Neue Hoffnung für altes Rittergut

Über 12.000 Kulturdenkmale gibt es in Mittel-sachsen. Zur Sanierung eines 1724 erbauten Gebäudes in Mulda steuert der Landkreis 80.000 Euro bei. Für das ambitionierte Projekt steht bisher nur fest: Ein Hotel soll es nicht werden.

Mulda.

Es zählt zu den stattlichsten im Landkreis: das 1724 in seiner heutigen Form errichtete Herrenhaus des Rittergutes Mulda. Dass es in naher Zukunft wieder ein Schmuckstück wird, dafür stehen die Zeichen gut. Investor Andreas Welzel hat das geschichtsträchtige, jedoch stark sanierungsbedürftige Gebäude zusammen mit seiner Lebensgefährtin Marlies Specht vor zwei Jahren erworben.

Der Landkreis Mittelsachsen gibt jetzt 80.000Euro für die denkmalgerechte Instandsetzung des Daches vom Herrenhaus. Vizelandrat Lothar Beier übergab am gestrigen Montag der Familie den Fördermittelbescheid. "Dieses Engagement freut uns natürlich", erklärte Beier. "Dass dieses Projekt den größten Anteil von den Zuweisungen des Landes Sachsen erhält, ist absolut gerechtfertigt."


Schon lange habe er nach so einem Objekt Ausschau gehalten, sagte Andreas Welzel, der im sächsischen Weixdorf geboren wurde, in Bayern aufwuchs und seinen Hauptwohnsitz in Bad Teinach (Baden-Württemberg) hat. "Ich habe das Rittergut vor zwei Jahren in einer Auktion gesehen und es mir sehr genau überlegt", sagte der 68-jährige Rentner, der als selbstständiger Unternehmer im Spezial-Tiefbau tätig gewesen ist. Gemeinsam mit Partnerin und Kindern wurde der Entschluss zum Kauf gefasst.

Vor Ort sah Welzel, in welch schlechtem Zustand sich das frühere Haupthaus befand. "Ich habe mich nicht lange gewundert, warum überall Töpfe herumstanden", sagte Welzel. Denn vor allem das Dach sei in einem schlimmen Zustand gewesen.

Mittlerweile hat sich das geändert. "Im Oktober haben wir das alte Dach vollkommen abgetragen", berichtete Matthias Hanisch, dessen Dachdeckerteam aus dem Klipphausener Ortsteil Constappel kräftig anpackt. "Wir konnten es noch winterfest machen. Seit diesem Frühjahr decken wir es neu mit Schiefer." Rund 380.000 Euro waren allein für die Dachsanierung veranschlagt.

Das Rittergut wurde auf den Grundmauern einer älteren Anlage errichtet. Von 1948 bis 1990 diente es als Genesungsheim für Krebserkrankte. Danach habe die Gemeinde nach Investoren gesucht, sagte Bürgermeister Reiner Stiehl (Freie Wähler). Schließlich wechselte es in private Hände.

Das große Kaminzimmer im Erdgeschoss kündet von besseren Tagen. Derzeit steht hier noch eine große Bar. Die alten Küchenräume nebenan sind vollkommen leer. In der ersten Etage fanden sich die Privaträume des Vorbesitzers. Holzvertäfelungen und ein großer Kachelofen lassen ahnen, wie es aussah.

Was aus dem Muldaer Rittergut werden soll, da ist sich Andreas Welzel noch nicht ganz sicher. "Ein Hotel wird es auf jeden Fall nicht", betonte er. Doch schwebt ihm schon Genaueres für das erste Dachgeschoss vor. "Hier soll einmal meine Bibliothek entstehen", erklärte er voller Vorfreude.


Geld für Kulturdenkmale

Für die Sanierung der Kulturdenkmale in Mittelsachsen hat der Freistaat 2019 an den Kreis bisher rund 839.000 Euro überwiesen. Bislang haben 46 Zuwendungsempfänger die Unterstützung erhalten, 26 davon betreffen private Projekte.

Das Rittergut Mulda erhält den höchsten Anteil aus dem Fördertopf. Die Zuschüsse werden laut Auskunft des Landratsamtes in diesem Jahr beispielsweise außerdem an die Stadt Großschirma für die Fassadensanierung des Erdgeschosses am Haus des Schuhmacherhandwerks im Ortsteil Siebenlehn, an die Kirchgemeinde Mittelsaida für die Fußbodensanierung der Kirche und an die Kirchgemeinde Oberbobritzsch zur Restaurierung der Lutherstube überwiesen. (wjo)

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