Radverkehr: Zwei Strecken am wichtigsten

Mit dem Fahrrad von Neuhausen nach Mulda und von Holzhau nach Freiberg: Das streben die Erzgebirger im Radwegekonzept an.

Dorfchemnitz.

Zwei Strecken haben die Erzgebirger beim ersten Bürgerworkshop zum Radverkehr in der Region klar als wichtigste Achsen des Radverkehrs benannt: zum einen die Verbindung von Neuhausen nach Mulda, zum anderen die Strecke von Holzhau nach Freiberg.

Etwa zwei Dutzend Bürger, Gemeinderäte und Bürgermeister aus Dorfchemnitz, Neuhausen, Rechenberg-Bienenmühle und Sayda kamen am Dienstagabend mit dem Planungsbüro Mobilitätswerk Dresden zusammen. Bewaffnet mit grünen, gelben und roten Filzstiften haben sie sich über eine Landkarte der Region gebeugt und darin gut, mittel und schlecht angelegte Radrouten eingetragen.

Im Vorfeld hatten sich die Dresdner Planer selbst auf den Sattel geschwungen und bestehende Routen getestet. Als positive Beispiele hob Projektmitarbeiterin Janna Enge den Bierweg in Sayda und den Untere Seitenweg in Dorfchemnitz hervor, weil sie teils asphaltiert und autofrei sind. Positiv sei auch die erste erzgebirgische Ladestation für E-Bikes auf dem Schwartenberg. Ausbaufähig seien dagegen die Cämmerswalder Straße und die Kreuztanne in Sayda sowie die Alte Neuhausener Straße in Neuhausen. An Beschilderungen selbst mangele es nicht, doch sie seien nicht einheitlich, nicht flächendeckend und teilweise unübersichtlich. Zudem müssten sich Radfahrer oft die Straße mit Autofahrern teilen, die mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs sind.

Dazu wurde die Frage erörtert: Was trägt dazu bei, damit mehr Menschen aufs Rad steigen? Uwe Trommler aus Holzhau meint: "Wenn nichts ist, wo man mit dem Fahrrad lang fahren kann, dann fährt man dort nicht hin." Wenn aber Radstrecken da seien, kämen die Leute auch, davon sei er überzeugt. Für Michael Funke, Bürgermeister von Rechenberg-Bienenmühle, hat der Muldentalradweg, sprich die Verbindung von Holzhau nach Freiberg, oberste Priorität in Sachen Radverkehr. "Die kurvige Muldentalstraße ist kreuzgefährlich", sagt er. Zum Muldentalradweg gab es schon einmal ein Konzept, es scheiterte aber am Geld und am Veto der Bahn, die den Radweg als zu nah an den Gleisen empfand.

Neuhausens Bürgermeister Peter Haustein sieht, wie es die tschechischen Nachbarn machen: "Die Busse haben alle einen Radträger hinten dran. Man könnte auch bei uns viel mehr Leute fürs Radfahren sensibilisieren, wenn sie die Sicherheit hätten, immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurückzukommen", sagt er. Uwe Lachmann, Gemeinderat in Rechenberg-Bienenmühle, ergänzt: "Es muss auch feste Routen mit Höhenangaben und Distanzen geben, um einen Anreiz zu schaffen, die Wege auch zu nutzen. Dazu mehr Ladestationen für E-Bikes an Gaststätten." Er selbst sei oft mit dem Rad in Tschechien unterwegs. "Die Gefahr besteht: Wenn wir hier nichts machen, fahren die Leute rüber." Weniger wichtig waren den Teilnehmern neue Rastplätze und Fahrradständer. Lieber solle das Geld in die Radwege investiert werden, hieß es. Dann ließen sich Gastronomen ohnehin etwas einfallen, wie sie vom Radverkehr profitieren können, sagt Lachmann. Er denkt zudem an eine künftige Doppelnutzung: Was im Sommer ein Radweg ist, kann im Winter eine Loipe sein.

Termine: Der 2. Workshop für die Gemeinden Lichtenberg, Weißenborn und Bobritzsch-Hilbersdorf ist für Montag, 18. November um 17 Uhr im Nebengebäude der Grundschule Lichtenberg geplant. Als drittes sind Brand-Erbisdorf, Mulda und Großhartmannsdorf an der Reihe: Der Bürgerworkshop findet am Donnerstag, 28. November um 17 Uhr im Stadthaus Brand-Erbisdorf statt. Alle Interessierten können eigene Ideen einbringen.


Online-Umfrage gut genutzt

395 Personen haben sich an der Online-Umfrage der Planer beteiligt, die insgesamt 902 Routen, 244 Gefahrenstellen und 16 Fahrradständer in eine interaktive Karte eingetragen haben. Die Unter-18-Jährigen nutzen das Fahrrad häufig, um zur Schule zu kommen, die Über-18-Jährigen eher, um Besorgungen zu erledigen oder in der Freizeit. Für den Weg zur Arbeit wird das Rad weniger genutzt. 94Prozent der Teilnehmer wünschen sich Radwege abseits des Autoverkehrs. Die Angst, von schnell fahrenden Autos oder Motorrädern auf der Landstraße übersehen zu werden, hält einige davon ab, aufs Rad zu steigen. Zwischen 2016 und 2018 sind in den vier Gemeinden insgesamt 7 Radunfälle mit Personenschaden passiert. Das Interesse, ein E-Bike zu kaufen, steigt. Das erweitere die Zielgruppe, berge aber auch neue Gefahren. Das Radwegekonzept wird für die Orte Brand-Erbisdorf, Bobritzsch- Hilbersdorf, Weißenborn, Lichtenberg, Mulda, Großhartmannsdorf, Dorfchemnitz, Sayda, Neuhausen und Rechenberg-Bienenmühle erstellt. Träger ist der Landkreis. (cor)

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