Nach Solarworld-Pleite: Rund zwei Drittel haben neuen Job

Ende Januar läuft die Transfergesellschaft aus, die die Angestellten nach dem Produktionsstopp in Freiberg auffangen sollte. Derweil haben sich Hoffnungen auf einen neuen Arbeitgeber im Solarbereich zerschlagen.

Freiberg/Hilbersdorf.

Knapp zehn Monate, nachdem Solarworld Insolvenz angemeldet hatte und rund vier Monate, nachdem das letzte Solarmodul in Freiberg hergestellt wurde, gehen 146 der ehemaligen Mitarbeiter einer neuen Arbeit nach. Das teilt Antje Schubert, Sprecherin der Arbeitsagentur Freiberg, auf Anfrage mit. Das entspricht rund zwei Dritteln der Angestellten, die bis 1. Oktober in die Transfergesellschaft gewechselt waren. Zum 31. Januar läuft die Gesellschaft aus, die ihnen den Übergang auf den Arbeitsmarkt erleichtern sollte. Nur wer bis dahin keinen neuen Job findet, gilt danach als arbeitslos.

Laut Schubert war die Transfergesellschaft von vorneherein auf einen Zeitraum von vier Monaten begrenzt. "Wir gehen davon aus, dass wir noch weitere Mitarbeiter vermitteln können", sagt sie. Derzeit seien noch 77 der ehemals Beschäftigten in der Transfergesellschaft, viele davon befänden sich aber bereits in Qualifizierungsmaßnahmen oder in Erprobungsphasen bei möglichen neuen Arbeitgebern. "Die meisten finden im gewerblich-technischen Bereich eine Anstellung, wo sie bereits qualifiziert sind", erklärt Schubert.

Dass ein Investor das Solarmodulwerk in Freiberg kauft und dadurch neue Jobs in der Branche entstehen, wird derweil immer unwahrscheinlicher. "Es gibt keinen ernsthaften Interessenten mehr", erklärt Rechtsanwalt André Dobiey von der Kanzlei Niering, Stock und Tömp des Insolvenzverwalters Christoph Niering. Über eine Anbahnung seien die Gespräche im Herbst nicht hinausgegangen. Dobiey führt das auf den Preisverfall bei Solarmodulen zurück, der seit Frühjahr des Vorjahres dramatisch sei.

Laut der Online-Handelsplattform Pvxchange, die auf Photovoltaik spezialisiert ist, sind die Preise für verschiedene Modultypen seit Januar 2018 um durchschnittlich rund ein Viertel gefallen. "In Deutschland kostendeckend zu produzieren, ist ohne staatliche Hilfe derzeit nicht möglich", sagt der Fachanwalt für Insolvenzrecht.

Stattdessen versuche man nun, die noch mehr als 20 Grundstücke und Immobilien in Freiberg, Hilbersdorf und im thüringischen Arnstadt an Interessenten aus anderen Branchen zu verkaufen. Laut Dobiey sei dies für einige kleinere Grundstücke gelungen, für andere gebe es zum Teil mehrere Bieter, mit denen enge Gespräche geführt würden. Aufgrund der Komplexität rechnet er frühestens Ende des Jahres damit, dass alle ehemaligen Solarworld-Flächen und -Fabriken neue Eigentümer gefunden haben. Ein stetig schrumpfendes Abwicklungsteam kümmere sich noch um die Anlagen in Bonn, Arnstadt und Freiberg.

"Parallel arbeiten wir an der Entkernung und am Verkauf der Maschinen", berichtet Dobiey. Bereits im September waren hunderte Gegenstände in der Produktionshalle an der Berthelsdorfer Straße versteigert worden. "Das hat mehr als den Zerschlagungswert eingebracht", so der Anwalt. Eine weitere Versteigerung in Freiberg ist in Planung.

"Wir sprechen gerade mit mehreren Auktionshäusern", sagt Rechtsanwältin Simone Schumacher, Mitarbeiterin bei Niering, Stock und Tömp. Derzeit sei unklar, was sich für eine Versteigerung eigne und welches Auktionshaus für den speziellen Bereich geeignet ist. Ziel sei es, die restlichen Teile loszuwerden. Somit auch die Anlagen, die für eine erneute Modulproduktion bei der vorigen Versteigerung verschont worden waren. Wann die Versteigerung stattfindet, wird noch bekanntgegeben. "Wir haben viele Anfragen von Firmen erhalten, die Interesse angemeldet haben", so Schumacher.

1994 hatte Bayer Solar den einstigen VEB Spurenmetalle in Freiberg übernommen. Solarworld hatte das Werk in Freiberg 2000 gekauft. 2017 meldete der Photovoltaikproduzent erstmals Insolvenz an. Nach dieser Pleite hatten 501 von 627 Solarwerkern, die in die Transfergesellschaft gegangen waren, binnen sechs Monaten wieder eine Anstellung gefunden. Mit der Neugründung von Solarworld Industries startete Geschäftsführer Frank Asbeck im Juli 2017 einen neuen Versuch, musste aber im März 2018 erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragen. (mit fhob)

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