Parteien setzen auf Familienfreundlichkeit

Großschirma.

Wer sitzt künftig im Großschirmaer Stadtrat? Insgesamt 65 Bewerber - 17 Frauen und 35Männer - aus drei Parteien, einem Parteienbündnis und drei Wählervereinigungen wollen in den neuen Großschirmaer Stadtrat einziehen. Doch nur 18 Stadträte werden gewählt. Am 26. Mai fällt die Entscheidung.

4580 Wahlberechtigte haben laut Kathleen Recknagel, Leiterin des Haupt- und Ordnungsamtes in Großschirma, eine Wahlbenachrichtigung erhalten. Zum Vergleich: Zur Kommunalwahl vor fünf Jahren waren es genau 4756 Wahlberechtigte, von denen 2546 auch zur Wahl gingen. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,5Prozent.


Alle Bewerber sind sich darin einig: Ein Thema in Großschirma wird die Familienfreundlichkeit der Stadt sein. Und da hat sich schon viel getan, sagt Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) auf Anfrage von "Freie Presse". "Wir sind schon familienfreundlich und wollen es auch bleiben." Nach und nach habe die Stadt alle Kitas modernisiert und teils erweitert. Die Siebenlehner Kita solle in diesem Jahr fertig gestellt werden. "Wir haben zwei Grundschulen und zwei schöne Turnhallen", so Schreiter. Zugleich verweist er auf den kürzlich eingeweihten Generationentreff mit Spielplatz in Siebenlehn, für den sich eine Elterninitiative eingesetzt hatte.

Ein Thema brennt vielen Bewerbern auf den Nägeln: Großschirma hat seit Juli 2008 keine Oberschule mehr. "Das muss dringend überprüft werden", betont Gunther Zschommler (CDU/RBV), der im Stadtrat und im Kreistag sitzt. Auch Frank Grießbach von der Wählervereinigung "Lebenswerte Stadt" (bisher Liste Siebenlehner Sport) bricht eine Lanze für die Wiedererrichtung einer Oberschule im Stadtgebiet. "Dafür hat sich unsere Wählervereinigung als erste ausgesprochen - und sie wird dieses Ziel auch konsequent weiter verfolgen", sagt Grießbach, der für den Stadtrat kandidiert. Die Unabhängige Bürgervereinigung (UBV) befürwortet ebenfalls die Schaffung eines neuen Oberschulstandortes in der Stadt, so UBV-Stadtrat Volker Scharf. Und auch Rolf Weigand (AfD) sieht eine zentrale Aufgabe darin, eine Oberschule in Großschirma zu errichten. "Wir sind dazu schon mit dem Landratsamt im Gespräch und werden dies aktiv vorantreiben", sagt der Landtagsabgeordnete, der für den Stadtrat kandidiert. Bürgermeister Schreiter dazu am Donnerstag auf Anfrage: "Wir werden das Thema zusammen mit der Kreisverwaltung aufgreifen."

Vize-Bürgermeisterin und Stadträtin Margot Schleicher (Freie Liste Reichenbach-Seifersdorf) verweist auf "zukunftsorientierte Schulmodelle, die Kindern eine längere Bindung zum Heimatort bieten". Diese sollten ihren Angaben zufolge nicht abgelehnt, sondern gründlich analysiert und gegebenenfalls unterstützt werden. Auch die SPD will sich laut Christian Schier, der für den Stadtrat kandidiert, für eine Gemeinschaftsschule einsetzen.

Stadträtin Regina Humpisch (Linke) wiederum bedauert, dass es in Obergruna keine Schule mehr gibt und auch der Kindergarten in dem Ortsteil vor Jahren geschlossen wurde.

UBV

Straßen und Radwege: Wir fordern einen bestandsnahen Ausbau der B 101 mit Auf- und Abfahrten außerhalb der Ortslagen und ohne Fußgängertunnel. Wichtig sind uns auch Erhalt und Neubau der Rad- und Wanderwege. Und wir stehen zum von uns mit erarbeiteten Maßnahmeplan für Straßen und Brücken.

Kitas und Schulen: Wir als UBV haben großen Anteil an der Planung des neuen Sport- und Freizeitplatzes in Obergruna. Die Finanzierung der Stadtteil-feste durch die Stadt geht auf unsere Initiative zurück. Die Rittergut-Ruine in Großschirma soll eine Grüne Schule werden, wo Unterricht im Freien möglich ist.

Einkaufen und Wirtschaft: Unsere Steuersätze sind mit auf dem niedrigsten Stand im Kreis. Dafür stehen wir. Wir sind zu aktiven Hilfestellungen bereit, um den Erhalt von Betrieben im Stadtgebiet zu sichern bzw. auszubauen. Wichtig außerdem: der Ausbau des schnellen Internets und der Erhalt des Zellwaldcenters.

