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Preisexplosion sorgt für Millionenloch bei Regiobus

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Tickets werden im Nahverkehr ab August regulär teurer. Doch reicht dies aus, um die gestiegenen Kosten zu decken?

Freiberg.

Michael Tanne, Geschäftsführer beim mittelsächsischen Verkehrsunternehmen Regiobus, beobachtet derzeit gespannt den Rohölmarkt: "Das ist ja der Wahnsinn, die Sprünge sind schwer fassbar!", sagt er. Zwar schlagen sich diese Steigerungen nicht automatisch auf die Preise nieder, die Regiobus beim Großhändler für Diesel zahlen muss, aber sie spiegeln derzeit eines der Probleme wider, mit denen die Branche kämpfe.

Seit 2020 helfen sogenannte ÖPNV-Rettungsschirme, um die pandemiebedingten Einnahmeausfälle im Nahverkehr auszugleichen. Der jüngste wurde erst beschlossen. Im dritten Corona-Jahr kommt noch das 9-Euro-Ticket hinzu, das die Bürger entlastet, für Unternehmen aber zunächst so Tanner "erhebliche Einnahmeeinbußen" bedeute. Zwar wird auch das über den Rettungsschirm gedeckelt, aber zunächst fehle das Geld in der Kasse. "Das dritte Problem ist, dass die Kosten überall exponentiell explodieren", sagt Tanne. "Uns in der Transport- und Beförderungsbranche trifft das besonders, da unser Energiebedarf an Kraft- und Schmierstoffen einfach höher ist als bei Privatpersonen", sagt er. Zudem verpflichten gesetzliche Regelungen das Verkehrsunternehmen, etwa im Stadtverkehr auf erneuerbare Energien umzustellen. Der Umstieg verursache auch hier ungeplante Kosten: "Im Moment haben wir das bösartige Phänomen, das auch die Energieträger für die Alternativantriebe exponentiell steigen." Sprich, Entlastung ist auch hier nicht zu erwarten, wenn Busse mit Strom fahren.

Der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) steigert zwar ab August um durchschnittlich 6,6 Prozent seine Preise, doch das wurde bereits Anfang März beschlossen. Genügt das, um die weiter steigenden Kosten für Diesel, Strom und Personal zu bestreiten? "Nicht ansatzweise", sagt Tanne. "Diese Fahrpreiserhöhungen werden gemacht, um normale Preisentwicklungen auszugleichen", beschreibt er. Im Verkehrsverbund erfolge diese alle zwei Jahre, die letzte sei 2020 coronabedingt um ein halbes Jahr verschoben worden. Der schlichte Mehrbedarf, den es jetzt gibt, war zuletzt im Kreistag Thema. Der kämpft ohnehin mit einem Haushaltsloch von 22 Millionen Euro wegen insgesamt gestiegener Sozialkosten, weshalb eine Haushaltssperre ausgesprochen wurde.

Wie hoch beziffert Regiobus seine Mehrkosten? "Allein aus dem Kraftstoff heraus sind es bei uns 1,4 Millionen Euro", umreißt Tanne für sich und die Subunternehmen diese. Die Preise für Diesel hätten sich grob gesprochen verdoppelt. 3,3 Millionen Dieselkraftstoff brauche es für die rund 12,5 Millionen gefahrenen Kilometer pro Jahr. "Da können Sie sich vorstellen, was ein Cent da ausmacht", beschreibt er.

Können diese Kosten an anderer Stelle eingespart werden oder müssen Kunden langfristig mit höheren Preisen rechnen oder weniger Linien? Einsparpotenzial gebe es nur dahingehend, sagt Tanne, dass Leistungen nicht mehr angeboten werden. "Aber das würde der gewollten Mobilitätswende völlig zuwiderlaufen." Die Nachfrage nach mehr Angeboten sei jetzt bereits größer, zudem setze die Schülerbeförderung als ein Kern des Fahrgeschäfts dem schlicht Grenzen. "Letztlich ist das eine Entscheidung der Aufgabenträger vor Ort, des Landkreises Mittelsachsen", sagt er, Regiobus als Unternehmen wäre erst nach einer entsprechenden Kreistagsentscheidung gefragt, entsprechende Konzepte zu entwickeln.


Kommentar: Auf derBremse

Der Krieg gegen die Ukraine und wie Russland auf europäische Sanktionen reagiert, verschärft ein Problem: Wie abhängig wir Deutschen noch von fossilen Energieträgern sind. Die notwendige Energiewende wird teuer werden. Eigentlich sollten Diesel und Benzin per Aufschlag unattraktiver werden, sodass manchem der Wechsel zu Alternativen beim Fahren überlegenswerter erscheint. Das diese im Moment nicht wirklich eine Alternative sind, weil neben den Anschaffungskosten auch die Strompreise angezogen haben, zeigt das Beispiel Regiobus als Großabnehmer. Eine bundesdeutsche Energiewende wird ausgebremst, wohl auch weil sie zu lange aufgeschoben wurde. Das rächt sich jetzt mit Krieg und Krise und verursacht erhebliche Mehrkosten. Drei Monate gibt es für Verbraucher dafür zwar ein Entlastungspaket mitsamt 9-Euro-Ticket. Aber das gilt eben nur bis August. Dabei wäre eine langfristige Lösung gefragt, um unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden.

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