Naturschützer: Mit Birkhuhn bei Besuchern für Natur werben

Ornithologe Udo Kolbe widerspricht Neuhausens Bürgermeister, der davor warnt, Wald für die bedrohten Tiere zu opfern.

Neuhausen.

Den Erhalt des gefährdeten Birkhuhns im Erzgebirge begleitet der Freistaat mit einem Artenschutzprogramm. Es soll verhindern, dass die Birkhühner in der Region aussterben, denn im oberen Erzgebirge gibt es gerade mal noch geschätzte 30 Exemplare. In Tschechien sind es etwas mehr. Laut Naturschützer Udo Kolbe sind etwa 720 Hektar Brut- und Aufzuchtfläche nötig, um den Bestand im Erzgebirge zu sichern. Deshalb hatte sich eine lokale Arbeitsgruppe gebildet, um die verschiedenen Belange unter einen Hut zu bringen. Ihr gehört neben Udo Kolbe auch Neuhausens Bürgermeister Peter Haustein an.

So wie Haustein jüngst dennoch davor warnte, dem Birkhuhn Teile des Erzgebirgswaldes zu opfern, so warnen auch Vertreter der Forst- und Waldlobby vor einer Waldzerstörung. Denn Birkhühner benötigen lichte Flächen und offene Bereiche. Pläne für Waldeinschlag innerhalb des Programms gibt es laut dem Neuhausener Bürgermeister auch im Wald oberhalb von Neuhausen. Haustein warnte in diesem Zusammenhang vor einer Waldzerstörung in den ohnehin durch Borkenkäfer und Trockenheit geschädigten Wäldern. Auch der Tourismusverein der Gemeinde schaltete sich ein und stellte gerade den Erzgebirgswald als touristisches Gut in den Mittelpunkt.

Nun zeigt sich Udo Kolbe, wie er selbst sagt, entsetzt über die Äußerungen des Neuhausener Bürgermeisters, der auch in einem Brief an Sachsens Umweltminister vor der Waldzerstörung warnte. "Das auf Neuhausener Gemeindegebiet gelegene Europäische Vogelschutzgebiet ,Erzgebirgskamm bei Deutscheinsiedel' wurde vor allem wegen des für ganz Mitteleuropa einmaligen Vorkommens des Birkhuhns im Erzgebirge ausgewiesen. Für keine andere Vogelart hat Sachsen Verantwortung wie für das Birkhuhn und die Gemeinde sollte stolz sein, noch Birkhühner zu beherbergen", schreibt Kolbe an die "Freie Presse".

Die Schwartenberggemeinde solle die Chance ergreifen, um Besucher für ihre Natur zu werben, in der es sogar noch Birkhühner gibt, meint der Naturschützer. Es sei falsch, Angst vor dem "Abholzen ganzer Waldgebiete zu schüren. Peter Haustein wisse als Arbeitsgruppenmitglied aus den Unterlagen genau, was Sachsenforst für den Birkhuhnschutz in diesem Jahr plane.

Laut Udo Kolbe soll ein vorhandener Balzplatz der Tiere auf zwei Hektar erweitert und der umgebende Wald auf reichlich acht Hektar für das Birkhuhn aufgelockert werden, "also zehn Hektar von über 1600 Hektar Schutzgebietsfläche", erklärt Udo Kolbe, und meint, dass dieser einmalige Vogel und viele andere davon profitierende Tier- und Pflanzenarten das wert seien.

Wieso der mit der Gemeindeverwaltung Neuhausen eng verwobene Tourismusverein gegen das Schutzprogramm wettert, bleibt Udo Kolbe rätselhaft. "Wenn man mit Wanderern und Touristen am Klugehübel spricht - wo die diesjährigen zwei Birkhühner gezählt wurden - dann sind sie ausnahmslos begeistert von der durch den aufgelockerten Wald möglichen Aussicht nach Böhmen und unterstützen die Bemühungen zum Birkhuhnschutz", sagt er. Und für viele Besucher sei diese Landschaft schöner als der von Fichten dominierte Wirtschaftswald. Seit fast 15 Jahren sei man zum Birkhuhnschutz mit Herrn Haustein im Gespräch. Seine Äußerungen und die seiner Touristiker seien enttäuschend, weil keine Veranstaltung im Wald wegen des Birkhuhnschutzes abgesagt, keine Skitrasse gesperrt und kein Wanderweg verlegt worden sei.

11 Kommentare

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    Tauchsieder
    06.08.2020

    So ist das halt Hr. Kolbe, mit dem Birkhuhn kann man kein Geld verdienen, mit dem Wald schon.
    Warum schmeißt man Hr. Haustein nicht aus dieser Arbeitsgruppe raus, agiert er doch gegen den Schutz des Birkhuhns?