzverband Sachsen scharf kritisiert worden. Vereinschef Tobias Mehnert hatte eine Verschwendung von Steuergeldern moniert.

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Tauchsieder
    27.11.2019

    Übrigens sollte hier zur Klarstellung durch den Urheber dieses Artikels Hr. Jankowski darauf hingewiesen werden, dass die im Bild befindlichen Personen bei einem vor Ort Termin der GL/NaSa abgelichtet wurden und nicht etwa bei einem Termin des NABU. Da sollte man eher aufstehen.

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    Tauchsieder
    27.11.2019

    Da stellt sich dem interessierten Leser die Frage, ob der NABU schon frühzeitig Winterschlaf gehalten. Hat da nicht schon der Naturschutzverband Sachsen und die Grüne Liga frühzeitig auf dieses Problem hingewiesen und hätte da nicht der NABU zur gleichen Zeit mit in diese Kerbe hauen müssen, zur Vollständigkeit halber vielleicht auch noch der BUND?
    Alles richtig was hier der NABU auftischt nur ist dies eine Wiederholung mit den gleichen Zahlen und Auswirkungen auf die Natur, die schon der Chef der Grünen Liga in einem Artikel der "FP" aufgeführt hat. Da kann man sich nur die Augen reiben und dem NABU einen weiteren guten Schlaf wünschen.



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