Ärztliche Versorgung: Um bessere Bedingungen für die Patienten zu schaffen, haben wir die Übernahme der Hausarztpraxis in Großschirma mit ermöglicht, so durch Zuschüsse für Umbauten. Das Vorgehen der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen bei der Vergütung der Ärzte sehen wir mit Befremden.

CDU/RBV

Straßen und Radwege: Die Instandhaltung unserer Straßen und Brücken, sowie der Rad- und Wanderwege ist eine Schwerpunktthema für die CDU/RBV. Hier sind deutlich mehr Anstrengungen notwendig! Dies darf jedoch auf keinen Fall zu Lasten der Bürger gehen. Also keine Ausbau- und Unterhaltungsbeiträge!

Kitas und Schulen: In unserem ländlichen Raum ist ein aktives Vereins- und Feuerwehrwesen unerlässlich. Deshalb müssen diese auch künftig finanziell unterstützt werden. W-Lan in Vereinshäusern und in Feuerwehren muss Standard werden. Eine Weiterentwicklung geht nur mit den Akteuren vor Ort.

Einkaufen und Wirtschaft: Über die Zukunft unserer Einkaufsmöglichkeiten wie Bäcker, Fleischer, Zellwaldcenter, Gewerbegebiete entscheidet jeder Bürger selbst mit, indem er diese als Kunde annimmt. Von uns wird es keine Zustimmung zur Erhöhung der Hebesätze von Grund- und Gewerbesteuer geben.

Ärztliche Versorgung: Mit mehreren Haus- und Zahnärzten sowie Apotheken sind wir gut aufgestellt. Das wollen wir sichern und die Ansiedlung des Berufsnachwuchses unterstützen. Gleichzeitig müssen die Ärzte und Apotheken sowie die Fachärzte in Freiberg durch angepassten Busverkehr erreichbar sein.

Freie Liste

Straßen und Radwege: Straßen und Wege müssen so gut wie möglich im gesamten Stadtgebiet instand gehalten und- wenn nötig - grundhaft saniert werden. Im Fokus stehen dabei defekte Beläge und fehlende Beleuchtung. Für den Ausbau der Radwege, insbesondere entlang der B 101, setzen wir uns ein.

Kitas und Schulen: Gut ausgestattete Vereinshäuser, attraktive Sportanlagen und vertretbare Gebühren sind Kernthemen. Wichtig ist besonders uns als Freie Liste Reichenbach-Seifersdorf die Unterstützung und Vernetzung der aktiven Vereine. Die Schaffung weiterer Generationstreffs ist anzustreben.

Einkaufen und Wirtschaft: Wichtig sind uns ein weiterer Ausbau der Einkaufsmöglichkeiten und der regionalen Wirtschaft sowie eine bessere Darstellung im Stadtmarketing. Flächen zur Ansiedlung weiterer Unternehmen sind vorhanden. Die Zusammenarbeit von Schulen und Firmen muss noch verstärkt werden.

Ärztliche Versorgung: Die ärztliche Versorgung ist nicht zu 100 Prozent zufriedenstellend. Für Ärzte, die eine Praxis aufbauen möchten, muss es Anreize geben, zum Beispiel sollten Wohnraum oder Eigenheimstandorte angeboten werden. Beste Bedingungen in gemeindeeigenen Praxisräumen sind sicherzustellen.

Lebenswerte Stadt

Straßen und Radwege: Für ein Radwegkonzept in der Kommune, aber auch darüber hinaus, zum Beispiel bis Nossen, hat unsere Wählervereinigung schon vor drei Jahren ein Konzept erarbeitet und Kontakte nach Nossen geknüpft. Dies ist uns vor allem als sicherer Schulradweg für die Kinder und Jugendlichen wichtig.

Kitas und Schulen: In Siebenlehn wurde erst kürzlich mit unserer Unterstützung und Hilfe ein neuer Mehrgenerationenspielplatz unter Federführung einer Elterninitiative eingeweiht. Der neue Spielplatz entstand in der Nähe des Ortszentrums, des Wohngebiets an der Forsthofstraße und der Sportanlagen.

Einkaufen und Wirtschaft: Mit den Einkaufszentren in Großvoigtsberg und Siebenlehn ist die Stadt vergleichsweise gut aufgestellt, und die kleineren Geschäfte in den Orten ergänzen das Angebot sehr gut. Wir werden uns als Wählervereinigung "Lebenswerte Stadt" für deren Belebung, Erhalt und Erweiterung einsetzen.

