Oberschule Großschirma: Land verweist auf den Landkreis

CDU-Mann Gunther Zschommler fordert eine Änderung. Doch das Landratsamt sieht derzeit keinen Handlungsbedarf.

Großschirma.

Mit der Forderung nach einer Oberschule in Großschirma hat Gunther Zschommler Aufsehen erregt. Der Landwirt, der für CDU und Regionalen Bauernverband in Stadtrat und Kreistag sitzt, begründet sein Ansinnen mit der notwendigen Stärkung des ländlichen Raumes. Doch im neuen Schulnetzplan, der derzeit von der Kreisbehörde erarbeitet wird, kommt die Oberschule Großschirma offenbar auch nicht vor. "Planungen dafür sind nicht vorhanden", sagte gestern eine Kreissprecherin auf Anfrage.

Am 11. Juli 2008 schloss die Mittelschule Großschirma. Laut Sachsens Kultusministerium sind zur Einrichtung einer Klassenstufe an einer neuen Oberschule mindestens 40 Schüler nötig. "Zudem muss eine neue Oberschule Bestandteil des Schulnetzplanes des Landkreises sein", so eine Sprecherin. Um wieder eine Oberschule in Großschirma zu etablieren, hatte sich CDU-Stadtchef Zschommler an die Landtagsabgeordneten seines Wahlkreises gewandt.

Laut dem Landtagsabgeordneten Steve Johannes Ittershagen (CDU) könnte eine Oberschule geschaffen werden, "wenn die Schülerzahlen eine Zweizügigkeit für die nächsten 10, 20 Jahre garantieren." Wichtig sei, dass sich Stadtrat und Bürgermeister einig sind. Zugleich verwies der Politiker aus Zug auf die Oberschulen in Bobritzsch und Halsbrücke. "Beide werden gerade erweitert. Und ich kämpfe für diese Vorhaben in Dresden um Fördermittel", so Ittershagen. Es sei auch wichtig, das Bestehende zu erhalten.

Auch Landespolitikerin Jana Pinka (Die Linke) sagt: Vor dem kostenintensiven Bau einer neuen Schule sei eine reelle Analyse nötig, "ob eine Oberschule in Großschirma nicht die langfristige Schließung von Schulen in Nachbargemeinden nach sich ziehen würde", so die Freibergerin. Zudem sei zu klären: Wo wäre Baugrund frei? Wie entwickeln sich die Schülerzahlen? Wie wird das Personalproblem gelöst? Pinka zufolge setzten sich die Linken "seit vielen Jahren für den Erhalt auch kleiner Grund- und (Mittel-) Oberschulen im ländlichen Raum" ein. Aber alle Anträge und auch die Vorschläge zum neuen Schulgesetz seien "von den Regierungsparteien grundsätzlich abgelehnt" worden. Die CDU verantworte seit 1990 alle Schulgesetze im Land und seit 2008 alle Schulnetzplanungen in Mittelsachsen.

Landtagsabgeordneter Rolf Weigand (AfD) hatte bereits im Wahlkampf zur Großschirmaer Bürgermeisterwahl im Juni, bei der er gegen Amtsinhaber Volkmar Schreiter (FDP) unterlag, eine Oberschule in Großschirma gefordert. "Seit 2008 ist die Zahl der Geburten in Sachsen um 10 Prozent gestiegen. Die sächsische Staatsregierung wollte den ländlichen Raum stärken, und dazu gehört auch eine familiengerechte Infrastruktur", so Weigand. Fehle eine Oberschule, habe dies auch Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und das Vereinsleben. Weigand: "Da der Schulnetzplan gerade vom Landkreis erstellt wird, ist die Chance vorhanden, einen Oberschulstandort in Großschirma zu erhalten." Er plane dazu ein Gespräch mit dem Referat Bildung des Landratsamtes, um zu erörtern, wie das Vorhaben umgesetzt werden kann.

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