Neuhausen grüßt mit Kälte und Charme

Wahlen 2019: Die Wahlwanderung durch das Gebiet der "Freien Presse" Mittelsachsen ist in Neuhausen zu Ende gegangen. Im Gespräch mit den Menschen wird klar: Einige Themen bewegen den ganzen Landkreis, von Norden nach Süden.

Clausnitz/Neuhausen.

Am Ende wird es winterlich: Als ich am Sonntag, diesmal in Begleitung, in Nassau zur achten und letzten Etappe der Wahlwanderung aufbreche, fallen dicke Flocken, auf den Feldern weht es uns ordentlich ein. Ein paar Spaziergänger haben sich nach draußen gewagt, und was sie sich für ihre Gemeinden wünschen, ist nah dran an dem, was mir die Menschen quer durch Mittelsachsen erzählt haben.

An acht Tagen habe ich von Geringswalde nach Neuhausen rund 130 Kilometer zurückgelegt. Nicht immer sind es die Stadt- und Gemeinderäte, die allein etwas ändern können. Oft geht es um Dinge des Alltags, mit denen die Einwohner jeden Tag konfrontiert sind. Auf meine Frage, was dringend gemacht werden muss, höre ich oft: die Straßen. Nicht nur die Kommunalstraßen, auch die, für die Kreis oder Land zuständig sind, sagt auch Falk Uhlig, der in Clausnitz auf den Zug wartet, als wir das Wartehäuschen für ein Picknick aufsuchen. Auch die Fußwege müssen in Ordnung gebracht werden, sagt später eine Seniorengruppe in Neuhausen. Bessere Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr wünschen sich ebenso viele. "Statt die Bahnstrecke bis nach Tschechien zu erweitern, sollte man lieber in den Busverkehr investieren", sagt etwa Falk Uhlig.

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Wie wichtig Busse sind, hängt auch mit der Versorgungslage zusammen. In Arras, Topfseifersdorf und vielen anderen Dörfern trauert man geschlossenen Läden und Gaststätten hinterher. In Neuhausen seien alle Cafés zu oder zu weit außerhalb, erzählen mir die Senioren. Wenn dann kaum Busse fahren, man das Auto im Alter stehen lassen muss: Wie soll das gehen? Ein Problem, das viele auf sich zukommen sehen. Zeit für die Kommunen, sich umzuschauen, warum es woanders funktioniert. "Wir haben noch viele Einkaufsmöglichkeiten", betont Uhlig - weil die Leute schon immer da hingehen, so seine Erklärung. Dorfläden und Direktverkäufe sind andere Möglichkeiten.

Leise mischt sich auf dem Land aber auch Hoffnung unter die Bewohner: Sie erleben wieder, wie junge Leute bleiben oder nach ein paar Jahren in der Großstadt zurückkehren. "Das Blatt wendet sich", sagt Alexander Wirth. Den Nassauer treffe ich auf dem Kammweg, auch er kennt Rückkehrer. Zwar hapere es oft in der Infrastruktur, sagt er, "aber insgesamt sind wir glücklich."

In Kirchbach, Burkersdorf und Nassau höre ich auch, dass Familien dort bauen würden, es aufgrund von Bauvorschriften aber nicht können. Auch das scheint eine Aufgabe zu sein, die Gesetzgeber lösen können. Mehr Einwohner heißt ja auch: Mehr potenzielle Kunden für Geschäfte und Kneipen. Denn diese fungieren nicht nur als Versorger, sondern auch als Treffpunkt. Wo sie fehlen, braucht es Begegnungsräume und aktive Vereine. Vom besonderen Zusammenhalt im Dorf höre ich oft. Der zeigt sich in Festen, in Aufräumaktionen und in einmaliger Weise in Burkersdorf, wo Mütter 13.000 Euro für einen Spielplatz gesammelt haben. Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche vermissen die Dittmannsdorfer, einen Spielplatz die Kirchbacher und Lichtenberger. "Unser Spielplatz ist richtig schön geworden", erzählt mir Chris Mende, den ich in Neuhausen treffe, sein Sohn stimmt zu.

Er spricht auch das Thema an, das überraschenderweise überall im Landkreis eines ist: Radwege. "Durch den Schneebruch sind noch viele Äste im Weg", berichtet der 31-Jährige. Generell lässt sich feststellen: Die Menschen in Mittelsachsen wollen Ausflüge mit dem Rad machen, aber auch die Familie im Nachbardorf besuchen, ohne auf der Straße fahren zu müssen. Sie wollen praktische Routen und bei der Planung einbezogen werden.

An Ideen mangelt es nicht, oft aber am Geld, und wenn es Fördermittel gibt, fehlt der Eigenanteil. Oder das Verfahren ist für Laien zu aufwendig. Bürokratieabbau - und das sagen die, die ohnehin viel Einsatz zeigen - ist eine der dringendsten Aufgaben. Damit der Amtsschimmel nicht die ausbremst, die etwas für ihren Ort tun wollen.

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