Neues Wohngebiet in Freiberg - Nachbar setzt sich für Bäume ein

Zwischen Schulweg und Leipziger Straße sollen Stadthäuser und Eigen-heime entstehen. Im Grundsatz stimmte der Stadtrat bereits zu. Ein weiterer Ort für Häuslebauer wird gerade fertig.

Freiberg.

Noch liegt die neue Ferdinand-August-Annacker-Straße etwas verloren in der Landschaft. Zwar stehen schon die Straßenlampen, sonst aber führt die Straße einmal um eine große, braune Brachfläche herum. Auf absehbare Zeit wird sich dieses Bild wandeln. Hinter dem Straßennamen verbirgt sich das neue Wohngebiet im Freiberger Stadtteil Loßnitz an den Hängen des Münzbachtals. Die Straße ist vom Tiefbauamt bereits abgenommen und am Wohngebiet laufen noch Restarbeiten, teilt Investor Bernhard Ochernal mit. Von 33 Parzellen sind 19 bereits verkauft, so Ochernal, 14 noch zu haben.

Im Stadtteil Lößnitz erregt derweil ein Projekt an der Leipziger Straße neben dem einstigen Aldi- und künftigen Penny-Markt den Argwohn mancher Nachbarn. Die Andreas Lietzmann und Klaus Lietzmann GbR aus Großschirma will Platz für drei Stadthäuser mit je acht Wohnungen sowie für 15 Eigenheime schaffen. Vor Jahrzehnten nutzte die damalige Baumschule an der Leipziger Straße - wo nun der Edeka geplant ist - das Gelände gegenüber zur Nachzucht. Nun sprießen und wachsen die Bäume dort unkontrolliert vor sich hin. Ralph Schrenk, der am Schulweg ein kleines IT-Beratungsunternehmen betreibt, durchstreift ab und zu das Unterholz. Manche Stämme, schätzt er, messen mehr als einen halben Meter im Durchmesser. Gelegentlich, sagt er, beobachtet er seltene Tiere. Das kleine Wäldchen ist ihm ans Herz gewachsen. Entsprechend argwöhnisch verfolgt Schrenk die Pläne mit dem Areal. Notfalls, überlegt er, will er Unterschriften sammeln, um die Bäume zu retten. "Wenn wir die grüne Lunge Freibergs dezimieren", sagte er jüngst zum Bürgerdialog mit OB Sven Krüger (SPD) im Haus Silikattechnik der TU, "dann ist das ein ganz schöner Einschnitt".

Doch soweit, versichern die Unternehmer, die auch hinter der 3-Energy-Gruppe in Großschirma stehen, ist das Projekt lange nicht gediehen. Zwar hat der Freiberger Stadtrat der Aufstellung eines Bebauungsplans zugestimmt, in dem festgeschrieben sein wird, wie bei der Entwicklung der Fläche mit den Bäumen verfahren wird. Doch die entsprechenden Gutachten liegen bisher nicht vor, erklärte Andreas Lietzmann jetzt auf Anfrage der "Freien Presse". "Das steckt alles noch in den Kinderschuhen", versicherte Lietzmann.

So könne er über Ausgleichsmaßnahmen, also neu zu pflanzende Bäume, noch nichts sagen. Denkbar sei aber auf jeden Fall, dass manche Bäume stehen bleiben. Da müsse man die Aussagen der Planer abwarten. Und das kann geraume Zeit, sicherlich länger als ein Jahr, dauern, ließ Lietzmann durchblicken.

Im Bürgerdialog verwies Krüger darauf, dass die Pläne im Lauf des amtlichen Planungsverfahrens öffentlich ausgelegt werden und jeder Freiberger eine Stellungnahme abgeben könne, die dann berücksichtigt werde. Krüger: "Wenn jemand baut, wird er für Wald Ausgleich bringen müssen - dort oder anderswo." Im übrigen wachse Freiberg. "Und wir wollen die Leute halten", fuhr der OB fort.

Es habe wenig Sinn, wenn in der Umgebung gebaut werde, und die Leute anschließend mit dem Auto zur Arbeit pendeln. Außerdem, sagte das Stadtoberhaupt, ist Freiberg eine "extrem grüne Stadt". Das Tiefbauamt betreue rund 12.000 Bäume. Dazu kämen rund 1000 Hektar Wald bis nach Frauenstein, die der Stadt gehören. "Wir werden dafür sorgen, dass das so bleibt."

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1Kommentare
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  • 2
    1
    franzudo2013
    04.09.2018

    Auf der besagten Edeka- Fläche nebenan wurde schon vorsorglich alles gefällt. Damit der Investor dann keinen Ausgleich für die Bäume mehr bringen muss. Sehr wirtschaftsfreundlich, Herr Krüger, wenn auch etwas einseitig....



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