Polizei: Weniger Unfälle, aber mehr Tote

Auf den Straßen im Kreis Mittelsachsen hat es 2018 weniger Zusammenstöße als im Vorjahr gegeben. Die Anzahl der Opfer ist dagegen stark gestiegen.

Freiberg.

Ungenügender Sicherheitsabstand und Raserei sind die Hauptursachen für die 7336 Verkehrsunfälle gewesen, die die Polizei im vergangenen Jahr in Mittelsachsen aufgenommen hat. Wie Polizeisprecherin Jana Ulbricht am Mittwoch weiter informierte, folgten an dritter Stelle Fehler beim Wenden und Rückwärtsfahren. Mit fatalen Folgen: 19 Menschen kamen 2018 auf den Straßen im Landkreis ums Leben. Das sind sechs Todesopfer mehr als im Vorjahr.

Auch die Anzahl der Verletzten ist den Angaben der Polizeihauptkommissarin zufolge gestiegen. So habe es 2018 im Straßenverkehr zwischen Neuhausen und Rochlitz 334 Schwer- und 763Leichtverletzte gegeben; im Jahr zuvor seien es noch 288 Schwer- und 690 Leichtverletzte gewesen.


Dass die Personenschäden zugenommen haben, obwohl die Anzahl der Unfälle in Mittelsachsen im Jahresvergleich gesunken ist (siehe nebenstehende Grafik), bezeichnet Polizeirat Stefan Auge als kritische Entwicklung. "Gerade mit Blick auf die immer besser werdenden technischen Schutzeinrichtungen von Fahrzeugen wäre hier eher ein Rückgang der Verletzten und tödlich Verunglückten zu erwarten", sagte der Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Chemnitz weiter. Insbesondere mit Blick auf die Hauptunfallursachen sei die Polizei gefordert, diesen negativen Trend zu stoppen.

"Verkehrskontrollen dienen nicht dazu, die Verkehrsteilnehmer zu ärgern oder das 'Staatssäckel' aufzufüllen", erklärt Auge dazu, "sie sind eine staatliche Aufgabe und dienen dem Schutz des Lebens und der Gesundheit aller Verkehrsteilnehmer." Besonders tragisch: Im Bereich der Polizeidirektion, also dem Landkreis Mittelsachsen, der Stadt Chemnitz und dem Erzgebirgskreis waren voriges Jahr auch 260 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt worden; ein Kind war getötet worden.

In 1407 Fällen hatten sich voriges Jahr in Mittelsachsen Unfallbeteiligte pflichtwidrig vom Unfallort entfernt, so Sprecherin Ulbricht: "Fast jeder fünfte Unfall im Landkreis Mittelsachsen war eine Fahrerflucht." 2017 zuvor seien es 89 Fälle weniger gewesen. Die Aufklärungsquote liege bei 41,6 Prozent.

Am häufigsten kracht es der Polizeistatistik zufolge im Landkreis an der Autobahnanschlussstelle Siebenlehn, auf der B 173 zwischen Freiberg und Oberschöna, in Frankenberg auf der August-Bebel-Straße/Winklerstraße, in Lüttewitz auf der B 169 am Wolfsgut, auf der Staatsstraße 201 zwischen Mittweida und Rossau sowie in Großschirma auf der B 101. 2018 seien in Mittelsachsen zudem 1388 Wildunfälle statistisch erfasst worden, ergänzt Daniela Koenig von der Polizei-Pressestelle: "Im Vergleich zu 2017 ist das ein Anstieg um 85 Unfälle."


Alkohol am Steuer

363 Fahrer haben 2018 unter Alkoholeinfluss einen Unfall im Gebiet der Polizeidirektion Chemnitz verursacht, das neben Mittelsachsen auch Chemnitz und den Erzgebirgskreis umfasst. Dabei wurden 167 Personen verletzt. 1031 angetrunkene Fahrer wurden bei Kontrollen aus dem Verkehr gezogen.

Allein in Mittelsachsen gab es 2018 114 Unfälle mit Personen, die unter Alkoholeinfluss standen.Die Polizei holte im Landkreis 298 alkoholisierte Fahrer bei Kontrollen von der Straße.

2236 Tempokontrollen wurden im PD-Bereich durchgeführt. Dabei wurden 54.103 Verstöße festgestellt.


"Rate zu Sicherheitstraining"

Der Polizeibericht zur Unfallstatistik 2018 liegt vor. Robin Poneß unterhielt sich dazu mit Werner Helfen, Chef der Gebietsverkehrswacht.

Die Anzahl der Verkehrsunfälle hat abgenommen, trotzdem stieg die Zahl der Verletzten und Getöteten im Straßenverkehr an. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Hauptproblem ist die Geschwindigkeit, mit der die Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Gerade Fußgänger sind gefährdet. Ein Auto, das in einer 30-er Zone mit 50 Sachen unterwegs ist, verringert die Überlebenschance eines Fußgängers dramatisch.

Junge Fahrer sind häufig an Unfällen beteiligt. Wie sollten sie besser geschützt werden?

Ich empfehle, dem jungen Fahrer ein Fahrsicherheitstraining zu schenken. Das soll nicht heißen, dass er oder sie ein schlechter Autofahrer ist. Im Training wird das Know-how vermittelt, wie man sich in Gefahrensituationen richtig verhält. Oft ist es eben dieses Wissen, das Leben retten kann.

Fahrer der Generation 65 plus sind an jedem vierten Unfall beteiligt. Was raten Sie den Senioren?

Ab einem Alter von 70 oder mehr ist ebenfalls ein Fahrsicherheitstraining angebracht. Dieses kann zum Beispiel bei Fahrschulen absolviert werden. Ein Gesetz dazu halte ich jedoch weder für umsetzbar noch für sinnvoll.

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