Ostersteine tragen Bilder der Hoffnung

Das wichtigste Fest der Christen wird in diesem Jahr ganz anders sein. "Es war ein Schock", beschreibt Pfarrerin Maria-Theresia Kaiser ihre Gefühle, als ihr dies bewusst wurde. Die frohe Botschaft jedoch bleibt.

Langhennersdorf.

Ein Frühlingstag wie er schöner nicht sein kann liegt über Langhennersdorf. Auf der Wiese hinter dem Pfarrhaus ist man inmitten von saftigem Grün. Die Sorgen, die von der Viruspandemie bestimmt werden, sind, so möchte man glauben, weit weg. Doch sie sind es nicht.

Ostern steht vor der Tür. Für Maria-Theresia Kaiser, seit einem Jahr Pfarrerin der Kirchgemeinde Oberschöna-Langhennersdorf, wird es ganz anders sein, wie für andere auch. Sie wird ihre Gemeinde nicht bei Gottesdiensten begrüßen. "Es war wie ein Schock", erzählt Kaiser von dem Moment, als ihr das bekannt wurde. "Keine Versammlungen, keine Gruppen und Kreise, keine Gottesdienste, nichts, was ich sonst vorbereitet habe und damit in den Austausch gegangen bin."

Stillstand gab es dennoch nicht, denn zunächst sichtete sie die vielen Informationsmails und besprach mit den Mitarbeitern telefonisch die künftigen Vorgehensweisen. "Von der einkehrenden Ruhe, wie es am Anfang hieß, merkte ich nichts", so die Pfarrerin. Statt wie früher Predigten zu schreiben oder Religionsunterricht vorzubereiten und zu geben, recherchierte sie nun nach digitalen Möglichkeiten, um mit ihren Konfirmanden in Kontakt zu bleiben. Auch informierte sie sich über Datenschutzrichtlinien für online abzurufende Schulaufgaben. Um einfach mal Hallo zu sagen, versandte sie Briefe an die Jugendlichen der Gemeinde. Mit diesen lud Maria-Theresia Kaiser zu einer Osteraktion ein, auf die sie im virtuellen Raum gestoßen ist. "#Ostersteine, #Hoffnunghamstern und #stärkeralsdertod habe ich bei der Nordkirche gefunden und sofort aufgegriffen", sagt sie. "Da wird eingeladen, Steine mit Hoffnungsbildern oder -symbolen zu bemalen, mit dem Hinweis ,Facebook: Ostersteine' oder das gleiche für Instagram zu versehen und dann im Ort zu verteilen, dass die Menschen die Steine finden können." Erste Bilder habe sie bereits erhalten. Steine seien als religiöse Symbole gegenwärtig, meint Kaiser. "Sie stehen für eine Last, die man abwerfen kann, einen Grund, auf dem man sein Haus errichtet. Wir Christinnen und Christen sind lebendige Steine, die gemeinsam Kirchen bauen", sagt die 34-Jährige. Nicht zu vergessen der große Stein, der vor die Höhle mit dem toten Jesus gestellt wurde und der am dritten Tag beiseite gerollt lag, den Blick auf das leere Innere freigebend.

Ob digital, per Brief oder beim Gespräch über den Gartenzaun, mit Abstand natürlich, die Pfarrerin hält Kontakt zu den Menschen in den ihr anvertrauten Ortschaften. "Ich fühle diese Verantwortung jetzt besonders", sagt sie. Diese nahm sie auch wahr, als kürzlich eine Sterbende sie bat, noch einmal zu ihr zu kommen.

Für die Karwoche hat sie ein Bibel-Leseangebot mit Impulsen für Palmarum, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag erstellt. Karfreitag, 15 Uhr, werden die Glocken in der Gemeinde läuten, danach erst wieder am Ostersonntag, an dem 10.15 Uhr alle eingeladen sind, das Auferstehungslied "Christ ist erstanden" im Evangelischen Gesangbuch Nr. 99 zu singen oder zu spielen. Zu dieser Zeit, so Kaiser, hätten die Gottesdienste unter normalen Umständen geendet und die Kinder würden auf den Wiesen Osterkörbe suchen. "Dieses Jahr ist alles anders", sagt die Pfarrerin: "Was aber bleibt, ist die frohe Botschaft."


