Nachwuchsforscher entdecken in Zethau die Natur

In der Ferienzeit lernen? 40 Kinder aus ganz Sachsen tun das in der Grünen Schule grenzenlos. Ganz freiwillig.

Zethau.

In und um die Erlebnisscheune der "Grünen Schule grenzenlos" in Zethau ist an diesem heißen Julitag wieder einmal viel los. Tag 4 des Wildniscamps ist angebrochen. Mehr als 40Kinder aus Sachsen und darüber hinaus sind an Stationen damit beschäftigt, etwas für die Ferienzeit eher wenig Bevorzugtes zu tun - nämlich zu lernen.

Allerdings, und das ist die hohe Kunst, die an der Kinder- und Jugenderlebnisstätte inmitten des Erzgebirges ausgeübt wird, kommt es den allermeisten gar nicht so vor. Unter kundiger Anleitung schnitzen sie kleine Figuren aus Holz, weben Deckchen, begutachten Mineralien oder schöpfen Büttenpapier. All das und mehr ist Teil einer aufregenden Ferienwoche.

"Wer kommt mit zum Tümpeln?", ruft Christoph Weidensdorfer in die Scheune hinein. Der Leiter der "Grünen Schule" muss nicht lange auf eine größere Anzahl Teilnehmer warten, denn der Ausflug zu dem kleinen Wasserbiotop nur wenige hundert Meter nördlich ist ein Höhepunkt des Tages. Schnell setzt sich die Tümplerschar in Bewegung und langt bald an dem kleinen Teich an.

"Wir haben ihn so etwa 1998 selbst angelegt", erzählt Weidensdorfer, während sich die 9 bis 13 Jahre alten Kinder mit Keschern und Gläsern bewaffnet auf das wehrlose Gewässer stürzen, um dort Larven und Insekten zu fangen, zu begutachten, einzuordnen und dann wieder in die Freiheit zu entlassen.

Tom Haberecht aus der Nähe von Grimma ist schnell fündig geworden. Mit einem Glas voller Gelbrandkäferlarven kommt er angelaufen. Weidensdorfer erklärt, woran man die einzelnen Arten erkennt. Die Kinder lauschen neugierig, machen sich dann wieder auf die Suche. Nach vier Tagen ist man schon gut aufeinander eingespielt. "Am Montag hatten wir das waldpädagogische Programm", erzählt Weidensdorfer und lacht. "Da lasse ich mir dann selber immer freien Lauf. Pantomimisch und mit vielen spielerischen Elementen vermittele ich dabei Wissen."

Der Spaß ergibt sich im Camp von selbst, doch findet man ihn nicht nur in Wald und Flur, sondern auch da, wo man ihn tatsächlich vermutet. Deshalb ging es am Dienstag in den Sonnenlandpark Lichtenau und am Mittwoch ins Freibad Mulda. Am Donnerstag jedoch widmete man sich wieder dem eigentlichen Anliegen.

Meresa Kretzschmar aus Niederalbertsdorf sucht wie wild in ihren Tafeln nach dem Bild von dem Tierchen, welches frisch aus dem Tümpel ihr unter die Nase gehalten wird. Es ist eine Molchlarve, wie sich schließlich herausstellt. Die Zwölfjährige weiß mittlerweile, dass es sich dabei um ein Tier handelt, das mit Kiemen auf die Welt kommt und später an Land auf Lungenatmung umschaltet. "Zu Hause lernen wir so etwas nicht", gesteht sie und die anderen um sie herum geben ihr recht. Schließlich haben sie alle wieder eine Menge neuer Natureindrücke gesammelt und eilen zurück zur Scheune, wo sie auf Ponys reiten dürfen. Alle freuen sich schon auf den Freitagabend, weil dann ein selbst zusammengestelltes Programm das Ende dieser Ferienerlebnisse einläutet. Wie viel sie von all dem Gelernten mitnehmen konnten, werden sie wohl erst einige Tage später merken.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...