Naundorfer Orgel: Ihr Klang hält allen Anfeindungen stand

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Die Orgel ist zum Instrument des Jahres 2021 erklärt worden. Allein die Freiberger Region ist reich an Orgeln - ob in Kirchen, Museen oder Betstuben des Bergbaus. In loser Reihenfolge stellt die "Freie Presse" einige vor. Heute: die Jehmlich-Orgel in der Kirche zu Naundorf.

Naundorf.

Als der letzte Ton der Glocken verstummt ist, senkt Gerolf Fritzsche bedächtig und konzentriert seine Hände auf die Tastatur. Im nächsten Moment erklingen wundervolle, göttlich erscheinende Töne. Sie erfüllen die kleine Dorfkirche im Bobritzsch-Hilbersdorfer Ortsteil Naundorf ganz und gar. Den Besuchern des Gottesdienstes fällt es schwer, in diesen pandemiegeplagten Zeiten nicht mitsingen zu dürfen. Ist es doch gerade jener Orgelklang, der dazu animiert, der die Besucher mitnehmen möchte, emporheben gleichermaßen.

All dies ist nicht allein der Spielkunst von Gerolf Fritzsche zu verdanken. Einen erheblichen Anteil daran haben auch jene Männer, die im Jahr 1904 die kleine Orgel in die Kirche bauten. Sie gehörten zur 1808 in Cämmerswalde gegründeten und 1826 nach Dresden umgezogenen Orgelbaufirma Jehmlich, seinerzeit "Königlich Sächsischer Hoforgelbauer", wie eine kleine, schon ein wenig abgewetzte Tafel oberhalb der Tastatur kundtut. Das Instrument wurde auf der Empore installiert und als 18-stimmiges Werk mit Pedal und Pedalkoppel erbaut. Das fiel in die Zeit der sogenannten Dritten Generation der Orgelbauerdynastie Jehmlich. Den Gründern Gotthold und Gottlieb folgte Carl Eduard, der 1889 an seine Söhne Emil und Bruno übergab. Vorher, 1888, schuf er mit ihnen die erste sächsische Orgel mit pneumatischer Traktur.

Allein 450 Orgeln wurden von der Dritten Generation der Jehmlichs gebaut, darunter für England, Schweden sowie Mexiko. Gut möglich, dass das Naundorfer Instrument dabei nicht allzu sehr ins Gewicht fiel. Nichtsdestotrotz verwendete man auch darauf außerordentliche Sorgfalt. Denn immerhin widerstand der Klang der Orgel allen Anfeindungen der Zeitläufte. So litt die Orgel zwar mit den Jahrzehnten immer mehr, doch ihre Töne blieben so erhalten, wie die Jehmlichs es einst gewollt hatten.

2001 war es dank zahlreicher Spenden, möglich, sie kurz vor ihrem 100. Geburtstag restaurieren zu lassen. Diese Arbeit vollbrachte die Restaurierungswerkstatt von Johannes Lindner aus Radebeul.

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