Radweg nach Hilbersdorf kommt

Seit Jahren wird ein Bau von Bürgern gefordert und im Stadt- und Gemeinderat diskutiert. Nun nimmt das Projekt Fahrt auf, auch weil der Freistaat jetzt mit im Boot ist. Das Ziel ist dennoch fern.

Freiberg/Hilbersdorf.

Die Freude ist spürbar. "Wir sind sehr froh", bemerkt André Melzer. Der Hilbersdorfer kämpft mit weiteren Mitstreitern für den raschen Bau eines Geh- und Radwegs von seinem Heimatort nach Freiberg. Seit Mitte der 1990er-Jahre wird davon geredet. "Doch das ist immer wieder vertagt und verschoben worden", fährt er fort. Nun der Erfolg: Der Freistaat plant, finanziert und baut den Weg entlang der Staatsstraße vom Ortsausgang Hilbersdorf bis zum Knotenpunkt der angedachten Ortsumfahrung.

Die Strecke bis zum Knappenweg soll in Regie des Zweckverbands "Gewerbegebiet Freiberg Ost", an dem die Stadt Freiberg und die Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf beteiligt sind, verwirklicht werden. Einen entsprechenden Beschluss hat die Verbandsversammlung jetzt gefasst. "Der starke Bürgerwille ist uns ein Ansporn, das Projekt rasch umzusetzen", erklärt Verbandschef Volker Haupt, der zugleich Bürgermeister von Bobritzsch-Hilbersdorf ist. Damit zielt der CDU-Politiker auf eine Demo mit knapp 400 Teilnehmern Anfang September ab und auf eine Petition, die 1500 Menschen unterzeichneten.

Trotzdem werden Radfahrer und Spaziergänger längere Zeit warten müssen, ehe sie auf der knapp einem Kilometer langen Strecke zwischen den Orten pendeln können. Der Freistaat will, wie es aus dem Wirtschaftsministerium heißt, bis Anfang 2019 die Planung für sein Teilstück auf den Weg bringen. Baustart und -ende sind noch genauso unklar wie die Kosten. CDU-Landespolitiker Steve Ittershagen, der sich in Dresden für das Projekt starkmacht, sagt, das werde nichts von heute auf morgen, drei Jahren erschienen realistisch.

André Melzer wäre es anders lieber. "Wir hätten uns das einfacher vorgestellt." Dennoch, ergänzt er, herrsche Erleichterung im Ort. Die Chefs in den beiden Rathäusern sind sich ebenfalls einig: Der Weg ist wichtig. Auf der unübersichtlichen Staatsstraße sind viele Fahrzeuge unterwegs, darunter viele Lkw und Busse. André Melzer verweist auf Unfälle in der Vergangenheit: "Du hast als Radfahrer oder Fußgänger keine Chance." Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) spricht von einem Thema, das auch deshalb seit eineinhalb Jahren omnipräsent gewesen sei. Gemeinsam habe man nach einer Lösung gesucht und eine gefunden. "Das Projekt ist auf den Weg gebracht."


Kommentar: Kampf hat sich gelohnt

Jahrelang Stillstand, nun geschäftiges Treiben: Der Geh- und Radweg von Freiberg nach Hilbersdorf kommt, wenn auch nicht sofort, sondern vermutlich erst in drei Jahren, aber immerhin. Vor ein paar Wochen schien eine Realisierung des Projekts Lichtjahre entfernt. Das wäre es wohl weiterhin. Doch das Engagement, das eine unerschrockene und nimmermüde Gruppe von Bürgern an den Tag gelegt hat und immer noch legt - Respekt dafür -, verleiht dem seit Mitte der 1990er-Jahre diskutierten Vorhaben ungeahnten Schwung. Endlich! Was blieb der Politik übrig nach einer Demo mit gut 400Teilnehmern und einer Petition, bei der fast 1500 Leuten unterschrieben haben? Das sind deutliche Zeichen für die Unzufriedenheit, für den Unmut und dafür, dass die Politik handeln muss, soll die Demokratie keinen Schaden nehmen. Erfreulich, Dresden hat dies erkannt. Doch warum schultert der Freistaat nicht den Bau der ganzen Strecke? Wegen einer Ortsumgehung, die errichtet werden soll, aber wohl nie gebaut wird -zumindest ich glaube nicht daran. Hier wäre mehr Realitätssinn gefragt.

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