OB-Wahlforum: Vom Klimakonzept bis zum Welterbe

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Vor den Kameras lief die Live-Diskussion mit den drei Bewerbern für das Oberbürgermeister-Amt - Hinter den Kulissen arbeiteten gleichzeitig Journalisten am Telefon und an der Berichterstattung, Organisatoren und Kameraleute behielten den technischen Überblick.

Brand-Erbisdorf.

Fragen über Fragen - das Online-Wahlforum am Dienstagabend in der Veranstaltungstonne der "Freien Presse" in Freiberg hätte gut und gerne ein abendfüllendes Programm werden können. Nicht nur die in den zurückliegenden Tagen in der Redaktion eingegangenen Briefe, Mails und Anrufe mit Anliegen der Brand-Erbisdorfer Einwohner sollten möglichst viel Platz in den Diskussionsrunden mit Martin Antonow, Mirko Espig und Michel Franz finden. Auch von jenen Zuschauerfragen, die während der Sendung eingingen, konnten mehrere von den drei Bewerbern um das höchste Wahlamt in der Bergstadt aktuell am Abend vor den Kameras beantwortet werden. Dennoch blieben nach der reichlichen Stunde der Liveübertragung weiterhin viele Dinge nicht angesprochen, ebenso zahlreiche Fragen noch unbeantwortet. Deshalb hat die Redaktion erneut drei wichtige Komplexe von Anfragen ausgewählt und an die drei OB-Kandidaten weitergereicht. Ihre Antworten dazu fasst die "Freie Presse" erneut zusammen.

Zusammenarbeit mit den Kirchgemeinden: Wie der künftige Oberbürgermeister eine Zusammenarbeit mit den evangelischen Gemeinden in Brand-Erbisdorf, der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde und der Landeskirchlichen Gemeinschaft sieht, wollen Verantwortliche der Glaubensgemeinschaften wissen. Nach Meinung von Amtsinhaber Martin Antonow sind bewährte Kirchennachrichten im Amtsblatt wichtig. Zudem gebe es den gemeinsamen Florianstag im Mai, aber auch das persönliche Mittun von Gemeindegliedern beim Offenen Adventskalender. "Traditionell gehören dazu auch der Berggottesdienst sowie Zuschüsse für das Friedhofswesen und kirchliche Bauten", sagt Antonow. Er regt an: "Mehr noch könnten Gemeindeglieder und Oberbürgermeister die medienwirksame Öffentlichkeitsarbeit organisieren."

Aus Sicht von OB-Bewerber Mirko Espig sind die evangelischen Gemeinden für Brand-Erbisdorf sehr wichtig. "Sie übernehmen Aufgaben in sozialen und zwischenmenschlichen Bereichen, stärken den Zusammenhalt und geben uns die Möglichkeit, Dinge von einer anderen Seite zu sehen", sagt der Lindaer. Aus diesem Grund sollten sie bei allen Bürgerbelangen mit eingebunden werden.

"Es gibt bereits sehr viele Berührungspunkte zwischen den Kirchen, der Stadt und dem Stadtverein", argumentiert OB-Kandidat Michel Franz. Eine lieb gewonnene Tradition sei die Eröffnung des Weihnachtsmarktes durch den Berggottesdienst. "Die geschnitzte Bergkrippe wurde durch den Stadtverein in Auftrag gegeben und von der Kirche gesegnet", sagt er. Franz plädiert dafür, die ehemals gemeinsame Valentinsveranstaltung wiederzubeleben. Außerdem könnten die Kirchen im Kino eine neue Plattform finden, um sich zu präsentieren. Montanregion Erzgebirge und die Stadt: Wie kann Brand-Erbisdorf vom Welterbe Montanregion Erzgebirge partizipieren? Welchen Beitrag kann die Stadt im Interesse der kulturellen Bereicherung leisten, wollen Brand-Erbisdorfer wissen.

Mirko Espig meint, dass die Stadt durch die Montanregion für Tagestouristen und Radwanderer interessant gestaltet werden könne. "Ich denke dabei an die Schaffung und Benennung von Sehenswürdigkeiten, auch an Ausschilderungen. Angebote, welche zum Verweilen einladen, müssen geschaffen werden", sagt er. Er schlägt zum Beispiel ein Café, ein Erlebnismuseum und einen begehbaren Stollen vor. Die Elite könnte ein Museum für Fahrzeuge werden.

