Neustart in besonderen Zeiten

Vor ihrer ersten Herausforderung stand die neue Hausärztin von Cämmerswalde schneller als gedacht. Ihr Fazit heute: "Die Praxis auf dem Land ist das, was ich wollte."

Cämmerswalde.

Seit 1. Januar ist Tina Rabe Hausärztin in Cämmerswalde. Kaum hatte sie ihre neue Aufgabe begonnen, stand sie mit der Corona-Pandemie gleich vor einer besonderen Herausforderung. "Es kamen plötzlich weniger Patienten", erzählt die 39-Jährige. So sei zum einen planbare Diagnostik reduziert worden, zum anderen hätten Patienten auch Termine abgesagt, aus Angst, sich anzustecken.

Dennoch zieht sie nach knapp fünf Monaten ein positives Fazit. "Die Praxis auf dem Land ist genau das, was ich wollte", sagt Tina Rabe. "Ich denke, auch die Patienten haben mich angenommen." Zum Team wird ab 1. Juni Schwester Isabell stoßen und die Kolleginnen Beate und Ingrid unterstützen. Zudem investierte die junge Ärztin in moderne Technik. So will sie demnächst ein Ultra-Schallgerät für die Untersuchung der Schilddrüse und des Oberbauches einsetzen. "Dadurch kann mancher Weg zum Facharzt erspart bleiben", sagt die Medizinerin.

Viele ihrer Patienten kannten Tina Rabe von Kindheit an und sprechen sie noch heute mit Du an. "Damit habe ich kein Problem", sagt die Ärztin. Im Gegenteil, dadurch sei das Verhältnis von Arzt und Patient vertrauter.

Dr. Ingrid Mende, ihre Vorgängerin, unterstützt die junge Kollegin durch Hausbesuche und bei der Betreuung von Pflegeheimbewohnern. Denn oftmals ist das Wartezimmer jetzt wieder gut gefüllt. Zusätzlich müssen viele Patienten von den Schwestern versorgt werden, sie übernehmen zum Beispiel Laboruntersuchungen und diagnostische Maßnahmen. "Da gibt es Tage, an denen ich ganz schön geschafft bin", gesteht Tina Rabe. Entspannung finde sie dann auf dem Nachhauseweg nach Nassau, erzählt die verheiratete Mutter von zwei kleinen Kindern.

Dass die Bürokratie, weil alles dokumentiert werden muss, viel Zeit in Anspruch nimmt, bedauert die 39-Jährige. "Ich hätte lieber mehr Zeit für intensivere Gespräche mit den Patienten", sagt sie. Denn diese "Therapie der Seele" sei ein wichtiger Baustein ihres Berufes. "Der kommt oftmals leider viel zu kurz", sagt Rabe.

Seit Übernahme der Praxis arbeitet sie nach einem Bestellsystem. Dies war auch für Patientin Gisela Lohoff aus Rauschenbach neu. "Wir waren die Sprechzeiten von Frau Dr. Mende gewohnt. Doch mein Mann und ich haben uns schnell an das neue System der jungen Ärztin gewöhnt." Es sei eine "Einrichtungssache", und wenn es akute Beschwerden gebe, könne man täglich von 7.30 bis 9.30 Uhr behandelt werden. "Ein Notfall wird zu jeder Zeit versorgt", weiß die 70-Jährige.

Die junge Hausärztin hofft weiterhin auf eine Lösung, damit ihre Praxis bald einen Parkplatz bekommt. Dafür erstrahlen der Warte-Eingangsbereich und das Sprechzimmer bereits in neuem, hellen Farbton. Malermeister Stephan Gerz hat damit seiner Tochter einen großen Wunsch erfüllt.

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