Ostereierei

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Was bei Verstecken zu beachten ist, damit nichts im Schwarzen Loch verschwindet.

Freiberg.

Hier eine schreckliche Neuigkeit: Die Osterhasen streiken. Jedenfalls haben sie das vergangenen Freitag getan. Anstatt in die Osterhasenschule zu gehen, versammelten sie sich auf öffentlichen Wiesen, um gegen den Klimawandel zu protestieren. Denn der bedroht ihre Existenzgrundlage. Zwar kann man auch im Wüstensand gut Eier verstecken, wenn sich die Trockengebiete demnächst bis an den Rand der erzgebirgischen Hochmoore ausgedehnt haben. Doch bei der Hitze schmilzt die Schokolade, und außerdem wird's den Hasen warm unterm Fell.

Aber nein, jetzt mal ernsthaft: In Freiberg hat wirklich eine Gruppe Oberhasen, äh, Osterhasen, auf dem Obermarkt gestreikt, um für mehr Fairness zu werben. Nicht gegenüber den Hasen, sondern gegenüber den Leuten, die die Kakaobohnen anbauen. Schokolade zu Ostern sollte also nicht nur hitzebeständig sein, sondern auch noch fair gehandelt. Die Schüler im Vogtland haben übrigens jetzt angeblich jegliche Klimastreiks eingestellt. Sie denken sich: Wenn man schon täglich kostenlos eine Radonheilkur bekommt, dann sollte man doch so oft wie möglich Schul-Luft schnuppern.

Sascha Aurich

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Es kommt noch schlimmer: Auch die Hühner streiken. So lautet ein weit verbreitetes Gerücht. Demnach besteht die Gefahr eines akuten Ostereiermangels, weil die Hennen nicht mehr legen, wie sie sollen. Stattdessen fordern sie die Anerkennung von Kükenerziehungszeiten, und außerdem gleichen Lohn für gleiche Arbeit. So lange Hähne fürs Krähen bezahlt werden, wollen die Hennen auch fürs Gackern Geld sehen.

Aber so schlimm ist es gar nicht mit dem Eier-Lieferstopp. Die gelernten DDR-Bürger unter uns können ja mit Mangelwirtschaft gut umgehen. Zu Ostern waren Eier ja schon immer Bückware. In Freiberg und Umgebung allerdings legt man die Eier auch gerne in Hochbeete, damit die vielen schönen Schwermetalle im Boden nicht von der Eierfarbe kontaminiert werden.

Wo könnte man nun in unserer Region Ostereier verstecken? Natürlich bietet sich die Baugrube am Untermarkt an. Auch wenn der Volksmund etwas anderes vermutet, handelt es sich bei dieser Grube ausdrücklich nicht um jenes Schwarze Loch, das Forscher - immer nur Selfies waren ihnen wohl zu öde geworden - letztens läppische 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt abgelichtet haben. Ist ja auch logisch, dass sich das schwarze Loch nicht unter dem Untermarkt befinden kann. So ein Loch lässt nichts mehr nach außen dringen - weder Osterei noch Osternest und Osterhasen auch bestenfalls im ragout-ähnlichen Zustand. Und um das Loch herum kreist eine ganze Galaxie. Der Freiberger Familienschacht unterm Untermarkt dagegen ließ damals den späteren Weltgelehrten Alexander von Humboldt unbehelligt ausfahren. Und nur diesseits der Stadtgrenzen kann man dem Gedanken verfallen, um Freiberg kreist eine ganze Galaxie.

Freilich nicht von der Hand zu weisen ist der Gedanke, die Forscher hätten nicht so weit in der Ferne suchen müssen. Dieser populären Theorie nach wären die Teleskope auch fündig geworden, wenn sie ihre Antennen auf einen Ort auf der Erde, konkret 51 Grad, 2 Minuten und 55 Sekunden nördlicher Breite sowie 13 Grad, 44 Minuten und 29 Sekunden östlicher Länge eingestellt hätten. Also auf Dresden. Was die ungeheure Gravitation der Ministerialbürokratie dort an Förderanträgen ansaugt und wovon niemals wieder die geringste Spur zu erblicken ist, das kann nur ein schwarzes Loch sein. Anders lässt sich dieses Phänomen nicht erklären. Im Regierungsviertel Dresdens würde ich meine Ostereier jedenfalls nicht verstecken.

Also doch lieber in Freiberg. Wem der Untermarkt zu schwierig zu finden ist - die Umleitungen machen ihrem Namen ja alle Ehre - für den wird es nicht leicht, ebenbürtige Versteckorte zu finden. Das Rathaus scheidet aus, dort legt der Stadtrat dem OB gelegentlich das ein oder andere Ei, was zu Verwechslungsgefahr führt. Auch bei der Polizei ist es nicht empfehlenswert, dort spielt man zwar gern "Eins, zwei, drei ins faule Ei", aber manchmal eben auch etwas heftig, so man der Staatsanwaltschaft Glauben schenkt. Dann geht nicht nur das Osterei zu Bruch, sondern Körperteile wie der Augenhöhlenboden. Orbitabodenfraktur heißt ein solcher Bruch in der Fachsprache, womit wir wieder beim Orbit, dem Weltall und den schwarzen Löchern angekommen wären. Und der noch offenen Frage, wann die Forscher das Dresdner Schwarze Loch finden. Seien wir ehrlich: Vermutlich gibt es das dort gar nicht. Vermutlich brütet dort nur ein überforderter Osterhase über ungelegten Eiern und kriegt nix gebacken. Gegenüber seinen Freiberger Kollegen hat er einen Vorteil: Fair bezahlt wird er schon heute.

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