Ökobauern aus der Region fordern neue Agrar-Gesetze

Auch Landwirte aus Mittelsachsen fuhren am Freitag nach Leipzig. Einige mehr hätten es sein dürfen, sagt ein Organisator.

Leipzig/Freiberg.

Schnee, glatte Straßen und Minusgrade hinderten auch Landwirte aus Mittelsachsen am Freitag nicht daran, mit ihren Traktoren nach Leipzig zu fahren und dort mit Bauern aus ganz Deutschland eine Kundgebung am Gewandhaus abzuhalten.

"Wir möchten ein Zeichen gegen Landgrabbing durch Großinvestoren in Ostdeutschland setzen. Ackerland gehört in Bauernhand", sagt Danilo Braun. Er ist Inhaber der Ölmanufaktur, einem Biobetrieb im Oberschönaer Ortsteil Langhennersdorf. Gleichzeitig ist er Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) in Sachsen. Der bundesweit organisierte Verein vertritt laut eigener Aussage Kleinbauern in ganz Deutschland, die sich für eine umweltfreundliche Landwirtschaft einsetzen.

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Braun ist jedoch etwas enttäuscht mit dem Aufgebot. "Es hätten ruhig ein paar mehr Landwirte kommen können." Einige hätten abgesagt, weil sie arbeiten mussten. Andere seien gleich bis Berlin weitergefahren, wo am Samstag die Hauptdemo stattfindet.

Die Vertreter der ABL kritisieren die Konzentration von Landwirtschaftsfläche in den Händen finanzstarker Großinvestoren, die keine Landwirte sind (Landgrabbing) - vor allem in Ostdeutschland. Die Folge: Bodenpreise steigen und gerade für junge Landwirte, bäuerliche Existenzgründer und Bio-Bauern mit kleinen Höfen sei es immer schwerer, an Land zu kommen.

Doch ist dieses Problem derzeit für Sachsen immanent? "Bislang noch nicht im dem Maße, aber eine Tendenz ist erkennbar", sagt der Schwarzbacher Abgeordnete und Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, Wolfram Günther. "Gerade jetzt wäre daher die Zeit für eine Agrarstrukturreform", fordert der Grünen-Politiker, der zugleich Kreischef seiner Partei ist.

Was sagen die Zahlen? Laut einer Studie des bundeseigenen Thünen-Instituts von 2017 wurde etwa ein Viertel der sächsischen Landwirtschaftsfläche von überregionalen Investoren bewirtschaftet, die meisten davon jedoch "landwirtschaftsnah". Seit 2014 ist das ein Anstieg von circa vier Prozent. Sachsen lag damit 2017 in Ostdeutschland auf Platz drei hinter Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Besteht die Angst der kleinen Landwirte darin, von den Großen aus dem Geschäft gedrängt zu werden, die eventuell zu günstigeren Preisen produzieren können? "Wenn es um Kosten in der ökologischen Landwirtschaft geht, müssen wir die Gesamtrechnung betrachten", sagt Danilo Braun.

Demnach würden Investoren, die Anteile landwirtschaftlicher Betriebe kaufen, oft nur Weizen, Raps und Mais anbauen. Letzterer verspräche den größten Gewinn, auch weil er sich gut für die Verbrennung in Biogasanlagen eigne. Mais zerstöre jedoch auf Dauer die Humusschicht im Boden. Diese speichert nicht nur Nährstoffe, sondern dient als Schwamm. Der schütze den Boden vor Austrocknung und verhindere Überflutungen. Durch nachhaltige Fruchtfolgen, bei denen etwa humusförderndes Kleegras eine Rolle spiele, könne der Boden geschützt werden.

Was nun zu tun sei, verraten einige Banner an den Traktoren, die ab halb zwölf im Korso durch die Leipziger Innenstadt tuckerten. Etwa EU-Subventionen stoppen, die sich zu stark nach der bewirtschafteten Fläche richten würden. "Wir fordern ein Punktesystem", sagt Danilo Braun. Subventionen sollten verstärkt Bauern zukommen, die etwa Hecken pflanzen, um Insekten Lebensraum zu gewähren - oder eben für bodenschonende Fruchtfolgen.

Dass nicht alle Großinvestoren über einen Kamm zu scheren seien, sagen sowohl Braun als auch Grünen-Politiker Günther. "Da gibt es auch in Mittelsachsen einige, die ökologisch sehr gut wirtschaften." Welcher Betrieb genau nun einem Großinvestor gehört, sei oft schwer zu sagen. "Das muss nicht offen gelegt werden", sagt Wolfram Günther.

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