Seelsorge in Zeiten von Corona - von stiller Andacht über Radio-Gottesdienst bis hin zum Live-Stream im Internet

Ostern - das ist das wichtigste Fest für die Christen. Denn es wird die

Auferstehung Jesu Christi gefeiert.

Dazu gehören Gottesdienste und

Andachten. Doch dieses Jahr ist

aufgrund der Coronapandemie alles anders. Doch auf Impulse ihrer Seelsorger müssen die Menschen nicht verzichten, denn die Kirchgemeinden machen aus der Not eine Tugend

und beschreiten neue Wege, wie eine

Auswahl der "Freien Presse" beweist.

Mit Glockenläuten stimmen evangelische und katholische Kirchgemeinden auf die Osterzeit ein. So ist

zum Beispiel am Ostersonntag das Ostergeläut um 6 Uhr früh und zur gewohnten Gottesdienstzeit zu hören. Bereits am Karfreitag läuten in Rochlitz die Kirchenglocken um 14.50 und um 15 Uhr. "Die Glocken rufen zum gemeinsamen Gebet, auch wenn wir nicht zum Gottesdienst in die Kirchen gehen können", erläutert die Freiberger Superintendentin Hiltrud Anacker.

Die Freiberger Domgemeinde stellt Karfreitag und Ostersonntag eine Videoandacht auf Youtube. Diese werde auch gedruckt an Menschen verteilt, die keinen Internetzugang haben, aber den Domgottesdiensten sehr verbunden sind. Auch Hör-CDs werden davon gebrannt. Zudem steht täglich die Annenkapelle zu Andacht und zum Gebet von 10 bis 18 Uhr offen, zudem die Kirche in Großschirma

am Karfreitag von 15 bis 16 Uhr und am Ostermorgen von 9 bis 10 Uhr - generell sind die meisten Kirchen für das persönliche Gebet geöffnet.

Einen Oster-Fernseh-Gottesdienst gibt es beispielsweise aus der Augustusburger Schlosskirche. Das KabelJournal Flöha strahlt am Ostersonntag und Ostermontag jeweils um

9 und 11 Uhr einen Gottesdienst mit Pfarrer Uwe Winkler aus. Andachten und Videoclips hat Pfarrer Winkler außerdem auf seiner Homepage www.winkleruwe.de sowie auf der Homepage der Kirchgemeinde St. Petri gestellt.

Über einen eigenenYoutube-Kanal verfügt unter anderem die Jacobi-Christophorus-Kirchgemeinde Freiberg. Außerdem nimmt Pfarrer Philipp Pohle aus Clausnitz einen Gottesdienst auf Video auf, um diesen dann in Pflegeheimen seiner Region zu zeigen. Die Kirchgemeinde "Kreuztanne bei Sayda", die von Sayda bis Rechenberg-Bienenmühle reicht, hat sich eine besondere Aktion einfallen lassen. Die Mitglieder werden gebeten, am Ostermorgen von Tür zu Fenster zu Balkon den Osterruf "Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!" zuzurufen.

In Geringswalde werden seit drei Wochen jeweils am Sonntag biblische Texte und kleine Andachten per Email oder postalisch an die Gläubigen versandt; ähnlich hält es die katholische Kirchgemeinde aus Wechselburg. Auch Kirchen haben laut Pfarrer Klaus Tietze für eine persönliche Andacht geöffnet, so zum Beispiel an Ostersonntag die von Geringswalde von 9.30 bis 10.30 Uhr.

In Hainichen lädt am Karfreitag ein Kreuzweg in der Kirche zur stillen und persönlichen Meditation ein. In Mittweida erklingt Musik von der Orgelempore und vom Kirchturm - "alles in klein(st)er Besetzung", wie der stellvertretende Superintendent für den Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz erklärt.

In Wechselburg geht am Ostersonntag ab 10 Uhr ein Radiogottesdienst mit dem Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, live auf MDR-Kultur auf Sendung. Zudem bietet das Bistum jeden Sonntag, 11 Uhr, aus der Leipziger Propsteikirche einen Livestream. (acr)/cdo/grün

www.bistum-dresden-meissen.de

www.evlks.de

www.freiberger-dom.de


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