Quo vadis "Buntes Haus"?

Stadt und Team ringen um eine sichere Zukunft des Mehrgenerationenhauses. Laut OB Sven Krüger gibt es viele Optionen.

Freiberg.

Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) macht das "Bunte Haus" zur Chefsache. Nach einem Treffen mit der bisherigen Leiterin des Mehrgenerationenhauses und zwei Stadträten kündigt Krüger ein unverzügliches Gespräch mit Stoyan Dimitrov an - dem Chef des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschland (CJD) Sachsen, das Träger des Hauses ist. Laut Krüger sollen jetzt schnelle Lösungsansätze gefunden und umgesetzt werden. Zudem werde die Stadt mit allen Beteiligten darüber beraten, wie das Haus langfristig aufgestellt werden soll.

Laut Recherchen der "Freien Presse" gibt es seit einiger Zeit Unstimmigkeiten zwischen CJD und Mitarbeitern vor Ort. Die bisherige Leiterin des Hauses, Sylvia Richter, wurde daraufhin in den Kindertreff versetzt, Kindertreff-Leiter Thomas Starke soll im Hort der Winklerschule arbeiten. Der Kindertreff ist geschlossen, wird aber laut Aushang am 15. April wieder öffnen.

Christoph Ulrich

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Das Treffen am Montag wurde Krüger zufolge bereits vor mehreren Wochen vereinbart, als Unstimmigkeiten über die Entwicklung des Hauses laut wurden. Wegen der vom CJD veranlassten Personalveränderungen hatte der Termin nun aber eine besondere Bedeutung, so der OB: Es bestehe "akuter Handlungsbedarf". Das "Bunte Haus" sei ein wichtiger Bestandteil der sozialen Arbeit in Freiberg und müsse mit seinen vielfältigen Angeboten unbedingt erhalten werden.

Freie-Wähler-Stadträtin Heidi Hinkel war bei dem Treffen dabei. "Es war ein konstruktives Gespräch", schätzt die Freibergerin ein, die mit ihren Hinkelsingers im "Bunten Haus" probt.

Der frühere Freiberger CJD-Leiter Michael Düsing bezweifelt, dass eine langfristige Sicherung und Entwicklung des Hauses mit dem jetzigen Träger zu schaffen ist. Linken-Stadträtin und Landtagsabgeordnete Jana Pinka sieht das ähnlich. Sie spricht sich für eine Übernahme des Hauses und seiner Mitarbeiter in kommunale Trägerschaft aus: "So wäre Generationengerechtigkeit hergestellt, und die Bundesförderung wäre zumindest bis zum 31.Dezember 2020 gesichert." Bis Ende 2020 läuft das Bundesprogramm für Mehrgenerationenhäuser: Jährlich fließen 30.000 Euro vom Bund und 10.000 Euro von der Stadt Freiberg.

Auf die Frage nach einem möglichen Trägerwechsel oder einer Übernahme durch die Stadt sagt OB Krüger, dass es "viele Optionen" gebe, um die Zukunft des Treffs zu sichern. Die weiteren Schritte müssten inhaltlich gut vorbereitet werden, da es sich um eine "ganz wichtige Einrichtung" handele. "Schnellschüsse müssen vermieden werden", betont der OB. Das Haus müsse so schnell wie möglich wieder in geordnete Verhältnisse geführt werden. Dafür sei die Unterstützung der vielen Ehrenamtlichen und der Mitarbeiter nötig, "die jetzt unbedingt zu ihrem und unserem Haus stehen müssen".

Der ehemalige Freiberger CJD-Chef Düsing stärkt der bisherigen Leitung den Rücken. Das "Bunte Haus" sei für viele Menschen "ein unverzichtbarer und wichtiger Treff", so Düsing, der seit zehn Jahren im Ruhestand ist. Zu seinen bewegendsten Erfahrungen habe der Aufbau des "Bunten Hauses", eines der bundesweit ersten Mehrgenerationshäuser, gehört. Laut Düsing brachten sich alle vor Ort mit vielen Ideen, Kreativität und Hinwendung ein - unterstützt von CDU-Bundespolitikerin Veronika Bellmann, der Initiatorin und Patin des "Bunten Hauses", und der Stadt Freiberg. Dadurch sei das Haus ein "Erfolgsmodell eines sozialen Anlaufpunktes für alle Generationen" geworden. Jetzt aber sei die Existenz des Hauses "auf das Höchste gefährdet". Düsing zufolge mangelt es an der Motivation der Mitarbeiter durch die CJD-Leitung, sie würden bei Entscheidungen nicht einbezogen. Linken-Politikerin Pinka sagt, dass "das gute soziale Klima, das Miteinander, das Engagement sowie die Motivation der jungen und älteren Nutzer auf der Strecke" bleibe.

Zu all diesen Vorwürfen äußerte sich CJD-Chef Dimitrov auf Anfrage nicht. Auch die Frage nach konkreten Schritten, um das "Bunte Haus" zu sichern, blieb unbeantwortet. Vielmehr kam per Mail noch einmal ein Teil der Antwort auf die Fragen der "Freien Presse" in der Vorwoche. Darin heißt es: "Die erklärten Ziele ... beinhalten die Fokussierung auf Bedarfe (gemäß der Förderprogrammschwerpunkte), die mehrheitsfähig sind, die inhaltliche und qualitative Weiterentwicklung der Arbeit und der Angebote im Haus sowie die langfristige Absicherung der Einrichtung." Verschickt hat die E-Mail Corinna Thamm, Referentin Unternehmenskommunikation im CJD - Die Chancengeber.

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