Politikerin setzt auf Kontaktverfolgung

Der neue CDU-Parteivorsitzende will lieber verbinden statt spalten. Trotzdem war Armin Laschet nicht der Wunschkandidat von Susan Leithoff. Dafür hat sie einen gewichtigen Grund.

Oederan.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt Susan Leithoff auf den neuen CDU-Parteivorsitzenden. "Ich kann und muss mich mit dem in einer demokratischen Entscheidung gekürten Armin Laschet abfinden", sagt die CDU-Landtagsabgeordnete. "Er konnte sich durchsetzen, weil er auf das Verbindende setzt, nicht auf die Spaltung", so die Schönerstädterin. Ihr Wunschkandidat für den am Wochenende neu vergebenen Posten sei Friedrich Merz gewesen, sagt sie. "Wir stehen vor wirtschaftlich und finanziell schwierigen Zeiten." Da sei ihr Favorit ein Schwergewicht, begründet sie.

Susan Leithoff glaubt nicht, dass der in der Wahl des Parteivorsitzenden unterlegene Merz eine Chance als Kanzlerkandidat hat. "Wenn wir aus der CDU heraus einen Kanzlerkandidaten küren, läuft das sicher auf den Parteivorsitzenden hinaus. Aber auch in der Schwesterpartei lassen sich gute Kandidaten finden", sagt Leithoff, ohne Markus Söder namentlich zu nennen.

Angesichts der Bund-Länder-Beratung zur Pandemie am heutigen Dienstag rechnet Leithoff mit härteren Regeln und nicht damit, dass über Lockerungen geredet wird. "Wenn wir die Zahlen der Infizierten und der Toten in den Griff bekommen wollen, dann geht das nur durch Impfungen und eine bessere Kontaktverfolgung", sagt die Politikerin. Die Bundeskanzlerin habe bereits im Oktober vor einer weiteren Welle gewarnt. Aber viele - auch sie selbst - hätten die Warnungen angesichts der niedrigeren Zahlen in den Wind geschlagen. Die für den Lockdown nötige Akzeptanz sei nicht gegeben gewesen. Gerade jetzt müssten alle zusammenhalten.

Eine positive Bilanz zieht Susan Leithoff nach gut einem Jahr ihrer Tätigkeit im Sächsischen Landtag. Vor kurzem wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Fraktion gewählt. "Nach wie vor habe ich großen Spaß an dieser Arbeit", sagt die Rechtsanwältin, auch wenn sie für ihre anwaltliche Tätigkeit nur noch wenig Zeit aufbringen kann. "Ich würde es immer wieder tun, auch wenn ich keinen Vergleich zu normaler Parlamentstätigkeit habe." Denn seit Beginn ihrer Abgeordnetentätigkeit war Corona das alles beherrschende Thema. Im Landtag fühle sie sich sehr wohl und verzeichne auch positive Rückkopplungen. Dennoch komme sie sich manchmal vor wie in einem Hamsterrad. "Ich bin noch gar nicht großartig zum Nachdenken gekommen", so die Juristin. "Mit jedem Schritt, den man geht, wächst man auch", hat die Abgeordnete erfahren. Dabei habe sich ihr eigener Anspruch nicht verändert. "Und zum Glück habe ich einen bodenständigen Rückhalt", sagt die verheiratete Mutter eines Kindes.

Ihre Aktivitäten im Landtag und als Oederaner Stadträtin beeinflussten sich gegenseitig. "Mein Wahlkreis ist relativ groß. Ich verstehe mich als Abgeordnete für alle", so Leithoff. Von daher sei es gut zu wissen, welche konkreten Probleme Städte und Gemeinden hätten. Im Stadtrat von Oederan habe sie wiederum festgestellt, dass Bürger sie oft als Landespolitikerin und mitunter auch als Botschafterin des Freistaates sehen. "Ich vermittle gern, wenn ich zu einem Thema etwas beisteuern kann, versuche aber stets, zwischen Kommunal- und Landespolitik zu trennen."

In diesem Spannungsfeld ist auch der gordische Knoten Windkraft zu finden. "Wir brauchen im Freistaat mehr erneuerbare Energien. Aber auch die Interessen von Kommunen und Bürgern müssen berücksichtigt werden", sagt die Parlamentarierin. Daher sei es nötig, Regelungen für die Ansiedelung von Windparks zu finden. Ein erster Schritt sei die Vorgabe, dass Windräder nicht näher als 1000 Meter an eine Kommune heranrücken dürfen. "Das soll jetzt Gesetzestext werden", sagt Leithoff, die froh ist, dass das polarisierende Thema in der Regionalentwicklung bei ihrem Parteifreund, Staatsminister Thomas Schmidt, angesiedelt ist. Es bestehe die Gefahr eines Wildwuchses bei Windkraft, da aktuell kein belastbarer Regionalplan existiere. Diese Gefahr müsse gebannt werden.

Und vor welchen Herausforderungen steht Oederan nach Ansicht der Stadträtin? "Die Lage ist durch Corona überschattet", sagt sie. Dennoch müssen Großprojekte wie die Sanierung des Rathauses und der Breitbandausbau vorangetrieben werden. "Wenn wir die Innenstadt beleben wollen, muss die Baustelle am Markt wieder weg",

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