Noch schläft das alte Schachthaus

In Halsbrücke will man das Schachthaus Oberes Neues Geschrei sanieren. Es soll einerseits ein Zeuge des Bergbaus erhalten, andererseits ein touristischer Punkt geschaffen werden.

Halsbrücke.

Von der Ferne wirkt das Schachtgebäude der Grubenanlage "Oberes Neues Geschrei" zunächst gar nicht wie ein Zeuge der Halsbrücker Montangeschichte. Eher wie eine Trutzburg ragt es über dem Ort auf. Es fehlt eigentlich nur noch eine Mauer mit Zinnen. Doch je näher man kommt, desto klarer wird, worum es sich bei der Anlage handelt. Ein gewundener, holpriger Weg führt die Halde hinauf. Ein paar Sträucher, einige Birken, sonst ist nur sehr wenig Vegetation zu finden. Reste eines Lagerfeuers liegen noch herum. Vor einiger Zeit wurde vom Bauhof ein kleiner Rastpunkt errichtet.

Das Schachthaus selbst verliert aus der Nähe nicht seine Imposanz, jedoch ein wenig von seiner Würde, wenn man die Graffiti betrachtet, mit denen Teile der Außenwand verunziert wurden. Eine stabile Absperrung verschließt den Eingang. Viel ist im Inneren allerdings auch nicht zu sehen. Ein Gitter über dem "Hoffnung Schacht", Drahtseile über einer Seilscheibe an der Decke. Die meisten Fenster sind mit hölzernen Läden verrammelt. Der Wind bewegt leicht eine alte Kunstglocke in der Spitze des kleinen Turmes auf dem First. Alles scheint zu schlafen, und zwar sehr tief.

Geht es nach der Gemeinde Halsbrücke, so soll diese Trostlosigkeit bald schwinden. Das Schachtgebäude, auch Treibehaus genannt, wurde im Zusammenhang mit der Schaffung des Rothschönberger Stollns, den man von 1844 bis 1877 anlegte, errichtet. Der 1850 vollendete Hoffnung Schacht wurde als Lichtloch für den Vortrieb des Stollns zwischen dem Richtschacht der Reichen Zeche und dem VIII. Lichtloch in Halsbrücke angelegt. In seinen besten Zeiten waren hier zwei Schwamkrugturbinen in Betrieb: eine zur Wasserhaltung und eine zur Förderung. Heute ist das Schachthaus einschließlich der Haldenanlage offizieller Bestandteil des Welterbes Montanregion. Und nach der geplanten Sanierung wird es auch wieder so aussehen. Natursteinarbeiten sowie Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten sind dafür nötig. Das Schachtgitter wird saniert, ebenso der mit Gneisplatten belegte Fußboden. Insgesamt knapp 120.000 Euro sind veranschlagt. Um eine 75-prozentige Förderung aus dem Leader-Programm wird sich bis zur 15. Kalenderwoche 2020 beworben. Werden die Mittel bewilligt, kann mit den Dacharbeiten bereits im kommenden Herbst begonnen werden.

"Wir sind noch mitten in der Ideenphase", sagt Andreas Beger, Bürgermeister von Halsbrücke. Man wolle nicht nur das Gebäude erhalten, sondern es touristisch an den Radweg entlang der ehemaligen Bahnstrecke nach Freiberg anbinden. "Es soll ein Rastplatz mit Informationsstandort entstehen", so Beger. "Unsere Vorstellung ist, dass die Besucher oben auf der Halde stehen und ins Land schauen können." Abends könnte für eine dezente Illuminierung gesorgt werden. Aufsteller mit geschichtlichen Erläuterungen, wie schon anderswo, sollen Auskunft geben über das Objekt. Der Innenraum des Treibehauses wird lediglich augenscheinlich zugänglich gemacht, richtig öffnen will man ihn nur zu bestimmten Gelegenheiten. "Wenn es zur Umsetzung kommt, wären alle Anlagen, die zum Rothschönberger Stolln auf der Gemarkung Halsbrücke stehen, saniert", sagt Beger.

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