Neues Dorfzentrum für Zug

Seit Jahren ist die frühere Schule ein Schandfleck, nun soll das Gebäude nach dem Willen der Stadt Freiberg eine Renaissance erleben. Doch bis es soweit ist, dürften Jahre vergehen.

Freiberg.

Die ehemalige Schule in Zug soll sich zum Dreh- und Angelpunkt des gesellschaftlichen Lebens im Ort entwickeln. Die Bücherei und der Jugendclub sollen in das Objekt einziehen, auch der Ortschaftsrat, die Sportler und weitere Vereine sollen die Räume nutzen. Außerdem soll die Feuerwehr ihren jetzigen Standort am Daniel aufgeben und auf dem knapp 3700 Quadratmeter großen Gelände angesiedelt werden. Diese Pläne hat Jörg Woidniok, der Leiter des Amts für Betriebswirtschaft und Recht, im Stadtrat am Donnerstag vorgestellt.

Seit mehreren Jahren forcierte ein Investor den Umbau der früheren Bildungseinrichtung. Wohnungen waren genauso in dem Objekt vorgesehen wie eine Tagespflege. Letztlich scheiterte das Projekt. Im November 2015 - und damit wenige Tage nach einem tödlichen Arbeitsunfall auf der Baustelle - verhängte die Stadt einen Baustopp. "Bis heute liegen uns keine genehmigungsfähigen Unterlagen vor", erklärte Baubürgermeister Holger Reuter gegenüber der "Freien Presse".

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Die Kommune hatte die Immobilie, die seit 2011 leersteht, im Jahr 2014 veräußert. Da damals vereinbart wurde, dass das Objekt binnen fünf Jahren saniert sein muss, aber seit langem nichts auf der Baustelle passierte, stand der Käufer augenscheinlich unter Druck. Und so verhandelten seit Frühjahr vorigen Jahres Stadt und Investor intensiv über einen Rückkauf. "Wir haben uns auf einen Preis geeinigt", bemerkte Woidniok im Stadtrat. Für 100.000 Euro wechselt das Objekt jetzt den Eigentümer. Für den Investor war dies, daran ließ Woidniok keinen Zweifel, ein Verlustgeschäft - er soll rund 200.000 Euro in die Immobilie investiert haben. Trotzdem wurden die Parteien handelseinig. Im Gegenzug möchte der Investor ein städtisches Grundstück an der Haldenstraße kaufen. Aufgrund der laufenden Verhandlungen mit der Stadt sagte der Unternehmer nichts über den Grundstückverkauf und den möglichen Erwerb an der Haldenstraße. Zurzeit nutzen Sportler dort ein Gebäude zum Umziehen.

Das Vorgehen kritisiert Linken-Stadträtin Jana Pinka. "Bei einem Koppelgeschäft habe ich immer ein ungutes Gefühl", sagte sie der "Freien Presse". In der Sitzung brachte sie zudem Nachteile für die Sportler ins Spiel. "Vom Sportplatz zur früheren Schule ist der Weg viel zu weit, da sind ja auch Kinder betroffen."

Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) sprach von einem Kompromiss, der aber nötig sei, um einen städtebaulichen Missstand zu beseitigen. CDU-Stadtrat und Ortschaftsratschef, Steve Ittershagen, warb ebenfalls um Zustimmung. Ein neues Ortszentrum zu schaffen, sei eine sinnvolle Sache. "Wir haben die Gelegenheit, ein neues Kapitel in der Entwicklung von Zug aufzuschlagen", sagte Ittershagen und fuhr fort, "das ist ein zukunftsträchtiger Standort". CDU-Mann Tobias Scholz zeigte sich irritiert über die Äußerung von Pinka. "Es ist sicher keine Pflichtaufgabe, aber eine Chance für den Ortsteil." Auch Anett Baselt, Chefin des Ortschaftsrates in Kleinwaltersdorf, sprach sich für das Projekt aus. "Ich muss eine Lanze für die Feuerwehr brechen. Platz dafür zu schaffen, ist immens wichtig." Bei der anschließenden Abstimmung votierte Jana Pinka als einzige gegen den Rückkauf, zwei Stadträte enthielten sich.

Bis im neuen Ortszentrum Leben einzieht, werden dennoch Jahre vergehen. Baubürgermeister Reuter schätzte auf Nachfrage ein, dass es bis zu vier Jahre dauern könnte, bis das Vorhaben realisiert sei. Wie viel Geld die Stadt für die Sanierung und mögliche Neubauten auf dem Areal investieren muss, steht aktuell nicht fest. Für eine seriöse Aussage dazu sei es noch zu früh, so Reuter.

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