Ohne Preis kein Fleiß

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Was das Sprichwortlexikon sonst noch so hergibt an Weisheiten für Freiberg.

Nachts sind alle Katzen grau. Und nicht nur die Katzen, möchten die Freiberger da dieses Sprichwort ergänzen. Schließlich leben sie in einer Studentenstadt mit erklecklicher Kneipendichte. Zwar gilt: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Aber warum soll man nicht mal eins und eins zusammenzählen. Denn: Wer A sagt, muss auch "Lllllll-kohol" sagen. Und grau sind manche nicht nur nachts und auch nicht nur theoretisch, sondern bereits im frühen Morgen. Frei nach dem Motto "Morgenstund hat Bier im Mund". Wahlweise "Der frühe Vogel trinkt den Wein." Das hat das Rathaus beispielsweise im Albertpark beobachtet. Da passten Stimmung und Leute zusammen wie die Faust aufs Auge. Manchmal passte die Faust auch wörtlich aufs Auge, das tat der Stimmung keinen Abbruch. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und manchmal brechen Zähne. Also wurde dem närrischen Treiben nun mit dem Alkoholverbot ein Ende gemacht. Zwar war es schon vorher verboten, anderen Leute auf die Pelle zu rücken. Aber den Stadtvätern ist klar: Doppelt genäht hält besser. Da mussten sie - ausnahmsweise - nicht mal jemanden fragen, der sich mit sowas auskennt. Gerste und Malz - Gott behalt's.

Das Ergebnis: Da wo man singt, da lass dich ruhig nieder - es war einmal. Jedenfalls in den Parkanlagen der Stadt. Betrunkene und Kinder sagen die Wahrheit. Wenn es nun keine Betrunkenen mehr gibt, da haben die Kinder allerhand zu tun. Das wird nicht einfach, sie zu motivieren. Wie's die Alten sungen, so zwitschern's auch die Jungen? Eher geht ein Bürgermeister durchs Nadelöhr. Früher sagte meine Oma: Ohne Fleiß kein Preis. Heute gilt für den Nachwuchs: Ohne Preis kein Fleiß. Da ist ihnen das Smartphone näher als der Rock. Wer surft, sündigt nicht. Tue Gutes und poste drüber. Oder tue nichts, und poste trotzdem drüber.

Anderswo gilt aber die alte Weisheit: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Beispielsweise im Landratsamt, wo noch nicht durchgesickert ist, dass Freiberg doch die Silberstadt ist, wo Silber als das wahre Gold gilt. Man beruft sich da im Landratsamt lieber auf den Philosophen Wittgenstein, der da schrieb: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen." Nicht ausgeschlossen, dass der Philosoph demnächst im neuen Foyer des Amts mit einer großen Büste dafür geehrt wird, dass er dem Amt seinen Sinn, sein Leitmotto stiftete. Dafür gebe es ja jede Menge zu berichten, zum Beispiel über ein neues Foyer, das mehrere Millionen kosten soll. Warum auch nicht. Teuer ist schließlich nicht nur so ein Bau, sondern ein guter Rat erst recht, und wenn er vom Landesrechnungshof kommt. Dann doch lieber: Nobel geht die Welt zugrunde. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert. Und der Kreistag hat die Pläne der Verwaltung natürlich ganz streng geprüft, bevor er sie abgesegnet hat. Holzauge, sei wachsam! Natürlich, die werden schon wissen, was sie tun, die Fachleute in den Amtsstuben. Glaubt man. Wir glauben da eher an den Volksmund: Hoffen und Harren hält manchen zum Narren.

Natürlich, der Besucherverkehr im Foyer des Landratsamts ist immens. Was du heute kannst beantragen, das verschiebe nicht auf morgen. Über sieben Brücken musst du dann deinen Antrag tragen, denn ein Stempel, ein guter Stempel, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Und Geiz ist die größte Armut, und geizig will ein Landratsamt nimmermehr sein. Man bedenke auch: Armut ist keine Schande, sondern Alltag, aber der Landkreis muss die Milliönchen fürs Foyer nicht selbst aufbringen, die Fördermittel fließen. Quasi Foydermittel. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, und wer selbst frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

Im Landratsamt lassen sich durchaus Steine werfen, ohne Schäden zu verursachen, denn so ein Amt ist ja kein transparentes Glashaus, das man mit einem Steinwurf beschädigen könnte. Ganz im Gegenteil. Ein' feste Burg sei unser Amt, so oder so ähnlich dichtete schon unser Martin Luther selig. Hier verwalte ich, ich kann nicht anders.

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