Petition wird keine Chance eingeräumt

Im Internet hat sich Protest gegen den Anbau für das Freiberger Stadt- und Bergbaumuseum formiert. Doch offenbar zu spät, um das Projekt zu kippen. Denn gebaut wird schon seit Monaten.

Freiberg.

Gegen die geplante Fassadengestaltung des Stadt- und Bergbaumuseums haben sich bis Dienstagabend 813 Personen in einer Online-Petition ausgesprochen, darunter eine Vielzahl aus Freiberg. Aber auch Einwohner aus Berlin, Leipzig und Wien finden sich unter den Unterzeichnern, ja sogar aus Belgien, der Schweiz und den USA. Die Kommentare fallen bisweilen deutlich aus: Der Neubau wirke neben den geschichtsträchtigen Bauten desillusionierend karg, nüchtern und monoton, heißt es einmal. Worte wie "abstoßend", "schrecklich" und "abartiger Baustil" sind genauso zu lesen.

Knapp drei Monate läuft die Unterschriftensammlung noch, die Sven Kegel aus dem baden-württembergischen Dilsberg auf Initiative seiner aus Freiberg stammenden Mutter gestartet hat.

Torsten Kleditzsch

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Und dann? Was folgt, wenn die Petition das selbst gesteckte Ziel von 680 Unterschriften von Freiberger Einwohnern -bisher sind es 370 - erreicht hat. Diese Frage treibt auch Baubürgermeister Holger Reuter um. "Wie wollen Sie denn damit umgehen, wenn die Petition eingereicht wird", fragte der CDU-Politiker jetzt die Mitglieder des Bau- und Betriebsausschusses des Stadtrats. "Es war ja ein zähes Ding mit dem Landesamt für Denkmalschutz." Erst nach monatelangen Verhandlungen hatten sich beide Seiten auf einen Gestaltungsentwurf geeinigt. Ein erster Entwurf, der sogar von den Stadträten abgesegnet wurde, fiel bei den obersten Denkmalschützern durch.

"Ich bin froh, wenn es Bürger gibt, die Interesse an Entscheidungen des Stadtrats zeigen", hob die Linkenpolitikerin Jana Pinka an. "Wir werden eine sachliche Entscheidung treffen", fuhr die Stadträtin und Landtagsabgeordnete fort. Auf Nachfrage stellte sie aber klar, dass die Petition zu spät kommt. Der Prozess sei nicht mehr aufzuhalten. Mit dieser Meinung, das wurde in der Sitzung deutlich, ist Pinka in den Reihen der Stadträte nicht alleine.

Schließlich beauftragten die Mitglieder des Bau- und Betriebsausschusses noch am selben Abend ein Unternehmen, den Rohbau für knapp 790.000 Euro hochzuziehen. Bereits Anfang April sollen diese Arbeiten starten. Seit dem Sommer vorigen Jahres herrscht auf dem Gelände zwischen dem Stadt- und Bergbaumuseum und den sogenannten Domherrnhäusern geschäftiges Treiben - auch Archäologen waren vor Ort, um Spuren vergangener Zeiten zu sichern. Bis Ende dieses Jahres soll das geschätzt zwei Millionen Euro teure Projekt abgeschlossen sein. Durch den Anbau erhält die Einrichtung nicht nur einen neuen Eingangsbereich, sondern auch eine um knapp 630 Quadratmeter erweiterte Ausstellungsfläche.

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