Nepallauf: Auf der Jagd nach Runde 40

Paul Haubold startet seit Jahren bei der Spenden-Aktion. Dieses Mal hatte er einen neuen Rekord im Blick. Hier sein Bericht vom nächtlichen Kampf gegen den inneren Schweinehund.

Freiberg.

Was motiviert die Teilnehmer des Freiberger Nepallaufes? Für mich ist die Sache klar: die Projekte im nepalesischen Dorf Gati unterstützen, eine Tradition pflegen, den inneren Schweinehund besiegen. Das sind meine Ziele, als ich Samstagnacht beim 12.Nepallauf der Schülerfirma Namaste Nepal starte. Als ich kurz vor Mitternacht an der akademischen Kampfbahn eintreffe, erlebe ich eine Überraschung. Isotonische Getränke mit Hopfenaroma werden nicht akzeptiert. Das muss wohl für einige ein Schock sein. Nicht für mich. "Im vorigen Jahr lagen Glasscherben auf der Bahn", sagt Anett Zschoke, projektbegleitende Lehrerin: "Deshalb müssen alle alkoholischen Getränke abgegeben werden." Trotzdem ist der Sportplatz für die nächtliche Stunde sehr gut gefüllt. "Das muss am schönen Wetter liegen", sagt Zschoke. Yogastunden, Nepalkaffee und Musik sollen die Motivation der über 1200 Läufer hoch halten. Anett Zschoke: "Hier ist jedes Jahr eine tolle Stimmung. Schüler, Lehrer, Ehemalige und Firmenteams laufen gemeinsam für eine gute Sache."

Es wird ernst. Nach kurzen Dehnübungen und langen Vorreden starte ich 0.46 Uhr mit Nummer 404 in meinen 8. Nepallauf. Die ersten Runden fühlen sich wie Katzensprünge an. Heute könnte ich die magischen 40 in einer Stunde schaffen und meinen Rekord von 34Runden brechen. Ich steigere mein Tempo, die Nachtluft kühlt angenehm. Allein an der Zählanlage bremse ich ab, damit ja keine Runde verloren geht. Dort stehen bei mir jetzt 15 Runden, bei Ronja Thümmler 144. Sie ist bisher beste Läuferin. "Ich habe 16Uhr angefangen und laufe 48Stunden durch", sagt die ehemalige Schülerin: "Ich glaube, die zweite Nacht wird hart, aber meine Fans unterstützen mich mit Essen und Kaffee." Ronja Thümmler besuchte zweimal das nepalesische Partnerdorf. Sie weiß, wo das Geld gebraucht wird. "Alle können mit diesem Lauf helfen und dabei eine schöne Zeit mit Freunden und der Familie verbringen." Mehr kann mir Ronja nicht verraten, sie hat keine Zeit zu verlieren. Am Ende schafft sie 466 Runden, fast 150 km. Davon bin ich weit entfernt. Sechs Wochen unsportliche Ferien fordern Tribut. Die Nachtluft brennt jetzt in den Lungen und das Tempo beschränkt sich auf schnelles Gehen. Ich beginne an mir zu zweifeln, verstehe meinen Körper nicht mehr. Ingo Pezold ist Biologielehrer und kämpft ebenso. "Momentan bin ich vollkommen auf Null." Er ist hier, um seinen Kurs zu unterstützen und besticht im neongrünen Leibchen durch Technik und Kondition. Nach über einer Stunde muss er aufhören. "Die Schüler haben hier einen Vorteil. Sie halten sich im Schulsport fit. Ich muss mich zwingen, zweimal die Woche vier Kilometer zu laufen." Pezold sieht den Nepallauf als Tradition, die bewahrt werden muss. "Wenn ich mit Leuten aus Deutschland spreche, können sie sich oft nicht vorstellen, was hier auf die Beine gestellt wird."

2.12 Uhr ist der Nepallauf für mich zu Ende. 31 Runden stehen auf dem Konto. Meinen persönlichen Rekord kann ich nicht knacken, die magischen 40 auch nicht. Haben doch die Sportgetränke gefehlt?

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