Nur wenig Jugend beim Weltklimatag in Freiberg

Die Organisatoren der Fridays-for-Future-Bewegung hatten zu einer Demonstration auf den Schloßplatz eingeladen. Die Resonanz blieb dabei übersichtlich.

Freiberg.

War es die Kälte oder der nahe Christmarkt? Oder war es dann doch die von manchem schon vorher prophezeite Gleichgültigkeit, die sich am Ende doch durchsetzen würde? Zum vierten Weltklimatag, der am Freitag rund um den Globus stattfand, hatte auch die Fridays-for-Future-Bewegung in Freiberg zu einer Demonstration auf den Schlossplatz eingeladen. Ausdrücklich nicht während der Schulzeit, sondern am Nachmittag, um dem Vorurteil zu begegnen, man demonstriere ja nur, um nicht die Schulbank drücken zu müssen.

Am Ende waren es gerade einmal rund hundert Teilnehmer, die gekommen waren. Das allein wäre noch kein Misserfolg, meinte Carola Zscheile, die als Vertreter von "Parents for Future" an der Organisation mitwirkt. "Immerhin sind das mehr als bei der letzten Demo am 18. Oktober", sagte sie. Wirklich überraschend und wohl auch etwas ernüchternd dürfte vielmehr gewesen sein, dass geschätzt nicht einmal ein Viertel der Anwesenden Jugendliche oder Kinder waren. Die Elterngeneration war vertreten, noch mehr allerdings die der Großeltern.

"Wir hatten uns eindeutig mehr Zulauf erwartet", gestand denn auch Jördis Thümmler ein. Die 17-jährige Schülerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums ist sozusagen das Gesicht der Bewegung in Freiberg geworden, nachdem sie sich spontan bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Klima in der Nikolaikirche der Debatte gestellt hatte. Nach den Gründen gefragt, warum so wenige ihrer Generation da seien, konnte sie nur Vermutungen anstellen. "Meinem Erleben nach wird es in der Schule zu wenig thematisiert", versuchte sie eine Erklärung. "Für zu viele stellt die Klimakrise offenbar keine Bedrohung dar."

Professor Jörg Matschullat, Geochemiker und Geoökologe, machte mit seiner Rede aber genau darauf aufmerksam, dass es höchste Zeit sei, zu handeln. Er nutzte das Podium, um über sogenannte Kippelemente zu sprechen, die dafür sorgen können, dass das Klima in absehbarer Zeit kippt. Er nannte in diesem Zusammenhang auch die steigende Weltbevölkerung als Problempunkt. Danach stimmte der Sänger Mijas Miran ein "Halunkenlied" an, in dem er mangelndes Tierwohl und zu wenig Einsatz für das Klima anprangerte.

Deutlich politisch und stark regionalbezogen äußerte sich Norman Pohl, Leiter der Regionalgruppe des Bundes Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Er appellierte an die Zuhörer, sich an ihrem Wohnort zu engagieren. "Wenn jeder vor seiner eigenen Türe kehrt, dann ist überall gekehrt", meinte er. Zugleich machte er Vorschläge, was in Freiberg geschehen müsse. "Der Borkenkäfer hat im Stadtwald zugeschlagen", stellte er fest. Durch den darauf folgenden Kahlschlag sei eine große freie Fläche entstanden. "Unsere Forderung ist, dass sie wieder aufgeforstet wird", so Pohl. "Dazu wurde sich auch von Seiten der Stadt bekannt." Er wolle nicht, dass man die Situation irgendwie nutze, um dann doch eine Umgehungsstraße durch den Wald zu ziehen. Er forderte einen zweiten Marsch durch die Instanzen. Die Bewegung müsse sich die Mehrheit in den Parlamenten holen, um ihr Anliegen durchzusetzen.

1Kommentare
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  • 8
    1
    franzudo2013
    29.11.2019

    Es ist Freiberg ganz sehr zu wünschen, dass die Bergakademie ihr naturwissenschaftliches Renommee nicht verspielt. Eigentlich sollte da keiner hingegangen sein, der noch logisch denken kann.



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