Pfarrer lobt "phänomenale Arbeit" der Diakonie

Örtlich gesehen liegt der Kretzschmarstift vor den Toren Freibergs. Ideell gesehen liegt er für viele Menschen im Herzen der Stadt.

Freiberg.

Als am 25. September 1888 das damals neu erbaute Rettungshaus für verderbte und verwahrloste Kinder eröffnet wurde, war Friedeburg noch eine eigene Ortschaft. Erst 20 Jahre später kam Friedeburg zu Freiberg. Und noch immer liegt der Kretzschmarstift an der Hainichener Straße am äußersten Ende der Stadt. Aber freilich nur geografisch gesehen. Wer die Stimmung beim Tag der Diakonie am Sonntag erlebt hat, kann nur sagen: Für viele Freiberger ist das Haus ein ideeller Mittelpunkt, an dem Nächstenliebe und Hilfe zur Selbsthilfe gelebt werden. "Die Mitarbeiter der Diakonie leisten hier eine phänomenale Arbeit", lobte Dom-Pfarrer Urs Ebenauer beim Rundgang. Und würdigte, dass der christliche Gedanke ebenso zu spüren sei wie auch die wirtschaftlich solide Grundlage.

Mehrere hundert Gäste waren am Sonntag herausgekommen, um zu sehen und zu erleben, wie der Diakonie-Gedanke heute nach wie vor mit Leben erfüllt wird. Es war ein hoher Beamter, der Königliche Hofposthalter Johann Gottlob Kretzschmar, gewesen, der, kinderlos, im Testament den Auftrag zur Gründung einer Erziehungsanstalt niedergeschrieben hatte.

1860 war ein erstes Heim für fünf Knaben entstanden. Im Laufe der Jahre bekam die Stiftung weitere Gönner. Und 1888 das Domizil vor den Toren Freibergs. 1950 begann die Aufnahme lern- und geistig behinderter Kinder. Seit 1970 wurde das arbeitstherapeutische Angebot ständig ausgebaut. Seit 1991 betreibt die Diakonie Freiberg den Kretzschmarstift. Seitdem ist am Rand von Friedeburg viel geschehen. So 1997 die Eröffnung der neuen Werkstatt für Behinderte, 1999 die des neuen Behindertenheims, 2000 der Beginn der Tagesbetreuung, 2001 der Umbau des alten Kretzschmar-stifts, 2012 bis 2013 die Errichtung des Mehrzweckgebäudes, 2015 der Ausbau des Dachgeschosses im Haus Lichtblick.

Heute gibt es vor Ort 48 Plätze für Menschen, die tagsüber in den Freiberger Werkstätten "Friedrich von Bodelschwingh" arbeiten oder in der Tagesbetreuung des Hauses betreut werden, sowie die Wohnpflege mit zwölf Plätzen für Menschen mit Schwerst- oder Mehrfachbehinderungen und einem entsprechend hohen Pflegebedarf. Dazu kommen jene Menschen, die selbstständig genug sind, um in den Außenwohngruppen der Diakonie zu leben.

Selbstständig leben zu können, das ist das oberste Ziel der Betreuung, sagt Diakonie-Vorstand Catrin Krause. Robby, 30, nickt. Er hat im Dachgeschoss des Kretzschmarstifts ein eigenes Zimmer bekommen. Und fühlt sich dort wohl. Robby ist nur ein Beispiel von vielen, die zeigen, dass sich Arbeit auszahlt und die Bewohner des Kretzschmarstifts dort ihr kleines Glück finden können.

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