Postmeilensäule nun in neuer Schönheit

Das Original der Distanzsäule am Frauensteiner Markt wurde einst von Adam Zürner im Auftrag August des Starken errichtet. Nun wird die Nachbildung in einem Steinmetzbetrieb restauriert.

Frauenstein.

Zeitaufwändig und sicher auch unbequem; so wird das Reisen gewesen sein - zu jener Zeit, als man von Frauenstein nach Dresden ganze 8 5/8 Stunden benötigte. Stieg ein Reisender 1727 beispielsweise am Frauensteiner Markt an der Poststation in die Postkutsche, so kam er knapp sechs Stunden später in der Stadt an der Elbe an. Wollte er ins vogtländische Plauen, musste er 29 Stunden in Kauf nehmen, ins thüringische Langensalza waren es gar 59 3/8 Stunden.

Nachzulesen sind die zeitlichen Entfernungen auf der Kursächsischen Postdistanzsäule, die gegenwärtig in der Firma Steinmetzhandwerk Schneider in Frauenstein restauriert wird. Allerdings handelt es sich bei der Säule nicht mehr um das Original. Jene reich verzierte Distanzsäule, die nach der Vermessung des Kurfürstentums Sachsen durch Adam Friedrich Zürner - im Auftrag August des Starken - eben 1727 am Markt von Frauenstein errichtet wurde, war beim Stadtbrand 1869 bis auf den Schriftblock vernichtet worden. Interessant jedoch ist die Geschichte des Steins insgesamt und auch der noch erhaltenen Teile.

Denn der Schriftblock mit den Entfernungsangaben bekam im Garten des damaligen Bürgermeisters Göhler einen Platz. Im Jahr 1925, so ergaben Recherchen der Forschungsgruppe im Verein Kur-sächsische Postmeilensäulen, wurde die Säule rekonstruiert und erhielt ihren Standort vier Jahre später vor dem Postamt. Eine Nachbildung der Säule errichtete man 1984 auf dem Markt am Rathaus, der alte Sockel stand mit einer in einem Aufsatz angebrachten Digitaluhr noch eine Zeit an der Post, bevor er abgebrochen wurde. "Das Sandsteinteil mit dem Wappen befindet sich im Frauensteiner Silbermannmuseum", sagt Magnus Schneider.

Der Steinmetzmeister arbeitet seit etwa einem Jahr an der Restaurierung der Distanzsäule, die aus Reinhardtsdorfer Sandstein besteht. "Schon das Abbauen der Einzelteile war gar nicht so einfach", erinnert er sich. Schließlich sollte nichts kaputtgehen. In der Werkstatt ging der Steinmetz zunächst daran, die einzelnen Teile von Algen und Moosbefall zu reinigen. Ganz schonend hat er dann mit einem Strahlmittel den Sandstein aufgehellt. Das Ausbessern von Fehlstellen gehörte ebenso zu den Arbeiten. Und schließlich war der Steinmetz besonders gefragt: "Die verwitterten Teile im Schriftblock mussten gespachtelt und nachgehauen werden. Das habe ich in vertiefter Frakturschrift gemacht", erklärt der 36-Jährige.

Auch das Wappenteil der Säule - es trägt sowohl das sächsisch kurfürstliche als auch das königlich polnische Wappen August des Starken - musste bildhauerisch nachgearbeitet werden. Danach bekam es seine Gestaltung in verschiedenen Farben, einzelne Teile wurden mit Blattgold belegt. "Die Farbtöne sind nach historischen Vorbildern ermittelt worden", sagt Magnus Schneider. In monatelanger filigraner Arbeit wurden die Farbschichten aufgebracht. Als Herausforderung bezeichnet der Steinmetzmeister auch die große Farb- und Goldfassung. Es freut ihn, an der historisch bedeutsamen Säule mitgearbeitet zu haben.

Aus Sicht von André Kaiser von der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen ist die Distanzsäule in Frauenstein wertvoll, enthält sie doch die einst von Zürner ermittelten Entfernungen. Allerdings wurden nun zwei Fehler verbessert: die Reiseangaben für Görlitz und Brix. "Damit werden Fehler bei der Übertragung vom Original auf die jetzige Säule korrigiert", sagt André Kaiser. Die damalige Nachbildung sei ohne fachliche Betreuung passiert. Die Forschungsgruppe hat zudem herausgefunden, dass die Säule einst um 45 Grad gedreht ihren Platz hatte. "Die Originalausrichtung bekommt sie nun zurück", so André Kaiser. Im kommenden Monat, sagt Magnus Schneider, sollen der restaurierte Schriftblock und das Wappenteil ihren Platz auf dem Sockel am Markt wieder bekommen.

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