Nach Festabsage: Heimatfreunde machen weiter

Der Geschichtsverein arbeitet die Historie von Rechenberg-Bienenmühle auf. Nicht nur Vereinschef Heinz Lohse ist traurig, dass die 750-Jahr-Feier verschoben wurde.

Rechenberg-Bienenmühle.

Verschoben ist nicht aufgehoben: Die wegen der Coronapandemie vertagte 750-Jahr-Feier in Rechenberg wollen die Bürger und ihre Gäste nachholen. Anfang Juni sollte das Fest gefeiert werden. "Nächstes Jahr werden wir genauso gut feiern", sagt Heimatforscher Heinz Lohse.

Seit Monaten opfert der 70-Jährige viele Stunden seiner Freizeit. Ein Mittelaltermarkt mit 18Händlern, Handwerkern aus der Region und aus der Tschechischen Republik sollte nach Rechenberg-Bienenmühle kommen. Im Rathaus war eine Ausstellung geplant. Den Mittelpunkt sollte ein Modell des Ortskerns von Rechenberg um 1830 bilden, zwei mal zwei Meter groß. Die 35 Modellhäuschen im Maßstab 1:220 bauten Bernd Leiteritz und Heinz Lohse. "Alle haben sich so intensiv auf diesen Höhepunkt vorbereitet. Wir sind sehr traurig über die Verschiebung", sagt Lohse.

Der Senior ist bekannt wie ein "bunter Hund": Das Haus des 70-Jährigen in der Muldentalstraße 49 ist nicht zu übersehen. Es ist ein Schmuckstück im Fachwerkstil mit bunten Fensterläden. Drinnen studiert er Bücher, alte Zeitschriften oder Karten. Nachdem es den gelernten Elektriker vor rund 50 Jahren beruflich aus seinem Heimatort hinauszog, kehrte er vor über 20 Jahren zurück. Obwohl Heinz Lohse Geschichte in der Schule nicht geliebt hat, beschäftigt er sich seit seiner Rückkehr mit der Historie seines Heimatortes. Vor allem die Arbeit seines Vaters an der Chronik der Eisenbahnlinie Freiberg-Moldava und die Zusammenarbeit mit dem verdienstvollen Ortschronisten Dr. Jörg Richter waren dafür ausschlaggebend. Mit Jörg Richter erkundete Lohse das Tal der Freiberger Mulde.

2001 gründete er mit weiteren Mitstreitern den Heimatgeschichtsverein Rechenberg-Bienenmühle. Bis heute ist er der Vorsitzende. Das Flößerhaus, 2004 grundsaniert, das kleinste Häuschen des Ortes, ist seitdem der Vereinssitz und museale Einrichtung. Nach Terminabsprache bei Heinz Lohse kann es auch besichtigt werden. Die zwölf Vereinsmitglieder erforschen unter anderem die Historie der Flößerei und des Ortes mit seinen 54 denkmalgeschützten Häusern und Objekten sowie die Geschichte der Glasmacher im Mittelalter - ein EU-Projekt.

Die Arbeit reicht über Ländergrenzen hinweg. So hat der Verein die Geschichte der Eisenbahn untersucht, die von Freiberg bis Holzhau fährt. Bis 1945 fuhr die Bahn grenzüberschreitend bis ins tschechische Moldau (Moldava) und weiter nach Brüx (Most). "Wir möchten mit unseren tschechischen Freunden erreichen, dass die Bahn wieder bis in die Tschechische Republik fährt", formuliert der Vereinsvorsitzende.

Bürgermeister Michael Funke beschreibt ihn als sehr engagiert, korrekt und vertrauenswürdig. Heinz Lohse erfülle eine wichtige Funktion, indem er die Geschichte des Dorfes zusammenträgt: "Wenn Bürger unseres Ortes und wir als Gemeinde Fragen haben, können wir jederzeit zu ihm kommen."


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