"Das ursprüngliche Konzept beinhaltet nicht nur den Bergbau, sondern auch die Folgeindustrien. Sehr selten kommt es vor, dass eine Stadt wie Brand-Erbisdorf beides vereint", sagt Michel Franz. Die Würdigung aller Folgeindustrien bedeutet nach seiner Meinung enormes touristisches Potenzial für Brand-Erbisdorf und das auch in Verbindung mit einem ebenfalls von ihm unterstützten neuen Oldtimermuseum. Den Ausbau der Reußenhalde als Festgelände mit Sanitäranlagen sieht Franz ebenfalls als Beitrag. Er wolle das Gespräch dafür mit den Welterbe-Initiatoren suchen, um einen Teil des Konzeptes zu realisieren.

Laut Martin Antonow wird Brand-Erbisdorf durch den Welterbetitel positiv bekannt. "Wir stellen die Spezifik des Brander Reviers mit Himmelsfürst als silberreichste Grube Sachsens heraus", sagt er. So fließe Fördergeld in Projekte wie eine neue Dauerausstellung zur Industriegeschichte und in die entsprechende Wissensvermittlung auch im 3D-Format. "Gastronomie und Bergbau werden gekoppelt. Der Verein Historischer Bergbau wird unterstützt und pflegt Brauchtum", nennt er weitere Eckpunkte.

Konzepte gegen den Klimawandel: Welche Anstrengungen der künftige Oberbürgermeister unternehmen will und welche speziellen Vorstellungen es für die Stadt gibt, um den globalen Klimawandel abzubremsen, stellte sich als weiteres Anliegen von Brand-Erbisdorfer Einwohnern gegenüber den OB-Kandidaten heraus.

OB-Kandidat Michel Franz will sich für eine saubere und schöne Stadt und ebensolche Stadtteile einsetzen. "In Brand wird auf meine Initiative am 17. April ein Frühjahrsputz stattfinden. Für Langenau ist ein ähnlich geartetes Projekt im Park geplant", sagt er. "Die Stadt muss mit der Nutzung von Solarenergie, von LED-Leuchten, durch den Bau von Kreisverkehren und die Umsetzung des bestehenden Energiekonzeptes einen Beitrag leisten", fordert er zum Handlen auf. Dennoch müssten beim Einsatz von Windenergie die Bürger das letzte Wort haben. "Viele Menschen haben sich für eine saubere Stadt außerdem Hundebeutelstationen gewünscht", so Franz. Das müsse realisiert werden. Dennoch setzt er beim Thema Umweltschutz auch auf die Eigenverantwortung der Brand-Erbisdorfer Einwohner.

"Wir werden in Zukunft alle mehr darauf achten müssen, nur wenige Flächen zu versiegeln. Auch, wie wir mit Wasser haushalten - wie wir es nutzen und nicht ableiten - das alles ist zu überdenken", umreißt Mirko Espig seine Gedanken zum Thema. Er wolle sich dafür einsetzen, "dass wir auf den Schulen Photovoltaikanlagen installieren und den Strom direkt selbst verbrauchen". Außerdem gelte es, Elektrofahrzeuge für die Stadt zu verwenden, Grün in die Stadt zu holen und bei entsprechenden Kampagnen mitzuwirken. Dabei denke er zum Beispiel an Kommunen für Biologische Vielfalt sowie entsprechende Förderprogramme von Land und Bund zu nutzen.

Nach den Worten von Martin Antonow sind Einzelprojekte des aktuellen Klimaschutzteilkonzeptes der Stadt weiter konsequent voranzubringen. "In städtischen Gebäuden wird das 2016 begonnene Energiemanagement zwecks Einsparungen fortgesetzt. Es geht darum, Energie im Verbund lokal zu erzeugen und zu verbrauchen, beispielsweise mit Ladestationen für E-Mobilität. Das braucht nicht zwingend Wind", sind seine Argumente.


Frauenpower rund um das Wahlforum

Cornelia Schönberg: "Ich bin erstaunt über das große Interesse an der Wahl und die vielen Fragen der Brand-Erbisdorfer."


Astrid Ring: "Ungewohnt für mich, diesmal vor den Kulissen zu agieren. Aber das Team gab mir die nötige Ruhe - alles lief Hand in Hand."


Cindy Friedemann: "Es hat sich gelohnt. Ein gutes Event mit guter Stimmung - das ist keine Frage mehr von online oder offline."


Laura Schmidt: "Das Telefon stand nicht still. Nebenbei habe ich geschaut, dass der Stream läuft. Leider hakte es dann zum Schluss."

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