Ohne Plan, dafür mit Eierlikör

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Warum ein Likörchen beim Radrennen manchmal Not tut.

Es hagelt! Aber keine Hagelkörner, sondern dickes Lob für alle Beteiligten des 9. Freiberger Fahrrad-Zickzacks (FFZ), veranstaltet von "Freie Presse" und "Inpulz Radio und Magazin". Die Kommentare auf der FFZ-Facebook-Seite sind durchweg positiv. Auch Diddi hat den ersten Schock gut überwunden.

Diddi heißt eigentlich Dietrich Sonntag (Foto), 57, kommt aus Bannewitz bei Dresden und ist leidenschaftlicher Sportler. Gemeinsam mit zwei Freiberger Freunden hat er sich beim Fahrrad-Zickzack als Team "Helis Angels" angemeldet. Kurz vorm Start: "Böses Erwachen, als in der Startertüte drei Fahrtenbücher waren und es hieß: Jeder fährt allein", schreibt Diddi bei Facebook. "Ich war immer davon ausgegangen, dass wir zusammen fahren", erzählte er gestern am Telefon. "Reiche Zeche, Ober- und Untermarkt kenne ich, aber dann hört's auf." Eine Handyhalterung, um sich in der Not navigieren zu lassen, hatte er nicht. "Als Einzelstarter wäre ich ohne Navi auf aussichtslosem Posten gewesen." Diddi, Claudia und René haben den Schock überwunden. "Wir sind ein Stück zusammen gefahren, René hat mir den Weg beschrieben, dann haben wir uns alle immer wieder an einem zentralen Punkt, zum Beispiel Obermarkt oder Jakobikirche, getroffen. Immer wieder haben wir zwischendurch telefoniert", so Diddi, der gern die Teamwertung gewonnen hätte.

"Ich sage mal so, wenn man nicht unbedingt die Ambition hat, zu siegen, kann man als Ortsfremder schon mitmachen", meinte er. Noch besser fände er allerdings, wenn die Teams gemeinsam würfeln, fahren und kämpfen würden. "Dann könnten mehr Ortsunkundige von außerhalb mitmachen und das wunderschöne Freiberg kennenlernen", schlug Diddi vor. Eine Überlegung ist das wert. Für die Teamfahrer hätte das eine andere Qualität: Es kämpft nicht jeder allein und dann wird addiert, die Fahrer müssten miteinander das Rennen bestreiten, aufeinander warten, sich auf eine Route zwischen den Stationen festlegen und gemeinsam Dosen werfen und ähnliches. Das gibt garantiert Gaudi, birgt vielleicht auch Zündstoff; spannend wäre es allemal!

Mit 1060 Pneuros und 37 Stempeln in den Fahrtenbüchern sind die Drei über die Ziellinie geflogen. An der letzten Station Halsbrücker Straße traf sich das Trio wieder - wie von Zauberhand eingefädelt. Nicht im Ziel, sondern genau dort schon zelebrierten Diddi, Claudia und René ihren krönenden Abschluss: "Meinem Eierlikör-Blick entgeht nichts!", erzählte der Bannewitzer. Sport und Leistung, das sei ihm sehr wichtig. Genauso wichtig sei ihm aber auch, sich mit Freunden zu treffen, zu reden, zusammenzusitzen - und dabei einen Eierlikör zu genießen. "Da entdeckte ich eine Flasche Eierlikör. Bestimmt hatten das die Standbetreuer als Feierabend-Drink gedacht. Aber ich dachte: Das isses!", erzählt Diddi. Traditionell gebe es in seiner Freundesrunde nach jedem Wettkampf, egal ob im Laufen oder Radfahren - ein Likörchen. So auch diesmal, die Heli Angels überzeugten die Standbetreuer von der Notwendigkeit dieses einen Likörchens und spätestens damit hatte Diddi seinen Frieden mit dem Freiberger Fahrrad-Zickzack geschlossen.

Ob Jens Oehme (Foto rechts unten) gern Eierlikör trinkt, ist nicht bekannt. Jedenfalls schüttete er sich während des Rennens keinen solchen in den Rachen, sondern vielmehr klares Wasser ins Gesicht. Klebt ja auch nicht so!

Thomas Oppermann (Foto links) schaffte es ebenfalls ohne Eierlikör unter die besten 25. Dafür hatte er gegenüber Diddi Heimvorteil. Dabei war der Freiberger mit seinem Fahrrad Speziale unterwegs, einem Peterson von 1990. 600 Pneuros hatte er kurz nach 17.30 Uhr abgesahnt, als er gemütlich ins Ziel einfuhr.

Florentine Schwerdtfeger (Foto rechts oben) aus Halle/Saale hat ihr Damenrad gepimpt. Mit Navi und Handyhalterung hat sie sich die schnellsten Verbindungen direkt anzeigen lassen. Ob bei ihr Eierlikör im Spiel war, ist nicht überliefert.

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