Ärztliche Versorgung: Die ärztliche Versorgung ist mit zwei allgemeinen Arztpraxen, zwei Apotheken und zwei Zahnarztpraxen in den Orten Großschirma und Siebenlehn gut abgesichert. Dies gilt es zu erhalten und wurde auch mit dem Fahrstuhleinbau in der Praxis in Großschirma unterstützt.

SPD

Straßen und Radwege: Unsere Aufgaben: Sicherheit, vor allem für Kinder, gute Luft und ruhiger Verkehr. Daher wollen wir Radwege ausbauen und anlegen sowie sichere Schulwege mit Beleuchtung für alle Kinder, auch in Randlagen. Wichtig ist uns auch Lärmreduktion durch gezielte Tempolimits, vor allem nachts.

Kitas und Schulen: Die Bürger bestimmen, die Stadt führt aus. Die Bürger in den Ortsteilen sollen selbst bestimmen, welche Spiel- und Freizeitflächen oder andere Projekte angegangen werden. Dafür soll es ein Bürgerbudget von 50.000 Euro jährlich geben. Die Umsetzung der Projekte erfolgt durch die Stadt.

Einkaufen und Wirtschaft: Hauptpunkte sind freundliches Wohnen und starke Wirtschaft sowie der Aufbau von kleinen Orts-/Gemeinschaftszentren für Einkauf und Austausch. Glasfaserausbau ohne Kompromisse - das ist auch Wirtschaftsförderung. Und für Firmenneuansiedlungen sind Flächen vorzuhalten.

Ärztliche Versorgung: Wir als SPD wollen die im Vergleich zu anderen Kommunen gute Versorgung mit Allgemein- und Zahnärzten im Stadtgebiet erhalten. Zugleich muss die Stadt Neuansiedlungen, zum Beispiel durch kommunale Immobilien und weitere Hilfestellungen, aktiv unterstützen.

Linke

Straßen und Radwege: Wir als Linke sind dafür, Straßen und Radwege in den Stadtteilen in Ordnung zu halten beziehungsweise nach Möglichkeit zu erneuern. Bei uns in Obergruna gibt es auch einen maroden Weg an der Freiberger Straße, der dringend zu erneuern wäre, aber derzeit immer noch in der Planung ist.

Kitas und Schulen: Freizeitmöglichkeiten und Spielplätze sind uns wichtig. Bei uns in Obergruna gibt es Kegelbillard, Tischtennis, Frauensport, Irish dance, Bücherei und das Feuerwehrfest, wo sich viele aus dem Ort und seiner Umgebung beteiligen. Zudem wird der Sportplatz neu gestaltet.

Einkaufen und Wirtschaft: Die Obergrunaer gehen oft in einem Einkaufsmarkt in Siebenlehn einkaufen. Darüber hinaus machen bei uns ein Bäckerwagen und zwei Tiefkühlkost-Anbieter Station. Glücklicherweise hat es sich auf den Dörfern eingespielt, dass die Jüngeren etwas für die Älteren mitbringen.

Ärztliche Versorgung: Der Allgemeinmediziner aus Siebenlehn besucht auch die Senioren monatlich. Fachärzte gibt es in Nossen oder ebenso in Freiberg. Es wäre schön, wenn die wöchentliche Sprechstunde eines Hausarztes in Obergruna wieder eingerichtet werden könnte.

AfD

Straßen und Radwege: Wir müssen mehr Druck auf Freistaat und Landkreis ausüben, damit der Ausbau der B 101 und der Ausbau von Rad- und Wanderwegen endlich vorankommen. Tonnage-Beschränkungen bei Straßen müssen eingehalten und Ordnung sowie Sauberkeit in einigen Stadtteilen verbessert werden.

Kitas und Schulen: Jugendclubs, Vereine und Feuerwehren gilt es zum einen durch ein festes jährliches Budget und zum anderen beim Beantragen von Fördermitteln bei Landkreis beziehungsweise Freistaat stärker zu unterstützen. Spielplätze müssen regelmäßig gepflegt und flächendeckend vorhanden sein.

Einkaufen und Wirtschaft: Der gute Wirtschaftsstandort mit freien Gewerbeflächen muss besser beworben werden. Um Unternehmen künftige Investitionen zu ermöglichen, will die AfD Steuersenkungen prüfen und die Zusammenarbeit Schule-Unternehmen verbessern. Das Zellwald-Center muss erhalten bleiben.

Ärztliche Versorgung: Als Kommune müssen wir für eine Attraktivität unseres Stadtgebiets sorgen, die Ärzte dazu bewegt, sich genau in Großschirma anzusiedeln. Wir müssen den Kontakt zu Ausbildungsstätten und jungen Ärzten suchen und uns für eine Landarzt-Quote im Freistaat stark machen.

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